23.10.2006

HIRNFORSCHUNG

Erinnern mit Erdbeeren

Eine Gedächtnispille ohne Nebenwirkungen, die kaum etwas kostet - welcher Schüler, welcher Prüfling würde die Einnahme verweigern? Der wundersame Wirkstoff steckt in Erdbeeren und Äpfeln, in Kiwis, Trauben und einigen Obst- und Gemüsesorten mehr: Er heißt Fisetin. Die Neurobiologin Pamela Maher vom Salk Institute im kalifornischen La Jolla interessierte sich für diesen Stoff, weil er zu den Zellenrettern zählt, den sogenannten Antioxidantien. Das sind zum Beispiel Stoffe wie Vitamin C, dessen Funktion sich zeigt, wenn man Zitronensaft auf einen Apfelschnitz träufelt: Die Frucht färbt sich dort nicht braun - ihre Zellen werden vom Vitamin eine Weile vor dem Absterben bewahrt. Fisetin kann aber noch mehr, fand Maher heraus. Der Zauberstoff hilft bei der Spezialisierung und Reifung von Gehirnzellen. Und das Beste: Fisetin gibt dem Gedächtnis einen Kick. Die Substanz unterstützt die Neuronen beim Anbändeln mit ihren Nachbarzellen - ein Prozess, der notwendig ist, um Erlebtes als Erinnerung zu speichern. Mäuse jedenfalls, denen Maher und ihre Kollegen eine Portion Fisetin verabreicht hatten, verbrachten viel weniger Zeit als nicht gedopte Artgenossen damit, Objekte auszukundschaften, die sie bereits tags zuvor kennengelernt hatten. Also ein Erdbeerfest feiern vor der Klausur? Ganz so einfach ist das nicht: Fünf Kilo der roten Früchtchen müsste der Prüfling in sich hineinstopfen, um einen Effekt zu erzielen.


DER SPIEGEL 43/2006
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