29.01.2007

Die Tage der Kommune

Vor 40 Jahren revolutionierte die Kommune 1 den deutschen Alltag. Rainer Langhans und Uschi Obermaier wurden Popstars der Revolte, andere scheiterten im bewaffneten Untergrund. Waren die Kommunarden Polit-Künstler oder Terroristen? Von Matthias Matussek und Philipp Oehmke
Die Nackten und die Toten
Endlich wird die ganze Sache begraben, leise, unaufgeregt, und es ist auch Zeit. Die Kommune 1, eine vom Leben mittlerweile ziemlich zerschossene Truppe, hat sich für ihr letztes gemeinsames Foto den St.-Elisabeth-Friedhof im Wedding gewählt. Es ist ein grauer Dezember-Nachmittag.
Die Alten, die meisten Mitte sechzig, gruppieren sich zwischen kahlen Pappeln und Lorbeersträuchern und Grabsteinen aus rosa Marmor auf einer Wiese. Wo, wenn nicht hier, kann der Mythos aus Sex und Drogen und permanenter Revolution erledigt werden? Wo, wenn nicht hier, kann dieses andere Foto ironisch überblendet und ausgelöscht werden, eines, in dem die Lebensrolle der Kommunarden erstarrt ist wie in einem bösen, grandiosen Fluch.
Jeder kennt dieses andere Foto. Es ist fest abgelagert im kollektiven Unterbewusstsein der Nation und auch weltweit ein Klassiker in der Dia-Show der Jugendrevolten. An eine Wand gelehnt sieben junge Männer und Frauen und ein Kind. Sie sind nackt. Sie sind von hinten gezeigt. Sie haben die Hände ausgestreckt an der Wand, wie bei einer Razzia. Nur der Kleine dreht sich neugierig zum Fotografen. Mit diesem Foto, das sie für eine ihrer Broschüren produzierten, haben sie unzählige von Biografien nachfolgender Jugendkohorten berührt.
Es war die Geburtsstunde der permissiven westdeutschen Gesellschaft und ihrer Kultur der Angstfreiheit. Alles passierte in wenigen Wochen, in diesem verhexten Jahr 1967, vor genau 40 Jahren: Die Gehirnwäsche, der sich die Kommunarden zu Jahresbeginn unterzogen, ihr spektakulärer Plan des Puddingattentats auf den US-Vizepräsidenten Hubert Humphrey am 6. April, die Flugblätter zum Brüsseler Kaufhausbrand am 22. Mai, schließlich die tödlichen Polizeischüsse auf den Demonstranten Benno Ohnesorg am 2. Juni.
Seit den heroischen hundert Tagen der Kommune aus ihrer Anfangszeit galt unter deutschen Jugendlichen mehrheitlich ein Leben nur dann als authentisch, wenn es im Widerstand zum Staat dahingebracht wurde, der als Sachwalter des Kapitals verachtet wurde, über Jahrzehnte hinweg.
Spätestens seit dem islamistischen Terror jedoch wird der Staat als prinzipiell schützenswert erkannt, und lange schon ist auch die Jugend eingemeindet, und es gilt: möglichst nicht herausfallen. Manifestationen der Unreife werden vermieden.
Und nun stehen da die Überlebenden der Revolte als Bingo-Truppe auf dem Friedhof herum, in Gesundheitsschuhen und Wintermänteln und Rentnermützen.
Vollständig geklärt und beigelegt sind die Angelegenheiten hier, zwischen den Gräbern, bei weitem noch nicht. Der damals dreijährige Nessim war nicht aufzutreiben. Dafür ist diesmal Fritz Teufel, 63, mit dabei - er fehlte auf dem Nacktfoto von damals, weil er wegen eines Steinwurfs auf der Demonstration am 2. Juni im Gefängnis saß.
Teufel trägt eine blaue WM-2006-Jacke, und Dieter Kunzelmann, 67, Kommunardenchef, erscheint im braunen Wildledermantel mit passendem Borsalino, und er sieht haargenauso aus wie einer jener Rentner, die er 40 Jahre zuvor auf dem Ku'damm erschreckt hat. Dabei steht auch Kalle Pawla, berühmt geworden dadurch, dass er vor den Tisch eines Richters gekackt hat. Wie ist so ein Leben verlaufen? Hat es sich gelohnt?
Keine Antwort. Ulrich Enzensberger, im gestreiften Schal, spielt den Kassenwart. Noch immer gilt die Devise, die damals an die Kommune-Tür gepinselt war: "Erst blechen, dann sprechen." Während er zwischen den Grabsteinen die Scheine für das Foto nachzählt, versucht Fritz Teufel Antje Krüger zu küssen, die ehemalige Freundin von Rainer Langhans. Nebenkommunarde Volker Gebbert sieht Langhans und sagt: "Ach, der Popstar ist auch da."
Ja, der Popstar. Da es der Pop ist, der gewonnen hat, und nicht der Umsturz, hätte er auch sagen können: Da kommt der Gewinner. Rainer Langhans trägt Weiß, als Einziger. Er wirkt wie ein Bote von einem anderen Stern, aus einer helleren Zukunft.
Die gleichen Ringellöckchen, die gleiche Nickelbrille, das gleiche Gesicht wie 40 Jahre zuvor. Nur älter und grauer, wie in einer albernen Hollywood-Zeitraffer-Version, aber es ist das Siegergesicht, das er seit damals nicht wieder abgegeben hat.
Die meisten hat er seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Mit Ulrich Enzensberger wäre noch eine Rechnung offen, auch mit Fritz Teufel, denn die hatten ihn einst mit gezogener Pistole überfallen und ein paar tausend Mark abgepresst, weil Langhans sein Glück mit dem schönen und erfolgreichen Fotomodell Uschi Obermaier gemacht hatte.
Wäre nicht jetzt und hier der geeignete Zeitpunkt für eine Entschuldigung? "Ach", lächelt der blasse Kassenwart leichthin, "das war damals eben so." Das Lächeln ist gruselig. So ganz nebenbei wird hier, auf dem Friedhof, noch einmal das Wolfsgebiss dieser Desperado-Gruppe gebleckt.
So halten wir uns denn an Langhans, der als Einziger so spricht, als sei er immer noch im Aufbruch, immer noch Hippie, und er sagt auf diesem Friedhof: "Wir haben gewonnen."
Er schaut nach vorn, er spricht begeistert von Vernetzung und Entkörperlichung, ungeduldig, als warte er auf das verdammte Ufo, das ihn vor vier Jahrzehnten zwischen diesen Holzköpfen abgesetzt hatte. Mission erfüllt, die Gesellschaft ist lockerer, die
Frauen sind gleichberechtigt, die Kinder dürfen auch mal Widerworte geben, ab die Luzi, ab nach oben.
