09.10.2006

OZONLOCH

In 60 Jahren ist es weg

Geir Braathen, Ozonexperte bei der Meteorologischen Weltorganisation in Genf, über das antarktische Ozonloch, das in diesen Wochen eine neue Rekordgröße erreichte

SPIEGEL: Herr Braathen, es gab in der Vergangenheit schon Meldungen, das Ozonloch sei geschrumpft. Jetzt berichten Sie vom größten Loch, das es je gab. Was ist passiert?

Braathen: Die Ausdehnung hängt auch von den Wetterverhältnissen in der unteren Stratosphäre, also in 14 bis 20 Kilometer Höhe, ab. Es kann daher sogar passieren, dass wir in den nächsten Jahren erneut ein noch größeres Ozonloch erleben werden, obwohl der langfristige Trend rückläufig ist.

SPIEGEL: Das heißt konkret?

Braathen: In rund 60 Jahren ist das Ozonloch weg.

SPIEGEL: Woher die Sicherheit?

Braathen: Wir wissen inzwischen sehr viel über die Atmosphärenchemie. Und wir beobachten, dass das Chlor, das aus Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) stammt, in der Stratosphäre jährlich um etwa ein Prozent abnimmt. Es hat sein Maximum in den Jahren 1998/99 überschritten.

SPIEGEL: Offensichtlich wirkt damit das Montrealer Protokoll, das 1987 das Ende der FCKW-Produktion einleitete. Müssen wir nur noch abwarten?

Braathen: Nicht nur. Auch wenn keine FCKW mehr produziert werden, sind immer noch große Mengen dieser Stoffe in Gebrauch - zum Beispiel als Kühlmittel in alten Kühlschränken. Um die müssen wir uns stärker kümmern als bisher. Denn je mehr FCKW unkontrolliert entweichen, desto länger wird sich die Genesung der Ozonschicht noch hinauszögern.


DER SPIEGEL 41/2006
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