03.10.1966

GEMEINDEN / BERLIN

Das Glitzerding

(siehe Titelbild*)

In den Eckkneipen von Kreuzberg oder bei der "Dicken Wirtin" in Charlottenburg trinken zerfranste Bohemiens und Schnaps-Poeten "doppelten Wünschelburger Eisweizen" und "Rixdorfer Galgen", bis immer mal einer steif und stumm vom Schemel fällt.

In Jule Hammers "Theater & Galerie im Europa - Center" an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zelebriert man ein Grusel-Happening um den fledermausgeflügelten Grafen Drakula, der mit steilem Zahn jungfräuliche Halsschlagadern anzapft und aussaugt wie einen Milkshake.

Und in etlichen Künstlerbuden und Wannsee-Villen ist das Schlucken von LSD-Pillen, die wüste Phantasien erregen und "blaue Götter" genannt werden, neuerdings sehr in Mode gekommen.

Das ist seltsam. Denn kein Säuferdelirium, keine Drakula-Groteske, kein Ritt auf blauen Göttern in die schaurigschöne Wunderwelt des LSD-Rausches kann ernstlich mit der kahlen Wirklichkeit konkurrieren, in der die Bewohner der westlichen Teilstadt von Groß-Berlin tagtäglich leben.

Kein Ei gelangt ohne Warenbegleitschein in die Stadt, die umschlossen ist von 21 Kilometer Mauer aus Kunststeinen, Betonplatten und Fassaden; von 139,6 Kilometer Stacheldrahtverhau, der drei Meter tief ist; von 238 Bunkern und Schützenstellungen, 202 Wachttürmen, von Laufgräben, Unterwassersperren, 58 Sichtblenden und 232 Sonderzonen mit abgerichteten Spürhunden.

2,2 Millionen Menschen mit 368 834 Autos, 70 000 Hunden, 145 Bauernhöfen, je 7000 Bienenvölkern und Gaststätten, 46 Krokodilen und Rudolf Heß sind auf einen Raum beschränkt, der kaum größer ist als der Pyrenäen-Freistaat

Andorra (479 Quadratkilometer), aber wesentlich kleiner als Hamburg (mit 747 Quadratkilometern und nur 1,8 Millionen Einwohnern).

Schon die Morgenmilch der West -Berliner kommt jeden Tag aus der 150 Kilometer entfernten Bundesrepublik durch unfreundliches Territorium, transportiert von 37 Tankwagen, die zwei Grenzkontrollstellen passieren und eine strikt vorgeschriebene Route einhalten müssen.

Nichts und niemand kann den Sperrgürtel ohne Prüfung und Genehmigung von innen oder außen, es sei denn in Todesgefahr, durchqueren. Ungehindert passieren können nur die Abwässer der West-Berliner, die zum großen Teil auf die riesigen Rieselfelder im Ostteil der Stadt gepumpt und dort geklärt werden (gegen eine Jahresgebühr von 1,3 Millionen Westmark).

Zwischen Mauer, Verhauen und den Mündungen von Maschinenpistolen aber, mitten im Machtbereich eines Staatssystems, das sich auf den ehemaligen Berliner Studenten Karl Marx beruft, liegt "dieses Glitzerding West -Berlin, von amerikanischem Profil: pulsierende, zwinkernde, blendende Neone, Schwärme von Autos, durch Alleen jagend, elektrischer Feuerschein am Horizont" (wie es der exilpolnische Dichter Witold Gombrowicz in seinen "Berliner Notizen" beschrieb).

Hier sind die Röcke so kurz und die Diskotheken so heiß wie in London, die Hochhäuser so glatt wie in Düsseldorf, die Jungakademiker so aufsässig wie in Berkeley, Kalifornien - aber die Selbstmordquoten doppelt so hoch wie in der Bundesrepublik (und um ein Fünftel höher als in Ulbrichts Ost-Berlin).

Britische Rotröcke paradieren hier zum Geburtstag ihrer Königin auf dem Maifeld. Amerikanische Infanteristen kriechen im Grunewald übend zwischen Erholungsuchenden umher - Schnellfeuergewehre im Anschlag und die Häupter mit Eichenlaub bekränzt wie deutsche Turnfestsieger.

Herbert von Karajan dirigiert die Berliner Philharmoniker am Kemperplatz, und Walter Felsenstein inszeniert brillantes Musiktheater in der "Komischen Oper" nahe den Linden. Dazwischen liegen fünf Straßenblocks - und der Todesstreifen.

Die dichteste Ansammlung ebenso aufregender wie zugänglicher Frauen, die es diesseits von St. Tropez gibt, ist an sonnigen Sommertagen im Strandbad Halensee (Twen-Jargon: "Nuttenaquarium") zu besichtigen. Keine andere Metropole bietet so viele Gelegenheiten zum Baden und Segeln und Angeln.

Aber wer in die Spree steigt, wo Wladimir Iljitsch Lenin während seines Berliner Aufenthalts 1895 täglich zu schwimmen pflegte (an der Invalidenstraße), wird von Soldaten beschossen die hier die von Lenins Nachfahren gezogene Staatsgrenze bewachen.

Auf dem Kurfürstendamm begaffen die Besucher aus dem Emsland und der Pfalz bisexuelle Minderjährige vor den "Old Vienna", Japanerinnen mit Rückenkissen (aus dem "Tokyo"-Restaurant) und orthodoxe Juden, die mit

Bartkrause und schwarzem Hut gebeugt zur rituellen Mahlzeit in die Kantine ihres neuen Gemeindehauses eilen.

Aber nur drei Autominuten von den Torte essenden Nerzdamen im "Café Kranzler" entfernt nisten Turmfalken im ausgebrannten "Haus Vaterland" und machen Jagd auf Ratten, die aus vergitterten S-Bahn-Eingängen kriechen.

Birken wachsen aus den Ruinen am Potsdamer Platz hart jenseits der Mauer. Einst war er die verkehrsreichste Drehscheibe Mitteleuropas, "für den ahnungslosen Fußgänger die gefährlichste Stelle Berlins", wie ein Reiseführer von 1927 warnte; heute menschenleer, aber gefährlicher denn je - ein tödliches Stilleben.

Gras, von Stolperdrähten durchzogen, wächst auf weiter Fläche, wo das "Café Josty" und das "Excelsior Hotel" sich befanden, wo am 17. Juni 1953 das Columbushaus brannte und Steine gegen Sowjetpanzer flogen. Gras wächst, von Panzersperren gesäumt, an der Wilhelmstraße bis hinauf, wo das Auswärtige Amt der Kaiserhof und die Reichskanzlei standen.

Um Wildkaninchen fernzuhalten, die hier in der Nacht bisweilen an einen Stolperdraht geraten und damit gekoppelte Leuchtraketen auslösen, werden die Wiesen von hemdsärmeligen DDR -Grenzsoldaten regelmäßig gemäht.

Heuduft weht herüber, Vogelgezwitscher ist das lauteste Geräusch im zerschnittenen Herzen der unheimlichen Reichshauptstadt. Der mächtige Mercedes-Stern auf dem Europa-Center grüßt, die Grenzer im Osten als sichtbarstes Symbol des Westens. Und ein schwarzrotgold gerundetes Plakat: "Denkt an Deutschland, bleibt anständig!"