Und die anderen? Man kann ihnen die Keulenschläge des Schicksals ansehen, die Heroinsucht, die Jahre auf der Flucht, den Untergrund, die Gefängnisse, aber kein bisschen all den Spaß, den sie doch auch gehabt haben müssen.
"Wir haben verloren", sagt Teufel. Acht Jahre hat er gesessen, und all das für unschuldige Polit-Clownereien. "Na, sooo unschuldig auch wieder nicht", sagt er.
Sie frösteln, sie wollen es hinter sich bringen, doch sie werden noch einige Extra-Runden drehen, denn wieder einmal sind sie Gegenstand geworden von einem Film, von weiteren Büchern, von neuen Deutungen. Immer wieder sitzen die Generationen, die sie berührt haben, um dieses Lagerfeuer herum und stochern in der Glut und erzählen die unabgeschlossene Geschichte von den Sommern der Anarchie und der Zeit, als die Erde sich andersherum drehen sollte, und die Funken fliegen mit jeder neuen Deutung, jeder anderen Erinnerung an 1967 und die hundert Tage der Kommune 1.
Die Mutter aller Luder
Eine der Deutungen wird diese Woche mit rund 150 Kopien in die Kinos gehämmert, bunt, laut, und auch sie kann mit einem unwiderstehlichen Bild aufwarten, einem, das einfach zu gut ist, um wahr zu sein: Es zeigt Uschi Obermaier im Parka vor einer Phalanx von behelmten Polizisten. Die 21-Jährige steht stolz da, den Kopf zurückgeworfen, atemberaubend schön und jung, voilà, das erotische Wappentier der Revolte. Die Ordnungshüter, die Macht: nichts als Staffage.
In dem Film "Das wilde Leben" schwenkt die Kamera kurz über einen SPIEGEL-Titel mit diesem Foto. Es hat diesen Titel nie gegeben, doch seit jenen Tagen sind Protest und Verwertung heillos ineinander verschlungen, und manchmal greift ja die Kunst der Wirklichkeit einfach voraus, und wie man sieht, mit Erfolg.
Das Originalfoto entstand auf einer Demonstration für jenen Pawla, der sich im Gerichtssaal entleert hatte. Von den vielen Missverständnissen aus dem politischen Tagebuch der Befreiung jener Tage war Uschi Obermaier zweifellos das schönste. Sie konnte Kapitalismus und Kommunismus nicht auseinander halten, sie war halt verliebt in den süßen Rainer mit dem Engelsgesicht. Und der umgekehrt bekannte, er würde für diese Frau jede Revolution verraten. Für den Kommunarden Kunzelmann indes war sie nur ein "Suppenhuhn".
Im Film reißt Uschi mit einer Freundin aus, raus aus München-Sendling, an die Landstraße, und der erste Wagen, der hält, ist ein buntbemalter Magic-Bus, der sie zur Kommune 1, zu Langhans bringt. So schnell konnte das neue Leben beginnen, sagt dieser Film. Es war nur ein Fingerschnippen weit entfernt.
Vielleicht ist das der Hauptunterschied zur heutigen Zeit. Damals gab es tatsächlich zwei Kulturen, die nebeneinander existierten, die der Eltern und die der Kinder. Heute hat die Popkultur so sehr gewonnen, dass sie alle Generationen gleichzeitig bedient, egal, welchem Auto man zusteigt, überall läuft das Gleiche. Die Jugendkultur ist überflüssig geworden, weil alles Jugendkultur ist.
Die Kommune 1 besorgte die Theatralisierung dieser neuen Kultur, die nur als Protestkultur sichtbar werden konnte. Mit der schönen Obermaier waren nun ganze Posterserien möglich und sogar ein "Stern"-Titel. Das war dann schon die Dekadenz-Phase. Kunzelmann und Teufel waren bereits rausgeflogen. In der Szene war die Session für den "Stern" als Ausverkauf der Revolte gesehen worden, und als Anreiz für Überfälle. Das Honorar von 10 000 Mark hatte die Szene-Gerüchteküche bereits auf 45 000 hochgejazzt.
Es dauerte nicht lange, da stand eine Kölner Kommune vor der Tür, die den Schandlohn sozialisiert haben wollte. Als Langhans und seine Mitkommunarden diese irgendwann wieder vor die Tür setzten, kehrten sie mit einer Bande von Rockern zurück, die alles kurz und klein schlugen. Langhans und Obermaier flüchteten zu Hans Magnus Enzensberger und dann weiter nach München. Es war bisweilen nicht leicht, im linken Milieu zu überleben.
Der Film, und das ist seine Wahrheit, zeigt trotz aller Retouchen eine tatsächlich unschuldige Welt, in der es noch möglich war für junge Abenteurer, durch Pakistan
zu fahren, ohne vergewaltigt, entführt oder erschossen zu werden.
Es ist ein braver, ein um Farbe bemühter Film über die Hippie-Zeit, der so bieder heruntergefilmt ist wie eine Episode aus "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Und das sind die guten Nachrichten, was die Erinnerungskultur um die Revolte angeht.
Die bösen stammen von Obermaier selbst, denn sie gibt Interviews und hat, zum Filmstart, ihre Memoiren herausgebracht. Die "Bild"-Zeitung druckte sie in Serie, und so konnte man nachlesen, dass sie es dem Rainer besorgt hat bis sie nicht mehr konnte, all das, was in Luderbeichten heute zum Standard-Repertoire gehört.
Der Rest ist Groupie-Getue: Die Sache mit Mick und die mit Jimi, der so "weiche braune Haut" hatte, und der Keith wusste genau, was Frauen mögen, und der Eddy hat ein großes Ding g'hobt. "Zum Frühstück gab's bei mir Apfelsaft, Heroin & Sex."
Ach, ehrlich? Gähn.
Das nun ist eine viel radikalere Vernichtung aller Sponti-Mythen jener Tage, als es die Renegaten mit ihren Gewaltvorwürfen je bewerkstelligen könnten. War da wirklich nicht mehr als nur die rastlose Suche nach dem nächsten Kick? War die Kommune 1 tatsächlich nur Einübung in die moderne Partygesellschaft? Keine Zartheit, keine Morgenröten für die Menschheit, keine Horizonte, nur immer wieder der eigene Bauchnabel? Fest steht, dass ein Leben, das so gebeichtet wird, eine ziemlich ratlose und traurige Unternehmung ist.
"Die Uschi in diesem Film ist eine komplett bindungsunfähige Frau", sagt Langhans, als er aus der Pressevorführung im Münchner Arri-Kino kommt. Er wirkt verstört. "Es ist, als hätte sie mich nie geliebt."
