28.08.2006

AUSSTELLUNGENKochende Moderne

Der Direktor des Herforder Museums MARTa ließ sich ein ungewöhnliches Versprechen abringen. Jan Hoet, Belgier und auch schon mal Documenta-Chef, versprach, bei Überschreitungen seines Etats künftig persönlich zu haften. Nur unter dieser Voraussetzung wurde auch der Vertrag des 70-jährigen, äußerst vitalen Altmeisters der Kuratorenszene bis 2008 verlängert. Jetzt denkt Hoet in größeren Dimensionen. Mitte September eröffnet er in seinem Haus eine riesige Schau, die zuvor im Londoner Victoria & Albert Museum ein voller Erfolg war. Sie trägt den Titel "Die Moderne - Entwurf einer neuen Welt" und dürfte für bundesweites Interesse sorgen. Die Ausstellung vollzieht die Entwicklung von Architektur, Design und Kunst in Europa zwischen 1914 und 1939 nach. Die Moderne, später als seelenlos verschrien, hatte ja echte Vorteile auch für den Alltag zu bieten: federleichte Stühle und erste Einbauküchen. Die Herforder Hommage wird also alle faszinieren. Billig ist die Schau nicht, aber sie ist eine, die Hingucker zu bieten hat: Hoet rechnet mit 70 000 Besuchern.

DER SPIEGEL 35/2006
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