Als John F. Kennedy hier stand, sagte er: "Es gibt immer noch Dinge auf dieser Welt, die man gesehen haben muß, ehe man sie glauben kann."

Vom Unglaublichen gebannt, haben die Völker der Welt fast schon eine Generation lang auf diese Stadt geschaut wie auf keine andere:

- auf diese meistgehaßte Stadt der Erde, von der zwei Weltkriege ausgingen; die als Burg des Bösen verwüstet und zerrissen wurde, zum Tode verurteilt schien; die sich in ihrer westlichen Hälfte für die westliche Welt jäh zur Zitadelle der Demokratie wandelte, jäh geachtet und geliebt, seit ihre ausgemergelten Bürger im Blockadewinter 1948 bei Trockenkartoffeln und Kerzenlicht dem Zugriff der Kommunisten trotzten;

- auf diese neuerstandene Muster-City mit Stadtautobahnen, Superhotels und kühner Architektur wie Brasilia, in die man westdeutsche Primanerklassen und afrikanische Notabeln schickt, damit sie des deutschen Elends innewerden, ehe sie bei Lord Knud im "Eden-Playboy" Jerk tanzen, die Transvestitenschau im "Chez nous" mitnehmen oder im "Coupé 77" versacken;

- auf diese Hauptstadt des Staates Preußen, den es nicht mehr gibt, und eines Reiches, das nur noch ein juristisches Gespenst ist; deren Ostteil zum Regierungssitz der DDR erklärt ist; die im Westen als Kapitale Gesamtdeutschlands beansprucht wird und in Bonn als Bundesland ohne Stimmrecht fungiert; die aber in Wirklichkeit noch immer "die absurde Laune der drei alten Männer Churchill, Stalin und Truman" ist (wie der französische Filmavantgardist Jean-Luc Godard es nennt) - ein politisches Monstrum unter der Oberhoheit der entzweiten Sieger.

Doch keine andere Stadt in neuerer Zeit ist so besungen worden. So hoch - und nicht zu Unrecht - wird der Geist ihrer Bewohner gerühmt, daß selbst ein marmeladegefüllter Krapfen stolz sein könnte, ein Berliner zu sein.

Fast viertausend Bücher und Broschüren sind allein seit 1961 über Berlin erschienen. Berliner Luft wird in Büchsen gehandelt, die Freiheitsglocke ist als Briefbeschwerer mit eingebauter Spieluhr zu haben.

Seit dem "Koffer in Berlin" werden die Bekenntnisformeln der Staatsmänner von sentimentalem Schmus umdudelt,

den Hunderte von Schallplatten und

Schallplatten und Unterhaltungssendungen verströmen - nicht zuletzt als Labsal für die Million Berliner, die in der westdeutschen Diaspora penetrant nach ihrer Vaterstadt schmachtet.

"Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen, und dein Mund ist viel zu groß, dein Silberblick ist unverdrossen, doch nie sagst du: Was mach' ich bloß?"

- so dichtete Hildegard Knef am Starnberger See und erntete gerührte Ovationen, als sie damit auf Tournee durch die Bundesrepublik ging.

Das Zweite Deutsche Fernsehen gar trieb die Berlin-Seligkeit so weit, von Günther Schwenn ein Chanson mit dem Text zu senden: "Ich hab' den Stacheldraht nicht erfunden, du Hauptstadt voller Blut und Wunden..."

Aber heute, fünf Jahre nach dem Mauerbau, hat der Berlin-Kult einen unüberhörbar hohlen Klang bekommen - nicht nur bei der Knef und bei Schwenn, auch zwischen Tegel und Tempelhof. In der abgeschnürten Stadt sind ungewohnte Töne des Selbstzweifels laut geworden.

"Berlin: Weltstadt oder Provinz?" fragte sogar die lokalpatriotische "Morgenpost". "Die Berliner Luft ist stickiger geworden", klagte Finanzsenator Hans-Günter Hoppe. "Blast den Mief weg", forderte Senatspressechef Egon Bahr, "Berlin darf nicht die größte Kleinstadt der Welt werden!" Und ein ominöses Wort begann die Runde zu machen: Berlin schmore im eigenen Saft und drohe auf lange Sicht "auszutrocknen".

Denn fünf Jahre nach der Mauer und 100 Jahre nach dem Sieg von Königgrätz, der die Preußenhauptstadt über alle anderen deutschen Städte erhob, ist die Hoffnung tief gesunken, daß Berlin in irgendeiner berechenbaren Zukunft jemals den gleichen Rang zurückgewinnen könnte, zu dem es vor einem Säkulum - und für nur 74 Jahre - aufstieg: geeinte Kapitale eines geeinten Deutschen Reiches zu sein.

Die Skepsis, die sich regt, ist durch keine akute Krise provoziert. Sie hat weniger mit äußerer Bedrohung und vorenthaltenen Passierscheinen zu tun als mit dem Schock, daß Berlin nach dem Scheitern von Hertha BSC und Tasmania 1900 ("BZ": "Der Traum ist aus!") ganz aus der Fußball-Bundesliga verschwunden ist, während sich die heimliche Hauptstadt München Meisterschaft, Pokal und die Olympischen Spiele holte.

Keine Sowjet-Ultimaten und keine schußbereiten Panzerkanonen am Checkpoint Charlie halten Berlin und die Welt mehr in Atem, keine der früheren Aufregungen, die diese Stadt eher zu beleben als zu entmutigen schienen. Heute beschleicht die Berliner die umgekehrte Sorge, daß es zu ruhig um sie werden könnte - und nicht nur im Fußball.

Die Londoner "Times" nannte es "West-Berlins Furcht, in Vergessenheit zu geraten" - jetzt, da sich die Welt mit dem Status quo in Mitteleuropa fast abgefunden habe und "die Versuchung größer wird, das ungelöste Problem einfach links liegenzulassen".

Otto Frei, Berlin-Korrespondent der "Neuen Zürcher Zeitung", bestätigt: "Einst Zentrum unmittelbarer politischer Strahlung, gleicht West-Berlin heute mehr einem abgelegenen Reservat der Bundesrepublik, die mit vielen materiellen Hilfen die Lebensfähigkeit der exponierten Stadt ermöglicht. Hoffnung auf eine baldige Änderung der ,Getto'-Situation ist kaum zu schöpfen."

Die herbe Poetin Ingeborg Bachmann aus Klagenfurt hat den Zustand West -Berlins nach einjährigem Aufenthalt dortselbst (der von der Ford-Stiftung subventioniert war) als "subventionierte Agonie" bezeichnet. Und obwohl das "Glitzerding" seit 1961 an Glanz noch erheblich gewonnen hat, scheint sich der grimmige Scherz des Altberliners Billy Wilder zu bewahrheiten, man werde in Berlin bald "von der guten alten Zeit... vor der Mauer" schwärmen.

