30.10.2006

TUNESIEN

Feindlicher Sender

Staatspräsident Sein al-Abidin Ben Ali ist nicht gut auf das Erdölemirat Katar und den von ihm protegierten Fernsehsender al-Dschasira zu sprechen. Wegen dessen "feindseliger" Berichterstattung hat Ben Ali jetzt die Schließung seiner Botschaft in Katar angeordnet und Tunesiens Diplomaten nach Hause beordert. Die Staatsführung hatte vor allem erregt, dass al-Dschasira mehrmals den tunesischen Dissidenten und Gründer des verbotenen "Kongresses für die Republik", Munsif al-Marsuki, ins Studio einlud. Dieser hatte über die "tunesische Staatsdiktatur" gewettert und seine Landsleute aufgefordert, das Regime durch "zivilen Ungehorsam" in die Knie zu zwingen. Provokant für die laizistische Regierung in Tunis mussten zudem die Auftritte des Islamisten Raschid al-Ghannuschi erscheinen, den al-Dschasira aus seinem Londoner Exil nach Doha einfliegen ließ. Dort prangerte der Politiker die "antiislamischen Repressionen" in seinem Heimatland an und verwies auf das Verbot für Frauen, einen Vollschleier zu tragen. Mit dem Abbruch der Beziehungen tut sich Ben Ali indes keinen Gefallen. Erst vor zwei Wochen hat sein Land eine katarische Firma mit dem Bau einer Raffinerie im Erdölhafen Sucheira beauftragt.


DER SPIEGEL 44/2006
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