Das sagt ein 66-jähriger Mann. So bleibt wohl nur das Poster, das sie in alle Ewigkeit zusammenbindet, das Poster mit Uschi auf der Matratze in der Kommune 1.
Der Film ist freigegeben ab 12. Nicht schlecht für einen Streifen, in dem platt geredet, hauptsächlich gekifft und viel gevögelt wird.
Im Polit-Container
Wie war sie denn nun wirklich, die Kommune? "Sie war ein Experiment, das erst heute richtig begriffen werden kann", sagt Langhans. "Damals ging alles zu schnell." Seit 30 Jahren lebt Langhans in dieser 27-Quadratmeter-Wohnung in München, in einer mönchischen Zelle. Im Zimmer liegen eine Matratze, ein Sitzkissen, ein Stapel von Büchern auf dem Boden. Esoterik, Weisheitslehren. Alles ist weiß, inklusive Langhans. Er sagt: "Bedürfnislosigkeit ist der wahre Luxus." Man glaubt ihm das sogar.
Mit ihrer Matratze auf dem Boden ist diese Sozialwohnung wie ein Stück Kommune, das abgesägt und fortgebeamt wurde in die Stille, in die Einsamkeit. Weiter kann man sich vom Prinzip Kommune nicht fortbewegen. Das Ende der Kommune war für ihn wie Sterben, sagt Langhans. Geblieben ist das: die Matratze, die auf dem Boden liegt.
Mit ihren Matratzenlagern schufen die Kommunarden 1967 die erste Big-Brother-Nummer, nur unter härteren Bedingungen: Die Klotüren wurden ausgehängt, das Geld wurde geteilt, und es gab, im Prinzip, kein Zurück. Die erste Container-Show also, und natürlich war Sex das Thema. "Was kümmert mich der Vietnam-Krieg, wenn ich Orgasmusprobleme habe", dekretierte der Kommunarde Kunzelmann. Das ist heute die Essenz jeder Nachmittags-Talkshow, doch damals konnte ein solcher Satz mit endlosen Theorie-Echos rechnen, denn stets ging es um alles: den neuen Menschen, die neue Gesellschaft.
Umlagert von der Öffentlichkeit waren die Matratzen immer. "Sie wollen potentielle Anhänger ihrer Idee, Jungen und Mädchen aus den Beatlokalen, zu Ladendiebstählen in Kaufhäusern und Supermärkten anhalten", berichtete der "Stern".
Das war schon gruselig genug. Doch erst dann kam der Satz, der den Berliner Kommissar Gutjahr zum Handeln zwang: "Dagmar und Dorothea sind theoretisch die Gefährtinnen sämtlicher männlicher Maoisten." Im April 1967 erhob Gutjahr Anklage gegen die Kommune 1 nach § 180 StGB wegen Kuppelei.
Es gab solche Paragrafen noch in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Kommune 1, in ihren ständigen Versuchen, das System zum Geständnis seiner latenten Gewalttätigkeit zu zwingen, enthüllte eben oft nicht mehr als dessen
Absurditäten und institutionelle Überalterungen, seine inhärente Komik.
Die Kommunarden verstanden sich selbst als öffentliches Ereignis und waren darin modern. Alles wurde Kabarett. Telefongespräche liefen über einen Verstärker. Briefe der Eltern wurden verlesen, es waren liebende darunter, aber auch mahnende, wütende. "Lieber Fritz, wem soll das nützen?", fragte die besorgte Mutter Teufel. Man konnte Kopien davon kaufen. Embedded Journalist Peter Brügge berichtete für den SPIEGEL 1967 davon, mit kaum verhohlenem Ekel.
Doch der Handel mit Gerichtsakten und Privatpost war nicht ohne Logik: Da das Intimste zum Politikum erklärt worden war, war es öffentlich und verhökerbar. Und natürlich ist es seither noch viel öffentlicher und verhökerbarer: Heute zeigt jeder Zweite im Internet so viel von sich, wie er nur kann. Insofern waren sie tatsächlich Avantgarde. Die erleuchtetsten Köpfe der Zeit schauten vorbei, zum Beispiel der weißhaarige Philosoph Herbert Marcuse, der die Stunde gekommen sah, den "eindimensionalen Menschen" zu überwinden. Allerdings konnte er mit der spöttischen Mehrdimensionalität der Kommune-Menschen nicht viel anfangen. "Es war ihm wohl zu ungemütlich, er verabschiedete sich schnell", sagt Langhans.
Auch die Eltern der Kommunarden kamen. Langhans' Vater probierte einen Joint und beschwerte sich, dass er "überhaupt gar nichts spüre". Er verabschiedete sich schnell. Vom Fenster aus beobachtete dann eine feixende Kommunardenhorde, wie Papa runde 20 Minuten brauchte, um sein teures Cabrio aufzuschließen.
Der Alltag? Für die beiden Kleinkinder fühlten sich alle ein bisschen zuständig und keiner richtig. Der junge Nessim redete seine Mutter mit "Schwester" an. Mittags besorgte man Essen aus der Mensa oder zog mit den Kindern gleich dorthin, wo dann die kleine Grischa unter den Tischen krabbeln konnte.
Heute ist wahrscheinlich jede Prekariats-Familie aufmüpfiger, doch damals trugen die Studenten mehrheitlich Anzüge und Männer Hüte und Frauen Kostüme. Das schuf beträchtliche Distinktionsgewinne. Die Kommunarden bespielten eine ganz große Bühne: die Phantasien einer ganzen Gesellschaft.
Und die Kritiken wurden penibel ausgewertet. Die Kommunarden waren so mediengeil wie jedes Filmsternchen, und sie wussten, dass sie gut waren.
Sie ließen sich einen Fernseher spendieren, weil, so Kunzelmann, "ja manchmal was über uns kommt". Penible Ordnung gab es nur in einem einzigen Raum - dort, wo der Ausschnittdienst verrichtet wurde, mit Schere, Klebstoff, Leitz-Ordnern.
Sie waren Chronisten in eigener Sache, berauscht von der eigenen Bedeutung. Konnte es überhaupt ein größenwahnsinnigeres Vorhaben geben, als den ganz neuen Menschen zu schaffen, den "Menschen des 21. Jahrhunderts", wie ihn Ché Guevara in jenen Tagen forderte?
Es war eine weltrevolutionäre Selbstbeauftragung, für die ganz besonders Intellektuelle schon immer anfällig waren, durch alle Zeiten. Die jungen Anarchisten im zaristischen Russland fühlten sich davon genauso beseelt wie die Pariser Revolutionäre, die Flaubert in "L'Éducation sentimentale" schildert, oder Ernst Toller und die Münchner Räte-Bohemiens.