Vor der Mauer kam zur Industrie-Ausstellung eine Viertelmillion Besucher allein aus Ostsektor und Zone. Die Leute von drüben drängten sich begierig in die Kinos und Theater (acht Millionen Eintrittskarten für Ostbesucher in einem Jahr). Und mit einem S-Bahn -Fahrschein für 20 Pfennige konnten sie die Freiheit wählen.

West-Berlin als "Schaufenster der Demokratie" war wieder der "Riesenmagnet", den Gerhart Hauptmann im Berlin der Jahrhundertwende sah. Seine Bewohner konnten noch hoffen, die schiere Anziehungskraft ihrer Stadt werde das Zonensystem zum Einsturz bringen.

Bis zur Mauer konnte Berlin, Ost und West, sich noch immer - und mehr denn je - als das Herz Deutschlands, als Klammer und Treffpunkt des geteilten Volkes fühlen. Heute kommen selbst die West-Berliner leichter nach Mexiko City und Moskau als ein paar U-Bahn-Stationen weiter zum Alexanderplatz. Und wenn Deutsche aus den beiden Staaten sich sehen wollen, verabreden sie ihr Rendezvous immer häufiger in Prag oder am Schwarzen Meer.

"Die Gefährdung Berlins nach dem 13. August 1961", urteilt der amerikanische Berlin-Experte Professor Shell, "war anderer Art als während der Blockade 1948, subtiler, aber auf die Dauer gravierender."

Diese neue Gefährdung greift die lebendige Substanz der Stadt an. Sie hat heute schon eine Überalterung der Einwohnerschaft verursacht, die nur von den amerikanischen Pensionärskolonien in Florida übertroffen wird.

20 Prozent der West-Berliner sind 65 Jahre und älter - gegen nur 8,9 Prozent Seniorbürger im Groß-Berlin von 1939 und 11.8 Prozent in der Bundesrepublik heute.

Es gibt mehr West-Berliner über 64 als unter 15 Jahren - über 130 000 Greise mehr als Kinder. Alle Einwohner unter 45 Jahren zusammen umfassen gerade 50 Prozent der Bevölkerung, und das Verhältnis verschlechtert sich weiter.

Hohe Sterbeüberschüsse erwachsen aus dem deformierten Lebensbaum. Jährlich werden zwischen 35 000 und 38 000 Berliner auf zu eng gewordenen Friedhöfen begraben - 11 000 bis 15 000 mehr, als im gleichen Zeitraum zur Welt kommen. Ohne Wanderungsgewinn würde die Bevölkerung West-Berlins bis 1980 um nicht weniger als 250 000 Menschen schrumpfen - und damit unter die Zwei-Millionen-Grenze.

Jede Metropole der westlichen Welt ist biologisch ein Zuschußbetrieb: geschlechtsfroh, doch gebärunlustig, stets auf den Zustrom frischen Blutes aus den Provinzen angewiesen. Schon 1913 beklagte der Arzt Dr. Felix Theilhaber den "Geburtenabsturz" im "sterilen Berlin". Und selbst 1939 hatten 84 Prozent der Berliner Ehefrauen, unverlockt vom Mutterkreuz, nur null bis zwei Kinder.

Allein die Massenzuwanderung, die Berlin einst aus Preußen und dem übrigen Reich auf sich zog, hat das explosive Wachstum der Stadt bewirkt: von einer knappen halben Million Einwohner in Jahr 1850 auf zwei Millionen bis 1890, drei Millionen bis 1902, viereinviertel Millionen bis 1933.

Noch in den Nachkriegsjahren bis 1958 reichte der Zuzug aus der Zone und dem Ostsektor aus, den Sterbeüberschuß West-Berlins zu kompensieren und die Zahl der Erwerbstätigen konstant zu halten.

Seit dem Mauerbau aber, kann sich das Leben dieser Stadt nur - mehr aus zwei spärlichen Quellen regenerieren.

Die eine, der Fortpflanzungswille der jungen Berliner, ist so schwach wie je, obwohl der Senat in seiner Sorge zu einem Mittel der Zuchtpolitik gegriffen hat. Er bietet jungen Paaren ein "Familiengründungsdarlehen" von 3000 Mark, das durch, Lebendgeburt dreier Kinder (von denen das erste mit 750, das zweite mit 1000, das dritte mit 1250 Mark zu Buche steht) getilgt werden kann.

Doch der einzige spürbare Erfolg der Prämiierung, den Gesundheitssenator Dr. Gerhart Habenicht bisher melden konnte, besteht in einem Rückgang der unehelichen Geburten, weil sich die Junggesellen von der Aussicht auf Bargeld eher bewegen lassen, ihre geschwängerten Freundinnen zu heiraten.

Der zweite mögliche Lebensquell, die Zuwanderung aus Westdeutschland, ist noch weniger verläßlich. Die Stadt, die früher vom Ansturm ehrgeiziger Fremder überrannt wurde, muß in der Bundesrepublik um Neubürger buhlen - mit 30 Prozent Einkommensteuer-Ermäßigung, ein bis fünf Prozent Lohnzuschuß und plattfüßigen Broschüren* "Sehr lebhaftes Treiben herrscht auch auf den berühmten Berliner Ausstellungen... Da steht dann das Publikum und bestaunt die Kraft des auf der Grünen Woche preisgekrönten enormen Bullen" (aus der Senatsbroschüre "Deine Chance ist Berlin").

Aber das Risiko ist die baldige Erkenntnis der Westdeutschen, daß

Steuer-Ermäßigung und Zuschuß die geringeren Berliner Löhne und Gehälter kaum wettmachen, während das Leben inzwischen in Berlin genauso teuer und eine erschwingliche Wohnung ebenso schwer zu finden ist wie in Hamburg, Köln oder Stuttgart.

Zudem bleibt den Zugereisten nicht verborgen, daß sie vielen Berlinern keineswegs so willkommen sind, wie ihnen Willy Brandt das auf einer den Werbebroschüren beiliegenden Schallfolie versichert hat. Sie werden "Gastarbeiter" genannt und rangieren in der Achtung der Einheimischen nicht viel höher als Italiener und Türken in der Bundesrepublik.

Klagte der "Tagesspiegel": "Im Jugendklub werden (die Gäste) als 'westdeutsche Flaschen' verprügelt, und von Berliner Arbeitskollegen bekommen sie zu hören: ,Auf euch Westdeutsche haben wir gerade gewartet, ihr nehmt uns nur die Wohnungen weg.'" Die Reaktion der verprellten Frontstadthelfer: "Berlin ist eine Rückreise wert."

98 696 westdeutsche (und 10 965 ausländische) Arbeitskräfte waren beispielsweise vom August 1961 bis zum Mai 1966 nach West-Berlin gekommen. Aber mindestens 15 000 Westdeutsche sind auch wieder abgefahren, und der Zuzug nimmt seit Jahresfrist erheblich ab.

Der Wanderungsgewinn für 1965 beläuft sich auf ganze 6600 Erwerbspersonen. Aber mindestens 12 000 berufstätige Neubürger wären nötig, wenn die Berliner Wirtschaftsentwicklung nicht stocken soll, über 20 000 neue Menschen jährlich werden gebraucht, um die Vergreisung aufzuhalten.

