21.08.2006

Hippie oder Killeraffe?

Der niederländische Primatenforscher Frans de Waal über blutrünstige Schimpansen und sexsüchtige Bonobos, den Ursprung der Familie und das Wesen des Menschen
SPIEGEL: Herr de Waal, wenn Sie ein Teil jener Schimpansengruppe hier unter Ihrem
Beobachtungsturm wären, wären Sie das Alpha-Männchen?
De Waal: (lacht) Auf keinen Fall! Mein Rang wäre weit darunter. Ich darf schon gar nicht das Gehege betreten - die Schimpansen könnten mich ohne weiteres zerreißen. Sie sind um vieles stärker als wir.
SPIEGEL: Nehmen wir an, Sie hätten Muskeln genug.
De Waal: Ich hätte trotzdem jede Menge Probleme mit der Rangordnung. Das ist wie in jeder Firma: Es gibt Intrigen, man muss Freunden Gefallen tun, Netzwerke bilden. Was das soziale Miteinander betrifft, machen die Schimpansen den Ein-
druck, genauso intelligent zu sein wie wir.
SPIEGEL: Und wer schafft es bei den Schimpansen, sich ganz nach oben durchzukämpfen? Der Schlaueste? Der Größte?
De Waal: Nicht unbedingt. In unserer Gruppe hier zum Beispiel haben wir zwei Anführer: einen großen Schimpansenmann, der sehr entspannt und darum bei den Frauen beliebt ist; und einen kleinen Kerl, extrem durchsetzungsfähig, der mit den fiesesten Tricks kämpft, den die weiblichen Schimpansen aber nicht leiden können.
SPIEGEL: Wie zeigen die Anführer ihrem Volk die Macht?
De Waal: Indem sie eine große Show abziehen. In den Mahale Mountains in Tansania gibt es einen Schimpansenmann, der gern Felsbrocken mit viel Getöse in ein trockenes Flussbett hinunterwirft. Stets versammelt sich ein großes Publikum und beweist seine Ehrerbietung. Die Schimpansen verneigen sich und hechelgrunzen, beides typisches Unterwerfungsverhalten.
SPIEGEL: Sie sind also perfekte Untertanen?
De Waal: Überhaupt nicht! Unter der Oberfläche brodelt es. Um sich gegenseitig zur Macht zu verhelfen, schmieden Schimpansen Allianzen, die auf Geben und Nehmen basieren. Das ist bei Menschen nicht anders: Wenn US-Präsident George W. Bush etwa Tony Blair, seinem größten Unterstützer, nicht langsam etwas Bedeutendes zurückgibt, will selbst Blair vermutlich bald nichts mehr mit Bush zu tun haben.
SPIEGEL: Sie meinen, die Machtpolitik von Blair und Bush sei bereits bei den Menschenaffen angelegt?
De Waal: Davon bin ich überzeugt. Beim Menschen fängt es sogar schon im Kindesalter an: Bringt man Zweijährige in einem Raum zusammen, klären sie sofort - wenn nötig, mit Fäusten -, wer der Boss ist.
SPIEGEL: In Ihrem Buch behaupten Sie, eine klare Befehlskette sei demokratischen Entscheidungen überlegen. Damit lässt sich sogar die Diktatur rechtfertigen.
De Waal: Hierarchien sind unvermeidlich, aber nicht gleichbedeutend mit Despotentum. Interessant ist doch, dass die menschlichen Unternehmungen, die am stärksten auf Kooperation bauen, wie zum Beispiel Armeen oder große Unternehmen, die am stärksten ausgeprägten Hierarchien haben.
SPIEGEL: Aber klare Hierarchien allein reichen offenbar nicht aus - weder haben Schimpansen Armeen, noch haben sie die Welt unterworfen.
De Waal: Nein, Armeen sind eine ureigene Erfindung des Menschen. Die meisten Soldaten, die in den Krieg ziehen, tun dies nicht einmal mehr aus Aggressivität. Viele amerikanische GIs im Irak sind arme Jungs, die nur deshalb Krieg führen, weil ein paar Kerle in Washington das so beschlossen haben. Es geht dabei um Gebietsansprüche - dieses Territorialverhalten ist dann wieder das gleiche wie das der Schimpansen.
