13.03.1967

PERSONALIENWerner Knieper, Franz-Josef Strauß, Klaus Seemann, Hans-Christoph Seebohm, Sandy Chase, Albert Ponsold, Mao Tse-tung, Henry Cabot Lodge, George Romney

Werner Knieper, 57, seit Anfang Dezember 1966 Staatssekretär im Bundeskanzleramt, der zuvor Hauptabteilungsleiter im Bundesverteidigungsministerium war beklagte sich vor Bonner Bekannten über den lawgen Arbeitstag bei seinem neuen Dienstherrn, Kurt Georg Kiesinger. Knieper, der früher von 8 bis 17.15 Uhr im Büro zu sein hatte und derzeit durchweg von 8 bis 23 Uhr Dienst tun muß: "Wie schön hatte ich es doch auf der Hardthöhe. Da konnte ich abends in Ruhe meinen Whisky trinken." Grund für Kniepers Beschwerden: Kanzler Kiesinger, dessen Familie noch in Tübingen wohnt, arbeitet bis zum Schlafengehen. Der Staatssekretär: "Wenn seine Frau erst hier ist, wird das hoffentlich besser."
Franz-Josef Strauß, 51, Bundesfinanzminister (CSU), der am letzten Mittwoch dem ehemaligen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Professor Karl Maria Hettlage das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband überreichte, fragte den Geehrten bei der Zeremonie: "Wie hängt man das eigentlich um?" Hettlage: "Ich glaube, es wird von rechts nach links getragen." Den Stern hakte Strauß in die Brusttasche des Professors ein. Der Minister: "Er hängt ja etwas zu hoch, aber Sie werden das schon machen."
Klaus Seemann 42, Ministerialrat, Referent im "Referat für wirtschaftliche und finanzielle Fragen für Verteidigung" und Personalratsvorsitzender im Bundeskanzleramt, gewann am vergangenen Donnerstag gegen Ex-Kanzler Ludwig Erhard und dessen Kanzleramtschef Ludger Westrick einen Rechtsstreit. Seemann, der im Vorjahr die Anstellung des Erhard-Neffen und Diplom-Volkswirts Gerhard Kluth im Kanzleramt wegen fehlender Eignung des Erhard-Verwandten in unmißverständlicher Form abgelehnt hatte, zog sich dadurch den Unwillen des Regierungschefs zu, der" dem Beamten vorwarf, sich im Ton vergriffen und ehrverletzende Äußerungen -gemacht zu haben. Der Kanzler leitete deshalb gegen Seemann eine disziplinarrechtliche Vorermittlung ein und ließ sämtliche Mitglieder des Personalrates davon unterrichten; Westrick ließ zudem CSU-Chef Strauß informieren, weil Seemann ranghöchstes CSU-Mitglied im Bundeskanzleramt ist. Seemann, der sich durch die Informationspolitik Erhards und Westricks in seiner Amtsführung als Personalrat behindert fühlte, klagte daraufhin beim -- Verwaltungsgericht Köln. Die Richter erklärten die Redseligkeit der Beklagten am letzten Donnerstag für rechtswidrig.
Hans-Christoph Seebohm, 63, CDU-MdB und ehemaliger Bundesverkehrsminister (1949 bis 1966), erhielt nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett vom katholischen bayrischen "Altöttinger Marienwerk" ein Schreiben, in dem die Absender ihren "tiefsten Dank für die große Hilfe (sagten), die er unserer Wallfahrt durch die Schaffung der Umgehungsstraße geleistet hatte", und baten, "dafür Sorge zu tragen, daß auch das letzte kleine fehlende Stück vollendet werden könne". In seinem Antwortbrief sicherte Seebohm den Weiterbau zu und fügte handschriftlich an: "Niemand aber kann mir nehmen. daß durch meine Initiative und Ausdauer der Kapellplatz in Altötting für die Pilger so weit als möglich von dem Trubel und dem Lärmen des Straßenverkehrs befreit ist." Darauf das Mitteilungsblatt des "Marienwerks": Voll Hochachtung neigen wir unser Haupt vor so einem Bundesminister a. D., vor so einem gläubigen Protestanten, und werden diesen prächtigen Mann samt seiner werten Familie im Gebete drüben vor Unserer Lieben Frau nicht vergessen können."