Und nicht Gefahr allein - Elend und Verlassenheit sprechen aus Berlins Bevölkerungsstatistik. 270 000 Witwen leben hier (und 36 000 Witwer) - eine einsame Masse, so groß wie die Gesamtbevölkerung der schleswig-holsteinischen Hauptstadt Kiel.

Alte Frauen herrschen am Werktag auf den Trottoirs von Kreuzberg und Wedding vor. Sie drängen sich im Zoo, dessen Tieren sie ihr ungenutztes Sorgebedürfnis zuwenden. "Mißtrauisch gegeneinander besuchen sie ihren besonderen Affen", wie es Ingeborg Bachmann exakt beschreibt. "Sie haben einen silbernen Löffel und einen seidenen Beutel mitgebracht und geben nur ihrem Affen den Zucker..."

In vielem gleicht West-Berlin seinen Witwen. Es droht funktionslos zu werden wie sie. Und wie sie lebt die Stadt von der Erinnerung - als Hinterbliebene der deutschen Geschichte und der großen Männer, die efeu-umrankt auf alten Friedhöfen liegen: Mommsen neben Menzel, Tieck neben Schleiermacher, Stresemann neben Scherl, Fichte neben Hegel, Scharnhorst neben Schlieffen und Jacob neben Wilhelm Grimm.

So innig hängen manche alten Berliner an der Vergangenheit, daß sie sich weigern, die Wirklichkeit wahrzunehmen. Sie sind nie an der Mauer gewesen und scheuen sich, sie zu sehen. Andere dagegen haben dort in den ersten Monaten nach dem 13. August täglich in Schmerz und Verzweiflung verharrt. Zorn und Empörung trieben junge Arbeiter an die Mauer - wo sie nicht nur die

ostdeutschen, sondern auch amerikanische Wachtposten beschimpften.

Zentrum der Politik, der Presse und der Kunst, der Wirtschaft und des Verkehrs - das alles war Berlin während des einen wilden Menschenalters, in dem es als deutsche Hauptstadt amtierte.

In Berlin konzentrierte sich, was vorher auf ein Dutzend Fürstenresidenzen und Freie Städte verteilt war in den deutschen Ländern, die nie in ihrer Geschichte eine so eindeutige Metropole besessen hatten wie Frankreich oder England - und selten den Wunsch danach verspürten.

Die Hannoveraner und die Frankfurter, die Münchner und Stuttgarter ließen sich nicht eher herbei, den Vorrang Berlins grollend hinzunehmen, als bis sie im Krieg 1866 von den Preußen grob aufs Haupt geschlagen wurden.

Aber selbst den Preußen war ihre Kapitale nicht geheuer. Noch 1883 vermutete ein französischer Journalist: "Bismarck hätte lieber zur Hauptstadt des Kaiserreiches, das er begründet, eine der alten deutschen Städte gewählt... Man sagt, daß er die Stadt (Berlin) durchaus nicht liebt."

Kaiser Wilhelm I. hatte erst recht keinen Grund für zärtliche Gefühle. Ihm hatte die Stadt die schlimmste Demütigung zugefügt, die je einem Hohenzollern widerfuhr, als er 1848, ein Prinz noch, vor den revolutionären Berlinern nach England fliehen mußte.

Das wuchernde, lärmende, ausgekochte, unverfrorene Berlin war die absolute Antithese zu allem, was die Deutschen der Provinz für deutsch hielten. Sie vermißten die glockentönende Spitzgiebeligkeit und hörten nicht auf, Berlin als "kalt", "seelenlos", "entartet", "jüdisch", als unvölkisches Konglomerat aus Paris und New York zu empfinden.

Als Adolf Hitler zur Feldherrnhalle zog, war es sein erklärtes Ziel, Bayern und Deutschland von der Herrschaft des "roten Berlin" zu befreien. Denn der Nazismus war nichts wenn nicht ein Aufstand gegen eben jene demokratische, liberale, kosmopolitische Moderne, die sich in Berlin stärker als irgendwo sonst in Deutschland etabliert hatte.

Er war, wie auch der Österreicher Karl Pawek meint, "der Aufstand der Provinz gegen die ,Asphaltkultur' der Metropole". Der Berlinologe Hans Scholz ("Am grünen Strand der Spree") hebt denn auch mit Genugtuung hervor, daß sich unter Hitlers engerem Klüngel kein einziger Preuße (außer dem rheinischen Beutepreußen Goebbels), geschweige denn ein Berliner befand.

Tatsächlich raunten geschichtsbewußte Berliner schon beim Einzug des Mannes aus Braunau in ihre Stadt ahnungsvoll, das sei "die Rache für 66".

Sie war es. Was die Österreicher, unterstützt durch die Antipreußen-Koalition der deutschen Kleinstaaten, 1866 vergeblich versuchten - die Zerschlagung Preußens und Entmachtung Berlins -, das vollbrachten die Sieger von 1945.

Des Zentrums beraubt, sanken die Provinzen Restdeutschlands in einen Zustand zurück, der an die Zeit vor 1866 und 1871 erinnert. Sie taten es unter dem Druck der Sieger, vor allem der Sowjetmacht. Aber es entsprach auch ihrer eigenen anti-zentralistischen Neigung, einer uralten deutschen Tradition, die durch Preußen und Berlin nur vorübergehend verdrängt worden war.

Die hauptstädtischen Funktionen, die Berlin in sich versammelt hatte, sind in die Provinzresidenzen zurückgekehrt, haben sich wiederum auf mehrere Städte zerstreut.

In Bonn wird die Politik gemacht - nichts sonst und oft genug nicht einmal das. Nach Berlin sind nur ein paar Bundesbehörden delegiert, die den Bonnern ohnehin lästig sind, zum Beispiel das Kartellamt.

In Berlin steht auch der originalgetreu wiederaufgebaute Reichstag direkt an der Mauer. Aber das einzig Aufregende, was dort bisher geschah, war der Einschlag einer verirrten Volksarmisten-Kugel in das unbesetzte Büro des Bundestagspräsidenten Gerstenmaier.

Plenar- und Ausschußsitzungen des Bundestags in Berlin scheitern freilich nicht an einer Kugelscheu der Volksvertreter, sondern an den Einwänden der Alliierten, die die eventuellen Kosten des Bonner Mutes (in Gestalt östlicher Repressalien) zusammen mit den Berlinern zu tragen hätten.

Als frisch geputztes, stolz beflaggtes Geisterhaus schwebt so der Reichstagsbau in einem Vakuum zwischen Vergangenheit und Zukunft - während gleich jenseits der Mauer an den Linden und am Schloßplatz ein Ministeriumsbau der DDR nach dem anderen hochgezogen wird.

Frankfurt am Main ist wieder die deutsche Finanzhochburg, die es schon vor 1866 war. Dort ist die wichtigste Börse, dort stehen die Bankhauptquartiere, die bis Kriegsende sämtlich in Berlin-Mitte thronten. Heute gibt es in Berlin nur noch Filialen und eine Börse, die nach den Worten von Senator Hoppe "ein recht kümmerliches Dasein" fristet.

