03.04.2006

NOBELPREISTRÄGERFreispruch für Butenandt

Der Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 1939, Adolf Butenandt, war in keine Nazi-Gräuel verstrickt; er verdrängte weder jüdische Professoren aus ihrem Amt, noch betrieb er während des Zweiten Weltkriegs Menschenexperimente. Das besagt eine Untersuchung am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen. Butenandt, der als Erster ein Sexualhormon, das Östron, isolierte und 1935 einen Ruf nach Harvard ausschlug, wurde verdächtigt, in seinem Labor Blutseren aus Auschwitz benutzt zu haben. Auch warf man ihm vor, er habe von Versuchen in Unterdruckkammern gewusst, bei denen epileptische Kinder starben. "Keiner dieser Vorwürfe trifft zu", meint nun der Immunchemiker Norbert Hilschmann, dessen Arbeit sich auf alte Institutsdokumente und persönliche Briefe Butenandts stützt. Am 13. Juni werden die Ergebnisse in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle vorgelegt.

DER SPIEGEL 14/2006
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