Sandy Chase, 23, Schönheitstänzerin (Körpermaße: 99-58-95) im San Franciscoer Nachtklub "off Broadway"" ließ sich in einem Schlauchboot in den Hafen von San Francisco ziehen, um dort die Besatzung des nach längerem Vietnam-Einsatz heimkehrenden Flugzeugträgers "Coral Sea" zu begrüßen. Die barbusige Empfangsdame konnte ihre Lustfahrt ohne Furcht, von der Hafenpolizei aufgebracht zu werden, absolvieren: Nach dem Urteil eines kalifornischen Gerichts wird "der öffentliche Anstand nicht verletzt, wenn eine Frau ihre Brust für eine kurze Zeit ohne aufreizende Bewegungen vor einer begrenzten Gruppe Erwachsener entblößt". Sandy Chase: "Wenn unsere GIs heimkommen, können sie ja schließlich erwarten, daß wir uns von der besten Seite zeigen."
Albert Ponsold, 66, Ordentlicher Professor für Gerichtliche Medizin an der Universität Münster, der unter anderem in den Prozessen gegen Maria Rohrbach (SPIEGEL 26/1961) und Hans Hetzel (SPIEGEL 37/1966) als Gutachter auftrat und nach beiden Verfahren wegen seiner Arbeitsweise von renommierten Kollegen heftig kritisiert worden war, in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk auf die Frage: "Wie stehen Sie zur Einschaltung eines zweiten gleichrangigen Gutachters bei Schwurgerichtsprozessen?": "Die Gefahr besteht -- die Möglichkeit der Gefahr-, daß der andere Gutachter eben etwas anderes sagt, nur um etwas anderes sagen zu können, und daß dann das andere nicht immer das richtige ist."
Mao Tse-tung, 73, rotchinesischer KP-Chef, leidet nach Ansicht des seit 30 Jahren in China praktizierenden deutschen Internisten Dr. med. Erik Bonde-Lee, 71, der dort auch "Familienmitglieder der Führungsschicht behandelte", an einer Gehirnverkalkung. Diese Diagnose vertraute Bonde-Lee Gesprächspartnern in der Ost-berliner Charité an, wo er sich gegenwärtig von einer Operation erholt. Der aus Altenburg (Thüringen) stammende Arzt, der von den DDR-Behörden wegen seiner intimen. Kenntnisse über die Pekinger Machthaber wie ein Staatsgast behandelt wird: "Mao war ein überragender Mann. Sein jetziges Verhalten ist jedoch unkontrolliert und ungehemmt."
Henry Cabot Lodge, 64, US-Botschafter in Südvietnam, verteidigte sich im Januar in der amerikanischen TV-Sendung "Today" gegen den von US-Journalisten erhobenen Vorwurf, er würde täglich nur sechs Stunden arbeiten, mit dem Hinweis, daß er einen Teil seiner Arbeit zu Hause erledige und zu unregelmäßigen- Zeiten in der Botschaft erscheine. Lodge: "Mord ist in Vietnam eine alltägliche Angelegenheit. Und eines der Dinge, die man ganz einfach zur Selbsterhaltung tut, ist, den Job des Mannes nicht zu erleichtern, der einen vor dem Büro töten will." Anfang dieses Monats wurde die Wache um die Saigoner US-Botschaft und um Lodges Haus verstärkt: US-Truppen hatten Vietcong-Aufzeichnungen gefunden, wonach Lodge und der amerikanische Oberbefehlshaber in Südvietnam, General Westmoreland, ermordet werden sollen.
George Romney, 59, (republikanischer) Gouverneur des US-Bundesstaates Michigan, der seinen Parteifreund und Mitbewerber um die Präsidentschaftskandidatur für 1968, Senator Charles Percy, als "Opportunisten" bezeichnet und damit Percys Partei-Freunde vergrämt hatte, erläuterte während eines Republikaner-Dinners in Washington, mit seinem Ausspruch habe er gemeint, der Senator von Illinois "handle immer zur richtigen Zeit". Romney weiter: "Auch ich bin ein Opportunist. Alle Politiker sind Opportunisten. Das Wort hat keine üblen Nebenbedeutungen für mich. Schließlich nenne ich sogar in eine besten Freunde Hurensöhne." Darauf Percy: "Romney hat alles getan, was er tun konnte, um die Situation zu entschärfen."

DER SPIEGEL 12/1967
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