17.07.2006

„Er hat nie bereut“

Der Künstler Klaus Staeck über seine Vorbehalte gegen die Breker-Schau in Schwerin
Staeck, 68, ist Plakatkünstler, Verleger, Jurist sowie seit April Präsident der Akademie der Künste in Berlin.
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SPIEGEL: Herr Staeck, Sie haben Ihre für 2007 geplante Ausstellung im Schleswig-Holstein-Haus abgesagt - wegen der Breker-Schau. Haben Sie dem Breker-Projekt damit nicht erst recht zu Aufmerksamkeit verholfen?
Staeck: Ja, das bedaure ich natürlich. Ich halte diese Absage aber für notwendig. Die können nicht mit mir eine Einzelausstellung machen, wenn sie eben noch Breker gezeigt haben. Es ist mir wichtig, Haltung zu zeigen. Das mag man altmodisch nennen, aber dazu stehe ich.
SPIEGEL: Dennoch: Über den NS-Architekten Albert Speer ist geforscht und geschrieben worden. Warum darf man nicht auch eine Vita Breker aufarbeiten?
Staeck: Die These, Breker sei nach 1945 sozusagen verboten gewesen, ist die Grundlage der Schweriner Ausstellung, doch sie ist falsch.
SPIEGEL: Die Museen haben seine Kunst gemieden.
Staeck: Ansonsten war er sehr präsent. Politiker, Wirtschaftsführer haben sich porträtieren lassen, Konzerne haben ihn beauftragt. Als ihm in den achtziger Jahren Sportler wie Jürgen Hingsen und Ulrike Meyfarth Modell standen, da wurde das in den Medien breit dokumentiert. Es gab die eine oder andere Sammelschau, in der Werke von ihm auftauchten. Breker wurde nicht im Keller versteckt.
SPIEGEL: Soll man jede Forschung und jede Dokumentation einstellen, das Thema gar für die Ewigkeit abhaken?
Staeck: Ich habe Zweifel, ob in diesem Haus in Schwerin eine kritische Aufarbeitung geleistet werden kann. Man ist von einem Sensationsbedürfnis getrieben. Und es ist so: Im Theater, im Kino, in der Musik gab es schnelle Rehabilitierungen von einstigen Nazi-Lieblingen und -Nutznießern. Die bildende Kunst hat diese Weißwäscherei nicht betrieben. Warum soll sie damit anfangen? Breker war es, der dem Menschenbild der Nazis, diesem Herrenrassetum, eine Gestalt gab. Er hat eine Ideologie illustriert, die sich anmaßte, lebensunwertes Leben zu definieren, zu exekutieren. Er entwarf den Helden, der Vorbild für die Soldaten sein sollte. Seine Bilder dienten der kollektiven Gehirnwäsche. Und eine Ausstellung stellt immer eine Aufwertung dar.
SPIEGEL: 1986 bekundete der Sammler Peter Ludwig sein Unverständnis darüber, dass die Museen NS-Kunst ignorierten. Sie starteten den Aufruf "Keine Nazi-Kunst ins Museum", gaben einen Aufsatzband heraus. Sie haben sich mit diesen Fragen beschäftigt, insbesondere mit der Figur Breker. Warum sollen andere das nicht auch?
Staeck: Ich habe tatsächlich einen Riesenarchivkarton zu Breker, irgendwann habe ich damit angefangen, alles über ihn zu sammeln, weil mich die Verführbarkeit von Künstlern interessiert hat. Breker hat sein Künstlertum ausgelebt, während gleichzeitig andere Künstler als entartet bezeichnet, ins Exil getrieben oder ermordet wurden. Er war der Profiteur schlechthin, insoweit war er auch Täter. Und er hat nie bereut. Wer will, kann längst alles über ihn wissen.
SPIEGEL: Darf man Kunst unabhängig von ihrer politischen Einrahmung betrachten, Kunst als Kunst sehen?
Staeck: Nicht, wenn man die politische Einrahmung selbst mitgestaltet hat. Der Künstler ist wie jeder andere für alles verantwortlich, was er sagt und tut oder mit sich machen lässt. Man darf ihn nicht als realitätsfernes Wesen betrachten, obwohl sich viele Menschen einen Künstler so vorstellen wollen. Ein spezieller Künstlerrabatt wäre eine Teilentmündigung.

DER SPIEGEL 29/2006
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