Weder Flauberts Frédéric Moreau noch Dostojewskis Raskolnikow fühlen sich gebunden an die moralischen Gesetze in ihrem Streben nach Glück und Menschheitsbefreiung. Die Kommunarden gingen in gewisser Weise weiter. Sie nahmen die Regelverletzung nicht einfach nur in Kauf - sie war ihr Hauptanliegen.
Wie komisch und in auftrumpfender Ohnmacht die Geschichte des Ungehorsams begann. Schon einige Tage bevor sie
zusammenzogen, organisierten die Kommunarden "Spaziergangsdemonstrationen" im Trubel der Weihnachtseinkäufe 1966 auf dem Ku'damm.
Die Handlungsanleitung wurde in lustige Kinderreime gepackt:
"Kommt die Polizei vorbei
gehen wir an ihr vorbei
an der nächsten Ecke dann
fängt das Spiel von vorne an."
Die Ordnungskräfte reagierten wie vorgesehen: hysterisch. Sie verhafteten Studenten, Schüler, Passanten zu Dutzenden. Die Kommunarden störten den Konsumtrubel und ließen sich dafür prügeln. Noch an seinem Todestag am 6. August 1969 schrieb der Philosoph Theodor W. Adorno an Herbert Marcuse von den Meriten der Studentenbewegung, die "den glatten Übergang zur total verwalteten Welt unterbrochen" hätte. Allerdings vergaß er nicht, das "Quentchen Wahn" zu benennen, das allem beigemischt war.
Es war ein Wahn, der in diesen Tagen die ganze westliche Welt befallen hatte. Alles ganz neu zu gestalten, das war ein Traum von gewaltiger Schönheit und noch gewaltigerer Schonungslosigkeit. Und er war universell: Da hatte sich ganz ohne CNN, ohne Internet, ein Global Village des Protests zusammengeschlossen. "Es war gespenstisch", sagt Langhans. "Dieser Ausbruch an Energie, ohne große Absprache, überall."
Nur ein kleines Zeitfenster in diesem Jahr 1967, und alles schien in ein rätselhaftes neues Licht getaucht, als leuchte die Erde auf unter einem Strahl, der aus einer fernen Zukunft geworfen worden war. 1967 war der große Einspruch in den Lauf der Dinge, in den Skandal von Ausbeutung und Ungerechtigkeit.
Immer neu ist dieses Jahr erzählt worden, denn man ist längst noch nicht durch damit. "Alles", so Richard Powers in seinem Bestseller "Der Klang der Zeit", "passierte gleichzeitig." Ché Guevara kämpfte in Bolivien, Dr. Christiaan Barnard verpflanzte ein menschliches Herz, die Beatles brachten "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" heraus, und in Prag trafen sich Intellektuelle und Parteikader und beschlossen, den stalinistischen Frost aufzubrechen.
Die israelische Armee besiegte die der arabischen Welt in sechs Tagen, und die Journalistin Ulrike Meinhof forderte Unterstützung - für Israel.
In den amerikanischen Städten kam es zu über 70 Aufständen der Schwarzen, zu Bränden, zu Toten, und die Rolling Stones sangen "We Love You" in einer sarkastischen Liebeserklärung an ihre Richter. Jane Fonda war "Barbarella", Twiggy das erste magersüchtige Supermodel, Muhammad Ali verweigerte den Kriegsdienst in Vietnam. "Welche Oper", sinniert der junge Sänger Jonah in Powers Roman vor den Fernsehnachrichten, "könnte es mit dem hier aufnehmen?"
In der Bundesrepublik regierte eine Große Koalition, und es lag näher als heute, außerparlamentarische Opposition auf der Straße zu betreiben. Die Bürger wollten Ruhe nach Entbehrung und Wiederaufbau. Die antiautoritären Studenten dagegen wollten Krach - was für ein Stück!
Die Mitspieler
Das Kommune-Experiment war in dem Landhaus der Eltern von Lothar Menne - später Verleger von Hoffmann und Campe - am Kochelsee südlich von München vorbereitet worden. Weltbefreiungsdiskussionen mit Alpenblick, nachmittags Wanderungen, abends wieder die Weltrevolution, dazwischen erhitzte Debatten über die deutsche Mannschaft während der WM in England.
Sieben Männer und drei Frauen (andere Zeugen erinnern andere Zahlen). Der intensive Rudi Dutschke, der didaktische Bernd Rabehl, vor allem Dieter Kunzelmann, der Waldschrat mit dem roten Bart und den rollenden Augen, der das skizzierte, was er später in seinen "Notizen zur Gründung revolutionärer Kommunen in den Metropolen" niederlegte. Es gehe bei dem Experiment um die Sprengung "bürgerlicher Abhängigkeitsverhältnisse (Ehe, Besitzanspruch, Frau und Kind etc.), Destruierung der Privatsphäre und aller uns präformierenden Alltäglichkeiten".
Der junge Menne gruselte sich. Er konnte sich nicht vorstellen, mit Kunzelmann unter einem Dach zu wohnen.
"Ich kannte Kunzelmann aus Münchens linker Szene. Der ließ sich abends immer die Stapel geklauter Bücher vorführen. Wer den kleinsten hatte, war kein guter Genosse." Statt zur Kommune meldete sich Menne dann zu den Guerilleros nach Guatemala ab. "Alles war besser als Kunzelmann."
Auch Dutschke wollte nicht mitmachen. Er war von einer merkwürdigen Keuschheit. Darüber hinaus war seine amerikanische Frau Gretchen ständig eifersüchtig. Überhaupt fanden sich später ernsthaft nur zwei Frauen, die mitzogen, und diese dachten überhaupt nicht daran, freie Liebe zu praktizieren.
Heute ist jeder Neuköllner Swinger-Club sexuell befreiter als es die Kommune 1 je war. Und natürlich geheimnisloser. Die Inszenierungen der Kommune waren ironisch, und sie verstanden es, die Phantasien der bürgerlichen Gesellschaft zu beschäftigen, und das war viel wichtiger.
Sie schonten sich durchaus nicht. Während sich in San Franciscos Haight- Ashbury-Viertel die bekifften Hippies in den Armen lagen und in London die Miniröcke Mary Quants noch ein bisschen kürzer wurden, begann das Jahr 1967 für die deutsche Kommune 1 mit einer gründlichen Gehirnwäsche.
Man verhörte einander, kramte das Innerste nach außen, legte Geheimnisse offen, eine barbarische Kette von Beichten und Zusammenbrüchen, denn der alte Mensch mit seinen Verhärtungen und Ängsten sollte weggesprengt werden.
Man kann sich das Kopfschütteln der Beamten bei der Lektüre dieser Protokolle vorstellen, die später sichergestellt wurden. Teufel etwa schwor, "zu keiner Frau mehr
ein Verhältnis anfangen, völlig andere Sprechweise, keine kurzen aggressiven Bemerkungen mehr". Für die Übrigen galt: "Jeder muss seine individuelle Situation auf den allgemeinen Stand bringen. Schweiger müssen reden und warten nicht mehr darauf, dass ihr Problem verhandelt wird." Eine Devise, die zu allen Zeiten gut ist.