Die Kommandostellen der Industrie verteilen sich auf Schwerpunkte in allen Regionen der Bundesrepublik. Vor dem Krieg drängten sich die meisten von ihnen in Berlin zusammen: mehr als 17 000 Industrie- und Handelsgesellschaften. Jetzt ist die Stadt nach einem bitteren Berliner Wort nur noch "die verlängerte Werkbank" der Bundesrepublik.

Selbst der Torso West-Berlin ist noch immer die größte industrielle Produktionsstätte Mitteleuropas, Zentrum der Elektrotechnik (106 000 Beschäftigte) und der Bekleidungsindustrie (26 000

Beschäftigte). Aber im Bruttoinlands-Produkt je Kopf der Wirtschaftsbevölkerung, dem Maßstab der Leistungsfähigkeit, steht Berlin hinter den 14 westdeutschen Städten mit mehr als 400 000 Einwohnern an letzter Stelle. Sogar noch hinter Wuppertal. Gründe:

- die ungünstige Altersstruktur der

Bevölkerung;

- der aufgeblähte Verwaltungsapparat, der die Berliner pro Kopf und Jahr 111 Mark kostet (gegen 91 Mark in Hamburg) - eine Vielzahl von Bürokräften, die nach dem Abzug der Wirtschaftshauptquartiere zurückgeblieben waren, wurden von der Stadt nur beschäftigt, um sie vor Arbeitslosigkeit zu bewahren;

- die mangelnde Bereitschaft der Unternehmer, die Berliner Fabriken auf dem gleichen technischen Stand zu halten wie die im übrigen Bundesgebiet: Von 1958 bis 1965 waren die Investitionen in Berlin trotz Vergünstigungen um 25 Prozent niedriger als in Westdeutschland (laut Bericht der Landeszentralbank in Berlin). Das Leistungsniveau der Presse in der einstigen Zeitungs-City Berlin rangiert gleichfalls kaum vor dem von Wuppertal und dessen "Generalanzeiger". Kein Blatt von überregionaler Bedeutung (mit der einen Ausnahme des "Monat")

erscheint mehr an dem Ort, wo 1928 nicht weniger als hundert Tageszeitungen (darunter zehn fremdsprachige), wo die "Vossische", das "Tageblatt", der "Börsen-Courier", die "Deutsche Allgemeine" gemacht wurden.

Hamburg hat unter den westdeutschen Beerbern Berlins die Rolle der Presse-Kapitale übernommen. Dem Hamburger Axel Caesar Springer gehören die zwei größten von den verbliebenen acht rein Berliner Tageszeitungens.

Springer hat auf den Trümmern des alten Berliner Zeitungsviertels an der Mauer seinen 20geschossigen Rotations -Kyffhäuser errichtet. Er weihte ihn einer "Idee, die heißt: Freiheit für alle Deutschen in einem Vaterlande" - einer Idee, die er als eine Art Barbarossa im Tailor-made zu verkörpern glaubt.

Er drapiert sein Berliner Unternehmen mit dem von ihm gekauften großen Verlegernamen Ullstein. Aber statt des Ullsteinschen Freigeistes spricht aus seinen Blättern kaum mehr als das in den Redaktionsräumen ausgehängte Motto: "Wir wollen unsere Zeitung nicht nur drucken, wir wollen sie auch verkaufen."

Noch immer hat Berlin "das beste Theater Europas" (nach dem Urteil von Kenneth Tynan, Dramaturg am Londoner "National Theatre", das die Zeitschrift "Life" wiederum für das beste der Welt hält). Aber es spielt in Ost-Berlin - das

Brecht-Ensemble, dieses einsame Wunder am Schiffbauerdamm.

Noch immer werden die Bühnen West-Berlins in ihrer Gesamtwirkung in keiner deutschen Stadt (auch nicht im Ostsektor) übertroffen. Aber sie leiden mit jedem Jahr mehr unter Isolation und Dezentralisierung. "Es fehlt die

Konkurrenz in der eigenen Stadt", sagt Schauspieler Martin Held. "Ich muß meinen Fachkollegen am benachbarten Berliner Theater sehen können - nicht in München oder Hamburg oder sonstwo im Westen."

Doch dort sind sie, die Mimen und all die Ex-Berliner Regisseure - Hilpert, Lietzau, Noelte, Schuh und Stroux. Dort zehren die Bühnen noch immer von der Berliner Substanz, die nicht mehr nachwächst.

Denn die Zeit ist vorbei, in der die Talente von überall her sich wie Lachse zum Laichplatz nach Berlin hinaufkämpften, um Großes zu zeugen. Heute

"agieren sie in lokaler Vereinsamung und stören ihre Kreise nicht", wie der West-Berliner Kritiker-Papst Friedrich Luft beklagt: "Örtlich schmeichelhaft überschätzte Klein-Könige, Duodez-Fürsten im Hundert-Kilometer-Umkreis" - in Bochum oder Bremen.

Nicht nur auf dem Theater wiegen die Menschen, die Berlin unersetzt und unersetzbar verloren hat, noch schwerer als der Hinfall von Macht und Einfluß. Abgetrennt sind die 1,1 Millionen der Oststadt: Es ist der größere Teil der Berliner Arbeiterschaft, es sind die ruppigen Franz Biberkopfs vom Alex, die Mietskasernen vom Rosenthaler Platz und Prenzlauer Berg, Zilles "Milljöh" - Bauch und Bizeps der Metropole.

Zu keiner Zeit waren die Leute in Westend von diesem gigantischen Hinterhof entzückt, aus dem der Spartakus hervorbrach, wo Rotfront und Ringvereine herrschten - und wo ein besserer Berliner sich kaum jemals hintraute. So bemerkte der amerikanische Berlin -Experte Kurt Shell: "Auch schon vor dem 13. August 1961 endete Berlin für viele am Brandenburger-Tor."

Aber gerade dieser Klassengegensatz,

gerade die Spannung zwischen dem Glanz des Westens und der brodelnden Vitalität des Ostens war ein Lebenselement Berlins - so wie Paris ohne seine Arbeiterquartiere nicht zu denken ist, New York nicht ohne Brooklyn und Bronx.

Doch auch Berlin-W selber hat die meisten der Menschengruppen verloren, die ihm sein unvergleichliches Gesicht gaben: die Großbürger, die Bankiers und Geheimräte, die Aristokratie des Geldes und Geistes, die jüdische Elite.

Die alten Prunkvillen im Grunewald, soweit unzerstört, sind meist umgewandelt in Pensionen und Behörden-Dependancen. Kein Albert Einstein spielt mehr mit Max von Laue an der Modelleisenbahn in Professor Kirchbergers Haus am Nikolassee. Kein Vladimir Nabokov (später Autor von "Lolita") kommt mehr Arm in Arm mit dem französischen Botschafter Francois -Poncet zu den vielsprachigen Lunch-Verabredungen bei Werner Sombart, dem Wirtschaftshistoriker.

