SPIEGEL: Herr Rüter, in Basel wurde bei Erdwärmebohrungen ein Beben der Stärke 3,4 auf der Richterskala ausgelöst. Wie konnte das passieren?
Rüter: Der Erdstoß ist keine direkte Folge der Bohrung. Arbeiter haben Wasser in die Erde gepumpt, um künstliche Risse im Gestein zu erzeugen und es so durchlässiger zu machen. Die Energie, die dabei in die Erde geleitet wird, ist viel zu gering, um ein Ereignis dieser Stärke zu bewirken. Geothermie kann niemals der Grund für ein Erdbeben sein, sondern nur der vorzeitige Auslöser. Gebebt hätte die Erde so oder so.
SPIEGEL: Kann es bei Erdwärmeprojekten in Deutschland auch zu Erdstößen kommen?
Rüter: Ja. Das ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber nicht völlig auszuschließen. Wenn es dazu kommt, werden die Beben aber meist sehr viel kleiner sein. Denn es bebt nur dort, wo der Boden unter Spannung steht und es früher oder später sowieso zu einer Entladung gekommen wäre.
SPIEGEL: Sind Erdwärmeprojekte seit dem Vorfall in Basel in Verruf geraten?
Rüter: Was in Basel passiert ist, wird meiner Meinung nach sehr aufgebauscht. Auch beim Abbau von Steinkohle, bei der Gewinnung von Gas und Erdöl oder der geplanten Verpressung von CO2 kommt es zu seismischen Ereignissen. Darüber spricht aber niemand. Wir werden viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit die Menschen wieder hinter unseren Projekten stehen.
DER SPIEGEL 51/2006
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