In der Analyse der individuellen Lebens- und Leidensgeschichten wollte man, so Langhans, endlich auch mit dem Erbe der Väter fertig werden. "Schließlich war die Gesellschaft auf Leichenbergen gegründet, über die keiner sprach."
Mit den Auschwitz-Prozessen war der Holocaust, waren die Nazi-Verbrechen zwar Thema geworden, aber keines, das zu tieferen Erschütterungen geführt hätte. Mit der Kommune 1 brachte sich nun die Generation in Stellung, die der Historiker Heinz Dieter Kittsteiner die "hypermoralische" nannte, mit dem Auftrag, der "involvierten" den Prozess zu machen, um schließlich die "normalisierte" vorzubereiten.
Tatsächlich waren viele Richter und Ermittler, mit denen es die Kommunarden zu tun bekamen, aktive NSDAP-Mitglieder gewesen, ebenso wie große Teile der Wirtschafts- und Politik-Eliten verstrickt gewesen waren. Der Politologe Wolfgang Kraushaar wundert sich, "wie mit einem solchen Personal eine neue demokratische Ordnung aufgebaut werden konnte".
Kunzelmann, Teufel, Langhans bildeten die öffentlichkeitswirksame Kern-Trias der Kommune. Volker Gebbert und Ulrich Enzensberger gaben sich radikal, blieben aber blass. Dazu die Frauen Dagmar Seehuber und Dorothea Ridder. Unter ihnen allen war Dieter Kunzelmann, Sohn eines Bamberger Sparkassendirektors, der unumstrittene Chef. Er hatte bereits mit dem späteren Modephilosophen Jean Baudrillard unter Seine-Brücken genächtigt, er war willensstark und absolut wahnsinnsgestählt.
Rainer Langhans war der introvertierte Typ. Er war in der DDR aufgewachsen. Erinnert sich an eine glückliche Kindheit, an den Wechsel in den Westen, als sein Vater, ein charmanter Abenteurertyp, wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten den Standort wechseln musste.
Seine Internatszeit hatte er bei den Herrnhutern verbracht. Bei dieser ursprünglich böhmischen Freikirche, erzählt Langhans, sei es früher zum öffentlichen Beischlaf im Kreis der Gemeinde gekommen. Für Langhans hatte also das spätere öffentliche Matratzenlager mit Uschi Obermaier nicht nur politische, sondern auch rituelle Konnotationen.
Er war der Einzige der Kommunarden, der die Bundeswehr absolviert hatte. Er war der Einzige, der sich tatsächlich mit Waffen auskannte und der "gerade deshalb" nie eine in die Hand nahm. Er studierte Psychologie und stieß zur Kommune aus Liebeskummer. "Ich hatte einen völligen Zusammenbruch, und da war die Kommune genau die richtige Anlaufstation."
Fritz Teufel, der Publizistik-Student, war sicher der Entrückteste von allen. Er lebte seine eigene Wirklichkeit. Er träumte sich in die Figur des Trödlers Aaron Wassertrum aus Gustav Meyrinks "Der Golem" und kümmerte sich hauptsächlich um Raubdrucke.
Seine Gerichtsauftritte gehörten später zu den wirkungsvollsten Inszenierungen des Kommune-1-Polit-Theaters. Am berühmtesten wohl die Replik auf die richterliche Aufforderung, sich im Gerichtssaal zu erheben: "Wenn es der Wahrheitsfindung dient."
Mit Teufel wurde der Delinquent zum Star, und er schuf damit einen Phänotyp für das subkulturelle Milieu. Er konnte sich schwer von dieser Erfolgsrolle verabschieden. Dass er, freigelassen mit Meldeauflagen, am 18. August 1967 eine theatralische Rückkehr in Büßergewand und Ketten zum Moabiter Gefängnis antrat, mit der Bitte, ihn dort erneut aufzunehmen, war nicht nur ein starkes Pressefoto, sondern auch das tragische Dokument einer verqueren Identitätsbildung.
Später sollte Teufel jahrelang in Untersuchungshaft sitzen, angeklagt unter anderem der Beteiligung an der Entführung des Berliner CDU-Chefs Peter Lorenz, ohne auf entlastende Alibis zurückzugreifen - er wollte den Staat und seine "Unrechtsjustiz" bloßstellen.
Das Attentat als Happening
Die Kommune lebte aus der Reibung mit der Polizei, dem "Staatsapparat". Erst der staatliche Gegendruck auf ihre Aktionen gaben ihr Gestalt. Wie die sichergestellten Protokolle beweisen, drohten die selbstquälerischen Selbstbefragungen aus den Vorbereitungswochen bereits, die Kommune zu sprengen. Da boten die Planungen für ein Pudding-Attentat auf den US-Vizepräsidenten Hubert Humphrey genau die Aktion, die sie zusammenschweißte und mit einem Schlag weltweit bekannt machte.
Humphrey sollte am 6. April nach Berlin kommen. Was konnte effektvoller sein, als ein simuliertes Attentat? Es war nicht Terror, doch es war durchaus der Flirt damit. Das Humphrey-Happening war die eigentliche
Geburtsstunde der Kommune als Aktionstheater.
Rauchbomben sollten gezündet werden und an das Napalm in Vietnam erinnern sowie an den Völkermord, den die USA mit der Ausweitung des Krieges und ihren Bombenteppichen beging. Dann wollten die Kommunarden auf die Autos des Konvois zurennen und mit Eiern, Schlagsahne, Pudding, Eis und Tutti Frutti werfen. Nachdem man den Konvoi zum Stoppen gebracht hatte, wollte man singen: "Hoch soll er leben" und "Backe, backe Kuchen" und "Berlin ist eine Reise wert".
So waren sie, die Zeiten der Unschuld. Ein herber Slapstick. Unter heutigen Nervositätsbedingungen hätte wohl kaum ein Kommunarde eine solche Aktion überlebt. Doch auch für damalige Verhältnisse war das alles starker Stoff.
Zwei Tage vor dem Staatsbesuch wurde dem Berliner Landesamt für Verfassungsschutz bekannt, "dass eine Personengruppe, die sich aus sog. Gammlern, Atomwaffengegnern und Maoisten zusammensetzt, beabsichtige, den Besuchsablauf zu stören".
Einen Tag vor dem geplanten Anschlag griff die Polizei zu. Und die "Berliner Morgenpost" dröhnte: "Attentat auf Humphrey von Kripo vereitelt - FU-Studenten fertigten Bomben mit Sprengstoff aus Peking." "Bild" sprach von "hochexplosiven Chemikalien" und "Mao-Cocktails". Die Zeitungen insinuierten einen Mordanschlag.