Kein Äquivalent für den Maler Max Liebermann, Inbegriff der gehobenen Berliner Schnauze, residiert mehr am Pariser Platz (wo er 1933 beim Anblick der SA-Kolonnen am Brandenburger Tor erklärte: "Ick kann janich so viel fressen, wie ick kotzen möchte").

Nirgends in Berlin (und fast nirgends auf der Erde) ist mehr etwas Ähnliches zu finden wie die Kundschaft des "Romanischen Cafés": Lubitsch und Wilder (die Regisseure), Sievogt, Pechstein und Dix (die Maler), Kisch und Kuh und Weill und Brecht. Sie alle konnte man an einem guten Tag des Jahres 1929 dort versammelt sehen, während Ernst Rowohlt, gut gelaunt, Sektgläser kaute und Joachim Ringelnatz, trunken Verse stammelnd, von Tisch zu Tisch taumelte.

Zwar gibt es wieder ein "Romanisches Café". Doch aus der verräucherten Genie-Höhle ist eine weiß bestuhlte, vollklimatisierte Etage geworden, die "Daddy" Blatzheim unter diesem Namen im Europa-Center eingerichtet hat. Dicke Damen sitzen darin und plaudern Im Flüsterton. Der Schriftsteller Kurt Neuburger hingegen, der kürzlich Einlaß begehrte, wurde abgewiesen. Grund: Er hatte keine Krawatte um.

Schon die Vertreibung der Nichtarier hatte Berlin innerlich verstümmelt, noch ehe es äußerlich zerstört wurde. Die bizarre Vielfalt der Menschen und Begabungen, die diese Stadt so produktiv in sich vereinigte, ist geschwunden.

Übrig blieb die Mittel- und Kleinbourgeoisie zwischen Spandau und Steglitz, übrig blieben die Arbeiter vom Wedding und aus Neukölln, an denen Wohlstand und sozialer Wohnungsbau nicht spurlos vorübergegangen sind. Selbst im zweiten Hinterhof von "Meyers Hof", einer von Krieg und Sanierung halb verschonten Uralt -Mietskaserne, putzen sie brav ihren Opel aus zweiter Hand.

Die Klein- und Mittelbürger waren auch in den großen Tagen Berlins stets das grundsolide Rückgrat der Stadt - als königstreue "Jutjesinnte" des Biedermeier, als legendäre "Familie Buchholz" der Gründerzeit, als Schrebergärtner der Kolonie "Bürgersruh". Ehrpusselig, gemütvoll und konservativ (selbst darin, daß sie beständig SPD wählen), haben sie sich in ihren Tugenden und Beschränktheiten nie sehr von ihren Pendants in Hamburg oder Stuttgart unterschieden. Neu ist nur, daß die Buchholzens jetzt auch in Berlin weithin den Ton angeben.

Diese Dominanz des Kleinbürgertums - und nicht nur der Belagerungszustand - ist ein Grund für das, was die Berliner an sich selbst und ihren Mitbürgern heute als "provinziell" geißeln: Kleinkariertheit und Intoleranz, "Sturheit und Dorfmanieren" (laut "Morgenpost"). Gekränkt registriert die Lokalpresse:

- daß die Berliner "Gaffer" geworden seien; kaum könne ein Inder im Burnus durch die Stadt gehen, ohne

von einem "immer größer werdenden Rudel grinsender Müßiggänger" verfolgt und von einem Bus-Schaffner plumpvertraulich mit "Na, denn komm man 'rein, Opa" angequatscht zu werden;

- daß ein Gastwirt in Schöneberg

keine verliebten Paare in seinem Lokal duldet - "Ein Kuß gar, in froher Weinlaune ausgetauscht, hat unter

wildem Gebrüll sofortigen Rausschmiß zur Folge";

- daß "ein Direktor seine Primaner bestraft, wenn sie nach Schulschluß nicht sofort auf kürzestem Weg nach Hause gehen. Der Besuch gar eines Lokals ist völlig ausgeschlossen".

Niemand nimmt es wunder, wenn Gammler und Pflastermaler in Kiel oder Stuttgart unter dem Beifall der Spießer polizeilich entfernt würden. Wenn solches in Berlin geschieht, ist es vielen ein Alarmsignal für den bedrohten Weltstadt-Geist.

Aber die Lokalpresse des Hamburgers Springer hat über Jahre eben jene verbiesterte Frontstadt-Mentalität reflektiert und bestärkt, deren Nebenerscheinungen sie jetzt beklagt. Sie findet es schlimm, daß ahnungslose Berlin-Besucher, die in einem der neu eingerichteten "Nichtraucher-Taxis" versehentlich zur Zigarette greifen, "auf offener Straße rausgesetzt" werden.

Zugleich jedoch putscht sie die Berliner gegen den Kabarettisten Wolfgang Neuss auf und fällt über ein paar Demonstranten her, die in Sachen Vietnam genau sechs dänische Frischeier gegen das Amerikahaus zu werfen wagten. Studenten der Freien Universität, die unter Führung ihrer gewählten Vertreter gegen Rektoratsbeschlüsse rebellieren, heißen in "Morgenpost" und "BZ"

nur noch "Amokläufer", "Radikalinskis" und "politische Rowdys".

Denn im jahrelangen Schimpfduell mit den Kommunisten haben sich diese Blätter viel vom rüden Vokabular, von der Engstirnigkeit und Hysterie des Gegners angewöhnt. Im gleichen Stil verfahren sie nun auch mit jedem, der in West-Berlin nicht ihrer Meinung ist.

Der aufgestaute Zorn, gegen die Kommunisten ohnmächtig, schlägt nach innen und wendet sich fast dankbar gegen Ersatzziele, an die er heran kann. Wer dauernd vergeblich versucht, Ulbricht aus Ost-Berlin hinauszuprotestieren, freut sich am Ende, wenn er wenigstens einen Neuss aus West-Berlin fortgraulen kann - und sei es nur vorübergehend.

Haupt-Ersatzziel der Berliner sind noch immer die S-Bahn-Züge ("Ulbrichts Klapperkisten" für "Bild-Berlin"), die unter ostzonaler Verwaltung, aber mit West-Berliner Personal in der Weststadt verkehren. Nach dem Mauerbau begann der Boykott der S-Bahn. Noch heute wird sie von der Mehrheit ihrer früheren Fahrgäste gemieden - obwohl die "Klapperkisten" wesentlich billiger sind als die West-Berliner Verkehrslinien, obwohl die Boykotteure außerdem Umwege, Zeitverluste, überfüllte Busse und U-Bahnen in Kauf nehmen müssen.

In einer bedrohten und abgeschnittenen Festung entstehen andere Perspektiven als in der geruhsamen Etappe", kommentierte der "Tagesspiegel"-Verleger Franz Karl Maier die besondere Berliner Psychologie. "Man bleibt auch dann noch wachsam und ... argwöhnisch, wenn anderswo vermeint wird, es herrsche doch ein ganz akzeptabler Zustand der Waffenruhe."

"Anderswo" - das ist das "übrige Bundesgebiet", das die Berliner mit der Verachtung des Landsers für die rückwärtigen Stäbe betrachten. So groß ist ihr Mißtrauen, daß sie auf Anhieb dem Gerücht Glauben schenkten, den Stacheldraht für seine Mauer habe Ulbricht aus Westdeutschland bezogen.