SPIEGEL: "Wenn Schimpansen Gewehre und Messer hätten und wüssten, wie man mit ihnen umgeht - sie würden sie benutzen wie der Mensch", sagt die Primatologin Jane Goodall. Die Menschenaffen reißen ihren Feinden die Fingernägel aus, zerquetschen deren Hoden oder reißen ihnen die Luftröhre aus dem Leib.
De Waal: O ja, sie können sehr brutal sein. Wilde Schimpansengruppen ziehen wie Gangs gegen Feinde zu Felde. Was ihnen völlig fehlt, eben wegen ihres starken Territorialverhaltens, ist eine freundschaftliche Beziehung zu ihren Nachbarn.
SPIEGEL: Das wiederum ist beim Menschen anders. Wir treiben Handel mit unseren Nachbarn, reisen durch deren Territorien, helfen einander bei Katastrophen.
De Waal: Genau. Und wegen solcher Eigenschaften reicht der Schimpanse nicht aus, um zu erklären, warum wir sind, wie wir sind. Von ihm kann man zum Beispiel gar nichts über unsere Fähigkeit zum Friedenschließen mit anderen Gruppen oder Nationen erfahren. Dafür lohnt es sich, den Bonobo genauer anzusehen ...
SPIEGEL: ... der mit uns ja genauso nah verwandt ist wie der Schimpanse.
De Waal: Ja. Er sieht uns mit seinem oft aufrechten Gang und dem relativ kleinen Kopf sogar ähnlicher. Vor allem aber gehen die Bonobos ausgesprochen friedlich miteinander um.
SPIEGEL: Was macht sie so pazifistisch?
De Waal: Wilde Bonobos leben in einer reichhaltigeren Umgebung. Im Gegensatz zu den Schimpansen haben sie mehr als genug zu essen, so dass die Bonobofrauen alle gemeinsam umherziehen können. Dabei bilden sie Koalitionen, helfen einander, verteidigen sich, so dass sie nicht von den Männern beherrscht werden.
SPIEGEL: Ein Matriarchat?
De Waal: Ja, wobei nicht einzelne Bonobofrauen dominant sind, sondern sie alle - als Gruppe. Und innerhalb deren haben meistens die älteren das Sagen.
SPIEGEL: Ist es die weibliche Herrschaft, die die Bonobos sanftmütig macht?
De Waal: Weibliche Bonobos scheinen jedenfalls gut darin zu sein, den Frieden zu bewahren. Es lohnt sich für sie ja kaum, ständig um ihren Platz in der Hierarchie zu kämpfen, weil es ihren Reproduktionserfolg nur wenig erhöht. Ranghohe Bonobofrauen haben zwar zum Beispiel besseren Zugang zu Nahrung für ihre Jungen. Dieser Vorteil ist jedoch minimal, verglichen zu den Vorteilen, die ranghohe männliche Schimpansen genießen. Für die übersetzt sich Dominanz direkt in mehr Nachwuchs - daher die oft brutale Konkurrenz.
SPIEGEL: Stimmt die Populärpsychologie doch: Männer sind vom Mars und Frauen, die Friedensstifter, von der Venus?
De Waal: Moment, ich habe gesagt, Bonobofrauen sind Friedensbewahrer - im
Stiften von Frieden sind die Männer besser.
SPIEGEL: Wie meinen Sie das?
De Waal: Frauen vermeiden Konflikte, sie fürchten Gewalt. Den Jungs dagegen macht Streit nicht so viel aus. Und ist der Konflikt erst einmal ausgebrochen, sind sie viel besser darin, sich zu versöhnen. Es gibt eine Studie aus Finnland. Da wurden Kinder, die sich gezankt hatten, gefragt, wie lange sie wohl noch wütend aufeinander sein würden. Die Jungs sagten stolz: ,Oh, mindestens ein oder zwei Tage.' Die Mädchen sagten ...
SPIEGEL: ... lassen Sie uns raten: ,Für immer'?
De Waal: (lacht) Ganz genau.
SPIEGEL: Und wie ergeht es den Bonobomännchen in der so einträchtigen Weiberwirtschaft?