Das war die Sprache, das war die Hitze.
Kurz darauf wurden die Festgenommenen freigelassen, und die Kommunarden hatten einen unglaublichen PR-Sieg errungen. Der Staat war lächerlich gemacht und die bürgerliche Presse erst recht.
Dennoch gab es Konsequenzen: Uwe Johnson, in dessen Wohnung einige der Kommunarden zunächst eingezogen waren, verfügte die sofortige Räumung. Aus der "New York Times" hatte er von dem bösen Aprilscherz erfahren.
Er rief Hans Magnus Enzensberger an: "Ich lasse mir doch von denen nicht meine Karriere ruinieren". Das nicht, bei aller Liebe zur Revolution! Günter Grass, ebenfalls ein Nachbar, wurde beauftragt, den vollständigen Abzug der Kommunarden zu überwachen.
So bezog die Kommune 1 dann jenes Domizil am Stuttgarter Platz, in dem auch das berühmte Nacktfoto entstand. Eine Sechseinhalb-Zimmer-Wohnung im Rotlicht-Viertel. Der Flur war vollbepackt mit Bücherpaketen, die die rote Mao-Bibel enthielten, mit Flugblättern, mit Raubkopien von Bakunin bis Wilhelm Reich.
Das beutete durchaus ein Bedürfnis aus - wenn es in jenen Tagen Hunger gab, dann war es Hunger nach Theorie. Jeder klaubte und klaute zusammen, was er in die Finger bekommen konnte, die Frühsozialisten, die Exilschriften der Frankfurter, Walter Benjamin, Hegel, Marx, Lenin - und immer wieder Wilhelm Reich, der Sexualität und Politik so eng zusammenbrachte wie keiner sonst, und genau das war die Mischung, die damals den Nerv traf.
Der Philosoph Peter Sloterdijk (siehe Interview Seite 148) erinnert sich, wie der Büchertisch vor der Mensa für ihn durchaus eine "Bundeslade" des Wissens verkörperte: "Intelligenz war etwas, was wie eine große Verheißung über den Köpfen schwebte."
Die Kommune legte Fallen. Sie produzierte Bilder wie keine Gruppe vor ihr: Kommunarde Kunzelmann, der aus einem Sarg heraus Flugblätter wirft. Teufel, der bei seiner Entlassung aus der Haft einen Adventskranz trägt. Die Konterfeis des Schahs auf den Papiertüten, die sie sich über die Köpfe stülpen.
Heute haben viele die 68er Barrikadenkämpfer-Spießerei satt, die Selbstgerechtigkeit ihrer Lebensentwürfe, ihre siegreichen Märsche durch die Institutionen, durch Publizistik und Politik, all diese Gleichberechtigungs-Kommissionen, all der politisch korrekte Denunziationseifer.
Mit den Siegern von 68 will man nichts zu tun haben. Doch die Verlierer von 67, die interessieren bis heute. Sie waren Punk, lange bevor es ihn gab. "Wir haben in diesen hundert Tagen keine Drogen genommen, noch nicht mal Musik gehört", sagt Langhans. "Wir waren high von nichts als unseren Aktionen." In diesen hundert Tagen lebten die Kommunarden dem Land die Angstlosigkeit gegenüber der Obrigkeit vor - dahinter ging es nie wieder zurück.
Oft werden die Tage als Inkubations-Zeit für spätere Terrorakte gelesen. Und doch stehen sie für sich selbst. Sie waren eine politische Happeningphase, die die Köpfe der Nachkriegsgesellschaft wachrüttelte. Und die nebenbei den nötigen Modernisierungsschub besorgte, eine Öffnung in die Welt.
In ihrer Hochphase - zur Zeit von "All You Need Is Love" - waren sie die einzige deutsche Popgruppe von internationalem Format. Bald ertranken die Kommunarden unter Liebesbriefen. Fritz Teufel wurde von 16-jährigen Mädchen umlagert, und die Briefe, die sie ihm schrieben, gehören nun zu den amüsanteren Beständen des Hamburger Instituts für Sozialforschung: "Heißgeliebter Fritz ... Wir lieben Dich. Wir träumen jede Nacht von Dir. Wir beten Dich an."
Auch Rainer Langhans war Adressat von Liebesschwüren, von gereimten: "DU siehst aus wie ein Pudel / und bist der KING des Kommunerudel ... Ich liebe Dich so sehr, / doch Du bist stur wie ein Bär." Die gleiche Autorin hatte für Kunzelmann nur Spott: "Kommunarde Kunzelmann, / Du wirst bestaunt von allen Seiten / auf Grund Deiner Orgasmusschwierigkeiten."
Doch die Kommunarden erhielten nicht nur Liebesbriefe, sondern auch Zuschriften von Leuten, die sich über die Nachbarn, die Firma, die Bundesregierung beschweren wollten. Sie waren mittlerweile auch oppositionelle Institution und Anlaufstelle für die Unzufriedenen der Republik. Beantworten konnte das keiner. Die Kommune 1 verfügte über eine Batterie von Antwortstempeln und knallte munter und blutrot "Weiter so" auf die Postkarten.
Dass Heinrich Albertz, der Regierende Bürgermeister Berlins, in ihnen eine "lebensgefährliche Minderheit" sah, dass ihnen öfter zugerufen wurde, man müsse sie vergasen, steigerte durchaus ihre Bedeutung.
Kürzlich erinnerte sich Udo Jürgens während eines Abendessens an die Kommunarden. Auch er war jung, auch er fand die Gesellschaft muffig. Was ihn unterschied? "Ich wollte nach oben", sagt er, "die nicht."
Das wiederum ist nicht ganz richtig. Die Leute im Polit-Container waren bereits oben. Man konnte kaum höher sein in diesem ersten Halbjahr 1967: Die Weltrevolution war in Sichtweite.
"Wir waren Götter", sagt Langhans in seiner Münchner Matratzengruft. "Und da wieder runter und ein Niemand sein, das ging doch gar nicht, das hat viele zerschmettert."
Spurensuche
Am Tag nach der Uschi-Obermaier-Filmvorführung im Münchner Arri-Kino begibt sich Langhans auf die Suche, er steigt zusammen mit seinem Harem - vier Frauen, alle Ex-Models: die Zwillinge Jutta Winkelmann und Gisela Getty, Christa Ritter und Brigitte Streubel - in ein Flugzeug nach Berlin. Verunsichert sei er, verwirrt. Er traue seiner eigenen Erinnerung nicht mehr: Was war denn das nun, dieses 67/68?