Sie fühlen sich halb verlassen. Deshalb ihr Bedürfnis, sich selber Mut zu machen, sich oft krampfhaft in die Brust zu werfen, sich von Staatsmännern und ihren eigenen Zeitungen pausenlos auf die Schulter klopfen zu lassen. Deshalb die Leuchtreklame "Berlin bleibt doch Berlin", die auf dem Schimmelpfeng-Haus zwischen dem "Sekt der guten Laune" und "... nimm doch Philips" flackert.

Sie fühlen sich unverstanden von den Westdeutschen. Aber es kann sie nur verstehen, wer in ihrer Stadt lebt:

- wer sich nach einem Passierschein

anstellen muß (falls es überhaupt welche gibt), wenn er seine Schwiegermutter im anderen Stadtteil besuchen will, "Familienberührung in Portionen auf Schein, wie damals Kohle, Seife, Fett" (Korrespondentin Marianne Eichholz);

- wer von seinem Deckenverputz berieselt wird, wenn sowjetische Düsenjäger über ihm die Schallmauer durchstoßen (66 Glasschäden, 24

Schäden an Mauern und Decken und zwei geplatzte Bildröhren wurden an einem Wochenende gemeldet);

wer als Segler an der Havel durch ein verpatztes Wendemanöver an der nassen Grenze schon eine MG -Garbe vor den Bug riskiert;

- wer jedesmal, wenn er seine Stadt

auf dem Landweg verlassen will, eine Kontrolle durchlaufen muß, die lästiger ist als die Zollprozedur bei der Einreise nach Indonesien;

- und wer immer im Unterbewußtsein die Furcht mit sich herumschleppt, daß irgendwann wieder eine totale Blockade verhängt werden könnte. "In Berlin sind die Nerven überreizt", schloß der "Rheinische Merkur" aus den Stänkäreien um Studenten und Demonstranten, aus den Symptomen einer Radikalisierung nach rechts und nach links. "Wird aus der tapferen Stadt eine unlustige, verbitterte Stadt?"

Und doch ist dies zugleich "die bequemste von allen Städten, wo die Autos gleichmäßig dahingleiten, ohne Stockungen, und die Menschen gleichmäßig ohne Eile gehen, wo beinahe unbekannt ist, was Gedränge und Stickluft ist", wie der Pole Witold Gombrowicz notierte. Denn nichts könnte unfrontstädtischer, gelassener, gemütlicher sein als der Eindruck, den der Besucher von West-Berlin und seinen Bewohnern empfängt Gombrowicz hat ihn am treffendsten beschrieben:

"Eine ungewöhnliche Idylle in der Luft: ältere Herren führen zärtlich ihre gepflegten Hündlein* spazieren, eine adrette Dame begießt Blumentöpfe am Fenster, mit einem Lächeln ladet ein Arbeiter Pakete aus... Ein vortrefflich erzogenes Mädchen betrachtet ein Schaufenster. Artigkeit. In den Gesprächen hört man einen Ton, der Vertrauen erweckt, als wären Lüge. Ironie, Bosheit für immer von hier ausgetrieben. Unermeßliche Korrektheit offenbart sich... Gutmütigkeit. Ruhe, Wohlwollen... Schönheit blickt dir wiederholt in die Augen, eine zurückhaltend nördliche und starke. In der Stadt, die ein neuralgischer Punkt der Welt ist, sieht man fast keine Polizei ... in diesem grünen Kurort, im idyllischen Berlin..."

Idyll umgibt den Angler, der an der Glienicker Brücke eine Plötze zu stippen versucht und dabei versonnen hinüberblickt auf das andere Ufer der Havel, wo hinter dem Stacheldraht am Postenhaus der Volksarmisten frisch gewaschene Hemden zum Trocknen hängen.

Schäferspiel-Romantik liegt über dem Neuen See im Tiergarten nahe dem Reichstag wenn die Pärchen in ihren Ruderkähnen unter dem überhängenden Ufergebüsch turteln.

Nestwärme herrscht selbst hinter dem S-Bahn-Schalter am Zoo, wo die Billettverkäuferin mit der Linken ihr Baby im Kinderwagen schaukelt.

Ein schrulliger Hang zum einfachen Leben hat sogar die zahlreichen Schriftsteller erfaßt, die nach Berlin übergesiedelt sind, wie Gunter Graß, Uwe Johnson, Günther Weisenborn - oder doch einen Koffer hier deponiert haben, wie

Peter Weiss, Hans Magnus Enzensberger und Hans Werner Richter.

Die meisten von ihnen wohnen im altväterlich-verträumten Friedenau. Dort hat Graß eine Jugendstil-Villa gekauft, die sich der von Wilhelm II. besonders geschätzte Marineschinken -Maler Hans Bohrdt einst bauen ließ. Dort leben die Friedenauer so abgesondert unter sich, daß ein westdeutscher Fernseh-Dramaturg meinte: "Was dort entsteht, ist kein neues großstädtisches Literaturzentrum, sondern ein neues Worpswede*."

Doch über das Worpswedische hinweg wölbt sich, was TV-Regisseur Peter Lilienthal den "Zauberberg Berlin" nannte, wölbt sich die unwirkliche Wirklichkeit dieser Stadt, die Atmosphäre einer Neon-erleuchteten Gralsburg, hermetisch, in sich gekehrt, die auf neue Art ebenso faszinierend ist wie der "gewaltige Wirbel", den Gerhart Hauptmann und seine Zeitgenossen um die Jahrhundertwende erlebten.

Dieser Zauberberg-Reiz ist, keine Touristen-Attraktion und kein Argument für die Anwerbung von Arbeitskräften. Doch es ist etwas geblieben in Berlin, was sich nicht so leicht nach Hamburg oder Frankfurt oder München auslagern läßt wie Banken, Zeitungen oder Schauspieler: das Lebensgefühl, die Weltweisheit, die verwunschene Sinnlichkeit der Metropole.

Zentrum einer gesteigerten, abenteuerlichen Existenz ist Berlin noch immer - dort, "wo auch die Bagatelle dämonisch ist" (Gombrowicz). Und während die Masse der westdeutschen Boofkes dem unbedarften Aufhupferl -Sex von München zuströmt, kommen die Kenner nach Berlin.

Hier gibt es keine Polizeistunde. Jedem Kneipier ist überlassen, wann er öffnen oder schließen will - und manchmal schließt er spontan, wenn er die richtigen Leute für eine "Tee" -Party beisammen hat ("Tee" ist Marihuana).

Hier gibt es, keine Wehrpflicht, aber Tanzerlaubnis für Männerpaare.

An der Heerstraße steht eine Luxus -Sauna ohne Geschlechtertrennung, aber mit Bar und Grill.

380 bekannte Absteigen und Privatquartiere sowie 31 Salonbetriebe bieten alles, von der "Sportmassage" (die in den Boulevard-Blättern annonciert ist) bis zu den anspruchsvollsten Exerzitien.

