04.09.2006

TV-Vorschau

Frozen Angels
Montag, 0.05 Uhr, ZDF
Fortpflanzungstourismus, Samenentnahme nach dem Tod oder Spermakauf online sind in Kalifornien, dem Mekka der Gentechnologen, seit Jahren keine Vision mehr. Ohne seine Protagonisten zu denunzieren, lässt der mehrfach preisgekrönte Film von Frauke Sandig und Eric Black Pioniere der Branche zu Wort kommen: Leihmütter, die sich als helfende Engel sehen, einen Samenbankdirektor, der am weltweiten Gen-Export blonder, blauäugiger Amerikaner verdient und um ein Sperma-Archiv für Soldaten im Kriegseinsatz kämpft, sowie einen Studenten mit IQ 180, gezeugt aus einer Nobelpreisträger-Samenbank. Diese intelligente Reflexion mit alarmierenden Fakten und grandioser Bildsprache läuft zur völlig falschen Sendezeit.
Majestät! Die Tränen der Prinzessin - Masako von Japan
Dienstag, 20.15 Uhr, ZDF
Märchen verlaufen anders: Sechs Jahre hielt die junge Diplomatin Masako dem Werben des japanischen Kronprinzen stand, dann gab sie Beruf und Freiheit auf und heiratete. Die Folgen sind bekannt: Masako stürzte unter dem Druck, die angeblich seit 2665 Jahren bestehende Blutlinie mit einem männlichen Thronfolger zu verlängern, in tiefe Depressionen. Mit Interviews enger Freundinnen, Traditionalisten und Kaisergegnern erzählt Gert Anhalts und Annette Tewes' Dokumentation die Geschichte einer jungen Frau im Korsett des wohl steifsten Hofstaats der Welt. Spannend wie ein Thriller: Im September erwartet die Rivalin und Schwägerin Masakos ein Baby - vielleicht einen Jungen.
New York im Schatten der Türme
Mittwoch, 23.15 Uhr, ARD
"Lieber in New York sterben als in Ohio leben", sagt selbstbewusst eine elegante Frau, eine der vielen Zeugen, die die Autorin Katja Esson für diesen melancholisch-heiteren Bilderbogen über die Folgen des 11. September befragt hat. In den Statements der Überlebenden, der Angehörigen der Opfer, der Nachbarn offenbart sich so etwas wie eine stolze Trauer, erkennbar das Produkt psychischer Bewältigungsarbeit. Es gibt in diesem einfühlsam-intelligenten Film viele verschiedene Schattierungen der Erinnerung, aber eines überhaupt nicht: Weinerlichkeit.
Auf ewig und einen Tag
Freitag, 20.40 Uhr, Arte
Gregor Luckner (Fritz Karl) ist am Morgen des 11. September 2001 bei einem Geschäftstermin im World Trade Center, als ein paar Etagen über ihm ein Flugzeug in den Turm einschlägt. Anstatt sich zu retten, starrt er aus dem Fenster in den Rauch, während sein Handy ununterbrochen klingelt. Es ist Jan (Heino Ferch), der verzweifelt versucht, seinen Schulfreund und Geschäftspartner zu erreichen. Warum Gregor nicht ans Telefon geht, erklärt der Zweiteiler (Regie: Markus Imboden) in Rückblenden. Über drei sehr lange Stunden wird erklärt, dass Gregor immer vergebens um die Anerkennung seines Vaters gekämpft hat, dass Jan ausgerechnet eine Frau liebt, die sich nicht eingesteht, dass sie Gregor liebt, und dass Geld und Erfolg keine Heilmittel sind für verletzte Seelen. Aufwendige Inszenierung und Staraufgebot (auch dabei: Martina Gedeck und Claudia Michelsen) können nicht über die matte Psychologie hinwegtrösten.
Für alle Fälle Fitz: Nine Eleven
Sonntag, 22.00 Uhr, ZDF
Aus dem Retiro taucht der bullige Psychologe Fitz (Robbie Coltrane) wieder auf und bringt einen durchgeknallten Polizisten (Anthony Flanagan) zur Strecke. Dieses meisterliche Nachspiel zu der vor zehn Jahren abgedrehten meisterlichen Serie macht wehmütig: was für eine elektrisierende Krimikultur boten hier die Engländer. Die Nachgeburt "Nine Eleven" (Buch: Jimmy McGovern, Regie: Antonia Bird) schafft es mühelos, die Terrorschocks des Jahres 2001 in Handlung und Bilder einzubeziehen.

DER SPIEGEL 36/2006
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