War er verklemmt, wie Uschi Obermaier in der Beckmann-Show zu verstehen gab? War der tolle Sex genauso eine Fehlanzeige wie die tolle Revolution?
Nach jenem Treffen auf dem Friedhof, ein paar Wochen zuvor, war Langhans gemeinsam mit den anderen Gründungskommunarden in einen dieser Kässbohrer-Reisebusse gestiegen, die sonst Florenz für 68 Euro im Programm haben: Jetzt ging es nur bis Kreuzberg zum Kaffeetrinken. Er hätte gern all diese Fragen besprochen, aber die übrigen Kommunarden meinten nur, er solle Ruhe geben.
Ja, man hätte sich irgendwie halbwegs verstanden, es habe sich aber nichts besprechen lassen. Kunzelmann führte wieder, wie schon vor 40 Jahren das Wort - ach Gott, man hätte ihn gelassen.
Langhans wollte Kunzelmann dann fragen, halb schaudernd, halb fasziniert, ob er wirklich im November 1969 eine Bombe im jüdischen Gemeindehaus in der Berliner Fasanenstraße hat legen lassen, wie es der Politologe Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung herausgefunden hat. Kunzelmann habe erwidert, keine Aufregung, ihm sei immer klar gewesen, dass die Bombe nicht zünden würde.
Eine beunruhigende Antwort für Langhans: Kann es sein, dass seine Kommune 1 der Geburtsort des deutschen Terrorismus war, der im Laufe der Jahre 37 Menschenleben kosten sollte. Es geht um viel. Es geht um ein Lebenswerk. Und es geht um eines der wichtigsten Identitätsmerkmale der Bundesrepublik. Langhans merkt auf einmal, er befindet sich mitten in einem Kampf um Deutungshoheit.
Am folgenden Tag gegen frühen Abend, ein in weißes Plastik gehaltenes Design-Hotel im Berliner Nikolaiviertel. In die Lobby tritt ein Mann. Er muss um die sechzig sein und von seinen Ohrläppchen baumeln allerlei Federn und Totenköpfe, er trägt einen Schnauzer, eine Baskenmütze, unter der sich halblange, halbgraue Haare herauskämpfen. Das ist offenbar Ex-Kommunardenstil. Was früher die Ledersandale war, ist heute die Baskenmütze. Der Mann heißt eigentlich Michael Baumann, wird aber Bommi genannt, er ist Ex-Kommunarde, Ex-Terrorist, Ex-Junkie. Die Hepatitis C, die er vom Fixen hat, sieht man ihm kaum an, auch nicht die insgesamt sieben Jahre Gefängnis, doch aus Baumanns
Lunge scheppert es beim Ausatmen. Rainer Langhans hat ihn hierherbestellt, denn Baumann hat 1967 mit ihm in der Kommune gelebt, zusammen haben sie später 1969 Dieter Kunzelmann rausgeworfen, weil der immer psychotischer wurde. Bei seinem Rauswurf trug Kunzelmann eine lange Männerunterhose, ein Frackoberteil, kein Hemd.
Langhans fällt Baumann selig um den Hals, aber das heißt noch nicht viel, denn Langhans fällt allen Leuten selig um den Hals. Baumann sagt, er habe nicht so viel Zeit, er müsse heute noch einkaufen, das mache er immer am Freitagnachmittag fürs Wochenende. Die beiden setzen sich, Langhans fragt nach Uschi Obermaier, seiner großen Liebe, die heute nichts mehr von ihm wissen will.
"War sie die große Sexgöttin, zu der sie sich heute macht?"
"Ja, Rainer."
"Wir waren ja angeblich alle verklemmt, sagt sie."
Keine Reaktion von Baumann.
"Bommi! War ich so verklemmt?"
Baumann sagt, er erinnere sich vor allem an die letzte Unterkunft der Kommune 1 in Moabit in der Stephanstraße, dieses Gammellager, eine ehemalige Metzgerei: ein großer Raum, ein Tisch in der Mitte, drum herum Matratzen und "auf denen hatte man dann ab und zu unter Decken mal Sex".
Baumann denkt nach. "Das kannst du nun verklemmt nennen oder nicht. Auf jeden Fall bekam das bald so einen leichten Zwangscharakter."
"Zwangscharakter?"
"Ja, die nächste Frau musste immer noch lauter stöhnen." Dann fallen Baumann ganz viele Frauennamen ein, eine Olga, eine Bildhauerin, hieß die Krüger? ... eine aus Zehlendorf. Langhans schmeißt seine Locken aufgeregt von links nach rechts und wieder nach links: Verwirrung! "Woran du dich alles erinnerst, Bommi, Wahnsinn."
Langhans zufrieden, man war also doch nicht verklemmt, und Baumann erzählt, wie er manchmal Schulmädchen auf der Straße vor der Kommune aufgegabelt habe - Groupies! -, aber mit denen durfte er nur in der Küche schlafen. "Im Wohnzimmer hat der Kunzelmann mir das verboten!"
Die einen kamen wegen des Sex zur Kommune, die anderen später wegen der Drogen, die dritten wegen der ersten Schritte in den so genannten bewaffneten Kampf. Ein Chemiestudent, der von der Odenwaldschule kam, rührte in der Kommune 1 die sogenannte Berliner Tinke zusammen, eine Tinktur aus Morphinbase und Essigsäure, der Vorläufer des Ende der Sechziger in Berlin noch schwer erhältlichen Heroins.
Der erst später enttarnte Verfassungsschutzagent Peter Urbach (Langhans: "der einzige Proll") brachte eine Bombe in die Kommune und stellte sie auf den Schreibtisch. Langhans: "Immer stand diese Bombe da rum, die hat schon keiner mehr wahrgenommen, doch Uschi und mich hat sie irgendwann genervt, und wir haben sie ins Klo gestellt."
Dann will Langhans von Baumann wissen: "Haben wir gewonnen?"
Baumann fängt an von sieben Jahren Gefängnis zu reden, zehn Jahre auf der Flucht, von Drogensucht und permanentem Geldmangel. Dann sagt er: "Und hat es sich gelohnt? Immerhin war ich nicht wie die."
Die Kommune war für Baumann das Subversivste, das es je in der Bundesrepublik gegeben hat - bis sie im Sommer 1969 zunehmend zerfiel. Kunzelmann fuhr nach Jordanien zur Fatah, um schießen zu lernen; Teufel, inzwischen in München, verkündete bald im Fernsehen "Der Clown Teufel ist tot."
Zwei Bücher, beide veröffentlicht vom Hamburger Institut für Sozialforschung, sorgen im Deutungsstreit um die Studentenrevolte für Wirbel. Zwei Renegaten-Bücher. In dem einen wirft der Politologe Wolfgang Kraushaar Kunzelmanns Kommune 1 vor, Durchgangsstation zum Terror gewesen zu sein. Das andere Buch, "Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF", zieht in drei Essays eine Verbindung zwischen dem Studentenführer und dem Terror.