De Waal: Nicht schlecht. Sie haben viel weniger Stress und leben daher länger als männliche Schimpansen - und gesünder dazu. Trotzdem würden die meisten Männer wohl nicht so leben wollen wie die Bonobos. Sie hängen ständig am Rockzipfel ihrer Mütter. Ihnen fehlt die Entscheidungsgewalt über ihr Schicksal, die wir und die Schimpansenmänner praktisch als Geburtsrecht betrachten.
SPIEGEL: Make Love, not War - Bonobos sind berühmt für ihren ungezügelten Sex. Wie wichtig ist er für ihre Sozialordnung?
De Waal: Sehr wichtig. Bonobos haben etwa siebenmal häufiger Sex als Schimpansen. Aber es sind kurze Begegnungen, sie dauern im Schnitt 14 Sekunden. Sex ist bei ihnen wie Händeschütteln. Und sie tun es in allen Stellungen. Diese Kamasutra-Primaten stimulieren sich oral, mit den Händen, sie treiben es sogar kopfüber hängend. Vor allem aber: homosexuell, heterosexuell, in allen Kombinationen. Nur Mutter-Sohn-Sex wird vermieden. Sie haben im Unterschied zu Schimpansen auch dann Sex, wenn die Bonobofrauen überhaupt nicht empfänglich sind. Ich schätze, dass drei Viertel ihrer sexuellen Aktivitäten nicht der Reproduktion dienen.
SPIEGEL: Sondern?
De Waal: Dem Vergnügen, der Entspannung. Und um angeknackste Beziehungen zu reparieren. Wenn Bonobos einen Obstbaum erklimmen, geht's sofort los: erst mit einer Menge Sex zwischen den Bonobofrauen. Deren sogenanntes GG-Rubbing, das Aneinanderreiben ihrer Genitalien, ist der Zement ihrer Gesellschaftsordnung. Und schließlich versuchen die Bonobomänner via Sex Futter von den Frauen zu ergattern.
SPIEGEL: Warum so viel Sex? Wie hat sich dieses Verhalten entwickelt?
De Waal: Er verhindert den Infantizid, das Töten der Jungtiere durch die Männchen - bei Primatenjungen Todesursache Nummer eins. Da die Bonobomänner mit allen Bonobofrauen Sex haben, wissen sie nicht, ob ein Kind vielleicht ihres ist. Wir nennen das Vaterschaftverschleierung. Schimpansinnen haben eine andere Strategie. Sie verlassen die Gruppe kurz vor der Geburt ihrer Kinder und bleiben den gefährlichen Männerbünden jahrelang fern.
SPIEGEL: Welche Rolle hat der Infantizid bei der Evolution des Menschen gespielt?
De Waal: Eine sehr bedeutende. Bei Menschen verhindert die Familie die Kindstötung. Die Kernfamilie aus Mutter, Vater und Kindern ist neben der Sprache der größte Unterschied zwischen uns und den anderen Menschenaffen.
SPIEGEL: Wie das?
De Waal: Der Schritt vom Wald in die Savanne machte uns zur leichten Beute. Plötzlich fehlte der Fluchtweg auf die Bäume. Besonders die Frauen mit ihren Babys mussten beschützt werden, und zwar aktiv von den Männern. Nur deren Hilfe machte es dann auch möglich, dass die Frauen die Kinder in kürzeren Abständen zur Welt brachten, vielleicht alle zwei oder drei Jahre. Sie bekommen damit doppelt so häufig Nachwuchs wie die Menschenaffen. Ich würde wetten, dass diese schnelle Reproduktion einer der Gründe ist, warum wir heute die Welt besiedeln und nicht sie.
SPIEGEL: Ach - so einfach war das?
De Waal: Natürlich nicht - die Organisation in Familien hat eine weitere, bedeutende Folge. Die Männer können weitaus besser kooperieren. Anstatt dauernd mit den anderen Kerlen um die Frauen zu konkurrieren, hat jeder Mann sozusagen eine ihm zugeteilte Partnerin, mit der er eine Familie gründen kann.
SPIEGEL: Er zwingt sie ins Haus und zieht los, um mit seinen Kumpels Brücken zu bauen und auf dem Mond zu landen?
