29.08.1966

Datum: 29. August 1966 Betr: Einwände

Datum: 29. August 1966
Betr: Einwände
Am Donnerstag vorletzter Woche gab Generalleutnant Werner Panitzki der "Neuen Ruhr Zeitung" (NRZ) ein Interview, am nächsten Tag (noch war das NRZ-Interview nicht veröffentlicht) Brigadegeneral Walter Krupinski dem SPIEGEL ein SPIEGEL-Gespräch. Krupinski, Referent für Angriffsverbände im Luftwaffen-Führungsstab, ist einer der beiden deutschen Generale, die den Starfighter einsitzig fliegen. Vier Tage nach dem SPIEGEL -Gespräch übernahm er das Kommando der deutschen Ausbildungseinheiten in den USA. Vor der Abreise, das Panitzki-Interview war inzwischen erschienen, bekräftigte er noch einmal, was er im SPIEGEL-Gespräch gesagt hatte. Das NRZ-Interview war 170, das SPIEGEL-Gespräch über tausend Zeilen lang. Im Inhalt nahm sich das NRZ-Interview neben dem SPIEGEL-Gespräch aus wie eine ME 109 neben einem Starfighter F-104 G. Doch am Mittwoch letzter Woche kam vom Pressereferat des Bundesministers von Hassel der Bescheid: In Fürsorge für den abwesenden Brigadegeneral Krupinski ziehe "der Dienstherr" das SPIEGEL-Gespräch zurück. SPIEGEL -Gespräche sind keine "Interviews",um deren Wiedergabe gestritten werden kann, sondern Dokumente: die geprüfte und autorisierte Niederschrift einer mündlich geführten Diskussion, die zu bearbeiten oder zurückzuziehen dem Gesprächspartner freisteht. Soll sich also, was nun in der Luftwaffe geschieht, mit den Namen Panitzki und NRZ verbinden, statt mit den Namen Krupinski und SPIEGEL - Nobile officium.
Ausgefallene Untersuchungen lassen sich Werbefachleute einfallen, um "Werbeerfolgskontrolle" zu treiben, festzustellen also, ob ihre Anzeigen wahrgenommen wurden. Dennoch bleibt es häufig ein nur unbestimmtes Gefühl, dass in dem einen Blatt die Anzeigen organischer stehen als in dem anderen, und dass es keinen harmonischeren Ablauf gibt als im SPIEGEL. Das unbestimmte Gefühl wurde wieder einmal zur messbaren Gewissheit, als die Werbegesellschaft Carl Gabler im SPIEGEL eine Farbanzeige für das Haarwasser "Panteen" veröffentlichte. Die Botschaft, dass "Panteen" in 116 Ländern erhältlich sei, "visualisierten" (so der Werbefachausdruck) zwei Leser des römischen "Messaggero" im Schmuck vollen Haupthaars. Die Anzeige trug dem SPIEGEL mehr Zuschriften ein als ein Bericht über Starfighter-Seenotausrüstung im redaktionellen Teil. Leserin Helga Huth, Frankfurt: "Lesen können die Jünglinge die Zeitung kaum, weil die untere Hälfte der ersten Seite für sie auf dem Kopf steht." Diplom-Dolmetscher Golznig in Carrara schrieb die Fähigkeit, auf dem Kopf zu lesen, dem Wirkstoff "Pantyl" zu. Er findet die beiden Leser "blasiert", Erika Sörensen und Gisela Heimpold aus Saarbrücken konstatieren in einem Gemeinschaftsbrief "grimmige Konzentration", Peter E. Müller in Hamburg nennt es "kritisch-intensive Lektüre" - und als Grund wird in allen Fällen die auf dem. Kopf stehende Zeitungshälfte erkannt. Diese und alle weiteren Einsendungen wurden der Carl Gabler Werbegesellschaft mbH in München zugeleitet - auch eine Werbeerfolgskontrolle.
Panteen-Anzeige

DER SPIEGEL 36/1966
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