10.04.2006

ARCHÄOLOGIE

Steinzeitliche Graffiti

Nicht Schamanen, nicht Stammesführer haben im Paläolithikum Höhlenwände mit Malereien verziert: Die frühe Menschheitskunst, Werke wie die in Lascaux und Altamira, entstammen offenbar der Hand und Inspiration von - Teenagern. Zu diesem Ergebnis kommt der Paläobiologe Dale Guthrie, emeritierter Professor des Institute of Arctic Biology der University of Alaska Fairbanks, in seinem neuen Buch "The Nature of Paleolithic Art" (University of Chicago Press). Die Bilder an den Höhlenwänden zeigen oft riesige Bisons, denen Blut aus Nase und Maul strömt, oder auch nackte Frauen - detailverliebt gezeichnet mit riesigen Brüsten und breiten Hüften. "Die Graffiti zeigen viel Kunst unterhalb der Gürtellinie", sagt Guthrie und sieht Parallelen zu den Themen heutiger juveniler Männlichkeit: Action, Wettkämpfe, Pamela Anderson. Der Biologe kam der Steinzeitjugend auf die Spur, als er 200 Handabdrücke analysierte, die er in der Nähe der Zeichnungen gefunden hatte. Länge und Breite der Finger und Handflächen wiesen auf Jungen im Alter von 9 bis 17 Jahren hin. Auch Fußabdrücke vor dem bemalten Fels entstammen wohl den Pubertierenden des Pleistozäns.


DER SPIEGEL 15/2006
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