De Waal: So ähnlich. Ein Problem jedoch bleibt: In einem solchen System wird es für jeden Mann extrem wichtig, dass seine Frau nicht fremdgeht und er am Ende den Nachwuchs eines anderen großzieht. Männer kontrollieren daher geradezu zwanghaft ihre Frauen. Extreme Beispiele sind
der Keuschheitsgürtel des Mittelalters oder die Burkas der Frauen in islamischen Ländern wie Afghanistan.
SPIEGEL: Familie und Sprache sind Eigenschaften, die Sie als für den Menschen einzigartig anerkennen. Es gibt noch einen anderen großen Unterschied: Wir haben Religion und Ethik. Affen können damit nicht aufwarten, oder?
De Waal: Zugegeben. Ich glaube dennoch, dass auch Religion und Ethik auf psychologischen Bausteinen basieren, die wir mit unseren Verwandten teilen. Wir haben ein System sozialen Drucks hinzugefügt, mit dem wir Regeln rechtfertigen und ihnen Nachdruck verleihen. ,Du sollst nicht töten', lautet so eine Regel. Sie wird von Religionsführern oder Philosophen formuliert, benennt aber nur, was in seinen Grundzügen tief in uns verwurzelt ist.
SPIEGEL: Wenn der Papst zur Nächstenliebe aufruft, appelliert er an den Affen in uns?
De Waal: Im Grunde schon. Ich sage nicht, dass Schimpansen und Bonobos moralische Wesen sind ...
SPIEGEL: ... den kategorischen Imperativ kennen sie wohl kaum.
De Waal: Doch. Das Motto ,Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu' kennen sie sehr wohl. Genau dieses Prinzip der Gegenseitigkeit halte ich, neben dem Einfühlungsvermögen, für das grundlegende Element der
Psychologie aller Menschenaffen. In einem Experiment boten wir Schimpansen Wassermelonen an und protokollierten, wie sie diese Früchte untereinander teilten. In den Stunden zuvor hatten wir aufgezeichnet, wer bei wem wie lange das Fell pflegte. Das Ergebnis war eindeutig: Der Affe, der die Wassermelone teilte, gab jenen Artgenossen, die ihn zuvor gepflegt hatten, deutlich mehr ab als den anderen.
SPIEGEL: Die Tiere können sich auch in andere einfühlen, sagen Sie?
De Waal: O ja. Schimpansen sind zum Beispiel richtig gut im Trösten. Leidet ein Freund, umarmen sie ihn und kümmern sich. Nur unsere Arroganz lässt uns daran zweifeln, dass so etwas möglich ist. Wer einen anderen grausam tötet, den nennen wir ,animalisch'. Spenden wir dagegen für die Armen, finden wir uns ,menschlich'.
SPIEGEL: Andererseits sagt Thomas Hobbes: ,Homo homini lupus', der Mensch sei dem Menschen ein Wolf.
De Waal: Nun, der evolutionäre Überlebenskampf ist eigentlich ein selbstsüchtiges Hauen und Stechen, und dennoch kann er zu ausgesprochen sozialen Tieren wie Delfinen, Wölfen oder eben auch den Primaten führen. Uns nur als Killeraffen zu betrachten, bezeichne ich als den Beethoven-Fehler: Beethoven war unorganisiert und schlampig, seine Musik jedoch ist der Inbegriff von Ordnung.
SPIEGEL: Kann womöglich sogar der Traum von der selbstlosen Gesellschaft Ergebnis des selbstsüchtigen Strebens jedes Einzelnen sein?
De Waal: Nein, Sozialismus kann nicht funktionieren, weil seine ökonomische Belohnungsstruktur der menschlichen Natur zuwiderläuft. Trotz massiver Indoktrination sind Menschen nicht bereit, ihre eigenen Ansprüche und die ihrer direkten Familie für das Gemeinwohl aufzugeben. Aus gutem Grund: Moral hat nämlich gar nichts mit Selbstlosigkeit zu tun. Im Gegenteil: Eigennutz ist geradezu der Ausgangspunkt des kategorischen Imperativs.
SPIEGEL: Demnach wäre eher der Kapitalismus das geeignete Modell für menschliches Zusammenleben?