"Blaise's Club" am Queensgate, der fashionabelste Kultplatz des jungen aufgedrehten London, ist ein CVJM -Betreuungsheim im Vergleich zum "Why not" in der Berliner Fasanenstraße - einer Beat-durchpulsten Venushöhle aus Barwinkeln, Garten-Nischen, Topf -Büschen, Hollywood-Schaukeln und Kerzenschimmer, voll von Langhaar -Nymphen und voll von Knaben so hübsch wie Nurejew, die ein Mädchen, das sich in einen davon verliebt, oft nicht nur für sich, sondern für die Heterosexualität schlechthin gewinnen muß: "Versuch's doch mal mit'm Mädchen" (Blondine zu unschlüssigem Jüngling vor dem Lokal, wo man sich auf die Sportwagen verteilt).

"Nicht einmal in Greenwich Village (dem New Yorker Künstler- und Studenten-Quartier) gibt es so fabelhafte Typen wie in Berlin", sagt Reinhard Lettau, Autor und amerikanischer Staatsbürger, der von Greenwich Village nach Berlin zog:

"Cäsar" zum Beispiel, Poet aus Frankfurt, der eine beklemmende Ähnlichkeit mit Bert Brecht hat und nach Mitternacht wie das Gespenst des armen B.B. wortlos an den Theken auftaucht, um sich im Morgendämmern (ohne eine Spur) wieder zu entmaterialisieren.

Oder die "Rixdorfer Drucker", eine Gruppe talentierter junger Graphiker, die jeden Sonntag auf einem Sandplatz hinter dem Studentendorf in Schlachtensee Fußball spielen - hagere Swami-Gestalten in langen grünen Turnhosen, mit wehenden Mähnen barfuß auf ein Tor knallend, das von zierlichen Zwillingsmädchen in gleichen roten Bikinis einsatzfreudig gehütet wird.

Überall im Zauberberg Berlin haben sich - meist noch verborgen und meist noch ohne Verbindung zueinander - Zellen und Zirkel eingenistet: Literaten, Studentengruppen, Filmleute.

Die meisten sind zugereist, geflohen aus der betriebsamen Plattheit der Bundesrepublik in die Berliner Isolation, die dennoch welthaltiger ist als jede westdeutsche Stadt.

"In Berlin zu leben", findet der Graphiker Uwe Bremer, der von Bischleben über Hamburg nach Berlin gezogen ist, "das hebt die sinnlichen Wahrnehmungen fast wie LSD. Man sieht mehr, man riecht mehr, man lebt intensiver als im Konsum-Sanatorium Bundesrepublik."

Denn die Faszination Berlins, der die Zuwanderer folgen, ist größer als das, was zu sehen ist: die Weite der Stadtautobahn, die Höhe des Europa-Centers, die Kühnheit der Philharmonie. Unsichtbares ist im Spiel.

Da ist das Bewußtsein, an dem Ort zu sein, von dem aus zwischen 1900 und 1930 die Weltkultur des 20. Jahrhunderts nachhaltiger geprägt worden ist als von London, Paris oder New York

- der Ort, der die Quantentheorie und

den Expressionismus, die Filmkunst und das Fernsehen, das moderne Bauen, die Dreigroschenoper und die Spaltung des Atoms hervorgebracht hat.

Da ist die Tatsache, daß Deutschland ohne Berlin "nur eine Ansammlung von Gettos der Tüchtigkeit" sein kann (wie Carlo Schmid es ausdrückte), die der Mitwelt nicht viel mehr zu bieten haben als Volkswagen und Elke Sommer.

Da ist die Gewißheit, daß Berlin erst erlöst wird, wenn die großen Fragen des Jahrhunderts, in Berlin aufgeworfen und auf die Spitze getrieben, beantwortet sind.

Und da ist die Hoffnung, daß sich die schöpferischen Kräfte der Deutschen und der Europäer wieder hier begegnen, durchdringen und zu Großem steigern, sobald Europa seiner sterilen Erstarrung und die deutsche Provinz ihrer eigenen Mittelmäßigkeit überdrüssig werden.

Trotz Schrumpfung, trotz Überalterung, trotz stockender Wirtschaftsexpansion reichen die Pläne des West-Berliner Stadtbaumeisters Rolf Schwedler bis in das Jahr 2025. Bis dahin soll der U -Bahn-Ausbau bis zu einer Länge von 200 Kilometern voranschreiten. Bis dahin soll ganz Berlin von einem Schnellstraßennetz durchzogen sein - nach einem Schema, an das sich auch die Ost -Berliner halten. Beide Seiten bauen aufeinander zu.

Bis 1977 soll am Kemperplatz das größte, modernste Kulturzentrum der Erde vollendet sein. Drüben restaurieren sie inzwischen die Relikte der preußischen Pracht an den Linden.

Berlin wartet, sagt Witold Gombrowicz, "auf ein Novum in großem Maßstab, im Maßstab des deutschen Idealismus".

Berlin wartet mit der geübten Geduld des Anglers an der Glienicker Brücke. Wartet mit dem Gleichmut der Havel -Schwimmerin, die an den Bojen der Zonengrenz-Markierung den Soldaten auf dem herbeirauschenden DDR -Patrouillenboot zuruft, sie möchten Ihr gefälligst ihren abgetriebenen Badeball auffischen und in den freien Westen zurückwerfen. Was geschah.

* "Morgenpost" und "BZ" mit einer verkauften Gesamtauflage von 562 952 Exemplaren. Hinzu kommen die Berliner Ausgaben der Springer-Blätter "Bild" (Auflage: 115 869) und "Welt" (28 392). Die übrigen sechs Berliner Tageszeitungen ("Telegraf" mit "nachtdepesche", "Der Tagesspiegel", "Der Kurier", "Der Abend" und "Spandauer Volksblatt") teilen sich in eine Auflage von nur 335 009 Exemplaren.

* Die 70 000 Berliner Hunde freilich entleeren, nach Berechnungen des CDU-Stadtverordneten Fritz Glersch täglich 20 Tonnen Kot auf die Straßen der deutschen Hauptstadt. Diesem Übelstand zu steuern, gab Giersch im Parlament die Parole aus: "Berlin bleibt frei von Schmutz und Dreck, das ist nicht nur politischer Zweck."

* Das Dorf Worpswede In der Moorlandschaft bei Bremen war in den 20er Jahren ein Refugium großstadtfeindlicher Dichter und Maler. Dort lebten Paula Modersohn-Becker, Fritz Mackensen und Manfred Hausmann.

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* Oben: Altbau in Kreuzberg, Schloß Charlottenburg, Potsdamer Platz mit Haus Vaterland. Mitte: Blick vom Europa-Center auf Gedächtniskirche und Kurfürstendamm. Unten: US-Militärpolizist am Checkpoint Charlie, Striptease-Tänzerinnen im Nachtlokal "Smoky", Snack-Terrasse an der Tauentzienstraße.

* Mitte: Graphiker Uwe Bremer.

* Im Transvestiten-Lokal "Chez nous".

** In der Berliner Philharmonie.


DER SPIEGEL 41/1966
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