09.10.2006

GESTORBENOskar Pastior

Oskar Pastior , 78. Er war ein Schreiber für Hörer. Seine Silbenführung, sein Rhythmusgefühl und sein genauer Sinn für den Klang der Sprache vertieften das Verständnis für seine Poesie. Wie sein Kollege Ernst Jandl vermochte es Pastior, sein Publikum zu bezaubern - auch durch den fremd-zärtlichen Tonfall, in dem der experimentelle Lyriker aus Hermannstadt (im rumänischen Siebenbürgen) seine abgründigen, ernst-verspielten Texte las. Pastior, Sohn eines Zeichners, gehörte der deutschsprachigen Minderheit seiner Heimat an. Als 17-Jähriger wurde er in die Sowjetunion deportiert und in Arbeitslagern interniert. Nach seiner Rückkehr studierte er Germanistik in Bukarest; 1964 erschien sein erster Lyrikband "Offne Worte". 1968 nutzte er einen Aufenthalt in Wien zur Flucht in die Bundesrepublik Deutschland. Er übersetzte unter anderem Welimir Chlebnikow und Tristan Tzara. Für seine Dichtung wurde er häufig geehrt, zuletzt mit dem Georg-Büchner-Preis, dessen Verleihung noch ausstand. Oskar Pastior starb am 4. Oktober in Frankfurt am Main.

DER SPIEGEL 41/2006
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Oskar Pastior

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