De Waal: Ein System, das nur auf Wettbewerb beruht, bringt ebenfalls große Probleme mit sich. Das sieht man hier in den USA, wo den Kräften des Marktes allzu freier Lauf gelassen wird. Es ist ein Balanceakt: Das Konkurrenzdenken liegt uns genauso im Blut wie das Einfühlungsvermögen. Ideal erscheint mir ein demokratisches System mit sozialer Marktwirtschaft, weil es beiden Tendenzen Rechnung trägt.
SPIEGEL: Trotzdem waren Demokratien in der Menschheitsgeschichte die Ausnahme.
De Waal: Das glaube ich nicht. Jäger-Sammler-Kulturen, und in solchen haben wir vermutlich die längste Zeit unserer Stammesgeschichte gelebt, sind normalerweise ziemlich egalitär organisiert.
SPIEGEL: Das Zeitalter solcher Kleingruppen ist allerdings längst vorbei ...
De Waal: ... und die Welt rückt zusammen. Genau das ist die große Herausforderung. Wir, als Tiere, die in Kleingruppen denken, müssen eine globale Welt gestalten. Wir glauben an universelle Menschenrechte und halten Rassismus und Krieg für falsch. Andererseits sind wir unserer Natur zufolge kooperativ und liebevoll eigentlich fast ausschließlich zu den Mitgliedern jener Gruppe, der wir uns zugehörig fühlen.
SPIEGEL: Da sind die gewalttätigen Schimpansen wohl kein gutes Vorbild. Sollten wir uns beim Versuch, unsere Ideale mit unserer Natur in Einklang zu bringen, lieber an den friedliebenden Bonobos orientieren?
De Waal: Stellen Sie sich vor, wir würden den Schimpansen überhaupt nicht kennen. Dann müssten wir feststellen, dass unser nächster Verwandter ein freundlicher, sexbesessener Hippie ist, und würden sicher viele Theorien aufstellen, woher unsere Aggressivität stammt. Es sieht so aus, dass wir mit beiden viel gemein haben: Einerseits sind wir gut im Friedenschließen und vielleicht sogar einfühlsamer als Bonobos. Mehr Sex als Schimpansen haben wir mit Sicherheit auch. Andererseits sind wir sehr territorial, machthungrig und sogar brutaler als Schimpansen.
SPIEGEL: Gibt es überhaupt etwas exklusiv Menschliches, oder finden Sie für alle unsere Eigenschaften Parallelen im Verhalten unserer haarigen Vetter?
De Waal: Verlieben beispielsweise können sich nur Menschen. Auch den Sinn für die Privatsphäre, der eng mit dem Konzept der Familie verbunden ist, kennen die Affen nicht.
SPIEGEL: Und wie steht es mit dem Bewusstsein?
De Waal: Wissen wir denn, ob Schimpansen oder Bonobos ein Bewusstsein haben? Wer behauptet, wir seien die einzigen Primaten mit dieser Eigenschaft, der soll mir erst mal sagen, wie man Bewusstsein von außen überhaupt erkennen kann. Sicher bin ich mir nur darin, dass wir der mit Abstand widersprüchlichste aller Primaten sind. Nie hat ein Tier mit einem größeren inneren Konflikt auf dieser Erde gelebt. Insofern haben wir nicht einen Affen in uns, sondern mindestens zwei. Mit diesem Widerspruch müssen wir leben.
SPIEGEL: Herr de Waal, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Der Zoologe de Waal, 57, erforscht seit Beginn der siebziger Jahre das Verhalten von Primaten. Dutzende Schimpansen und Bonobos aus den Zoos in Arnheim (Niederlande) und San Diego kennen ihn wie einen der ihren. Inzwischen leitet de Waal das Living Links Center am Yerkes National Primate Research Center der Emory University in Atlanta, das 3400 Primaten beherbergt, davon etwa hundert Schimpansen. Sein neues Buch "Der Affe in uns" erscheint Ende der Woche im Carl Hanser Verlag, es kostet 24,90 Euro.
* Popsänger Robbie Williams, Verehrerinnen.
* Mit den Redakteuren Philip Bethge und Rafaela von Bredow im Beobachtungsturm des Yerkes Primate Research Center in Lawrenceville bei Atlanta.
Von Philip Bethgen und Rafaela von Bredow

DER SPIEGEL 34/2006
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