Über die Frage ist unlängst eine Art linker Historikerstreit entbrannt, der nun zusätzlich befeuert wird von einem dritten Buch: der rund 1400 Seiten starken, auch von Kraushaar herausgegebenen Aufsatzsammlung "Die RAF und der linke Terrorismus". Es ist nicht ohne Ironie, dass nun auch die hypermoralische Generation - nicht erst seit den Tretereien des Straßenkämpfers Fischers - über eigene Verstrickungen diskutiert.
Die Sprache des Protests
In der grauen Archiv-Akte im Hamburger Institut fallen diese Zettel sofort auf: Mit rotem Kugelschreiber, in nervösen und stolzen, hochfahrenden Buchstaben, hat sich Rudi Dutschke am 10. Juli 1967 die Zeitenwende notiert. "Alles ist bereit" steht da, und: "Das Neue - Bruch des geschichtlichen Kontinuums".
Die Bruchstücke wirken wie Diktate eines sehr ungeduldigen Engels der Geschichte. Das Ekstatische der Revolte der hundert Tage - in diesen Diskurs-Fieberkurven hat es Gestalt angenommen.
Die Notate entstanden einen guten Monat, nachdem das erschütterndste Foto des Studentenprotestes gemacht wurde. Die junge Friederike Dollinger beugt sich über Benno Ohnesorg, der in seiner Blutlache liegt.
"Der 2. Juni gab mir eine Power, die mich als Revolutionär ein Jahr vorangetrieben hat", sagt heute der Filmemacher Thomas Giefer, der die Prügeleien an jenem Tag gefilmt hatte. Was Anfang des Jahres als Aufführung einer kleinen Gruppe von Polit-Clowns begonnen hatte, war angeschwollen zu einem breiten Proteststurm in der Inselstadt Berlin.
Rudi Dutschke sah tatsächlich die Möglichkeit für den Umsturz und die Einführung einer Räterepublik. "In der Kneipe Machtergreifungsplan ausgepackt, riesige Überraschung", notierte er. Das war die Blase in Berlin, das die Halluzination, und sie war nicht nur die Dutschkes.
Wie konnte es dazu kommen in nur einem halben Jahr, wie konnte sich die Sprache des Protests, die mit Abzählversen im Weihnachtsrummel begann, derartig hochfahren und zuspitzen?
Schon die Zündeleien der Kommunarden im Zusammenhang mit dem Humphrey-Besuch verrieten eine deutliche Lust an explosiveren Aktionen, die allerdings im Spielbereich blieben und die durchaus begleitet waren von deutlich aggressiverer Rhetorik.
Am 5. Mai dann hielt der Germanistik-Student Peter Schneider seine Rede im Audimax der FU, die im Rhythmus und in ihrem repetitiven Stil an die Befreiungsgospel von Malcolm X erinnerte. Jede soziale Bewegung hat eine Rede, hat einen Refrain, und diese hier war die der deutschen Studentenrevolte.
"Wir haben Fehler gemacht, wir legen ein volles Geständnis ab: Wir sind nachgiebig gewesen, wir sind anpassungsfähig gewesen, wir sind nicht radikal gewesen." Und dann entwickelt Schneider die Theorie des Regelbruchs und beschließt seine Rede, die nun in atemloser Stille verfolgt worden war, mit der Aufforderung, das Argumentieren zu lassen und "uns hier, in den Hausflur auf den Fußboden zu setzen".
Mit dem nächsten Ereignis trat auch der Kampf der Wörter in eine neue Phase. Bei einem verheerenden Kaufhausbrand in Brüssel waren rund 300 Menschen umgekommen, und die "Bild"-Zeitung äußerte den infamen Verdacht, dass die Täter unter Kommunisten und Vietnam-Kriegsgegnern zu suchen seien.
Die Kommunarden reagierten sofort. Langhans textete ein Flugblatt, in dem von "neuen Demonstrationsformen" die Rede war, und er erfand einen Gewährsmann einer angeblichen prochinesischen Gruppe, der den Brand als "Happening" bezeichnete. Ein weiteres Kommune-Flugblatt trieb die Sache auf die Spitze. "Wann brennen die Berliner Kaufhäuser?"
So kam es zu dem denkwürdigen Prozess wegen Aufforderung zur menschengefährdenden Brandstiftung, dem ersten Prozess, in dem es tatsächlich um die Gewalt von Worten ging, um Terrorlinguistik und die Kunstfreiheit. Zum ersten Mal zeigte sich die liberale Intelligenz Deutschlands in all ihrer dialektischen Pracht, und zwar auf Seiten der Kommune.
Sie verteidigte ihr Recht auf Provokation. Sie tat es mit Hinweis auf die Kunstfreiheit,
so selbstverständlich, wie heute um das Recht gekämpft wird, den abgeschlagenen Kopf Mohammeds auf der Bühne zu präsentieren. Die Sprache des Protests wurde als Bühnensprache erkannt und verteidigt.
Verteidiger Horst Mahler konnte als Gutachter die philologische Prominenz des Tages versammeln, Eberhard, Jens, Szondi, Taubes, Kluge, Wapnewski, Lämmert und andere. Teufel fühlte sich wieder an die Seminarräume erinnert, und er sagte mit Blick auf die Professoren: "Nirgends ist man vor denen sicher."
Eindrucksvoll wies Peter Szondi, der bedeutendste Literaturwissenschaftler jener Tage, nach, wie die Anklage den fiktionalen Charakter der Autoren verkannte und sich in widersprüchlichen Lesarten der verschiedenen Flugblätter verheddert hatte. Die Grundlage der Anklage, so Szondi: ein Missverständnis.
Am einleuchtendsten und hilfreichsten argumentierte schließlich der Religionsphilosoph Jacob Taubes, der die Flugblätter als das vorstellte, was sie waren, nämlich als surrealistische Provokationen. "Die Vernichtung der bürgerlichen Welt ist als Programm sowohl des Surrealismus als auch der Kommune 1 etwas Absolutes, das außerhalb von Geschichte und Politik liegt, also eine poetische Aktion."
Poesie also, nicht politische Handlungsanweisung. Und so ist auch die schwärmerische Gewaltrhetorik Dutschkes zu sehen. Er hortete nicht Gewehre, sondern Wörter, dieses Gemisch aus Marcuse und Befreiungslitaneien, von Ché Guevara und Frantz Fanon, die Geheimsprache der virtuellen Revolutionswelt.
"Die unförmige, mit Büchern und Broschüren stets überfüllte Aktentasche Dutschkes", so Gerd Koenen in seinem faszinierenden Buch "Das rote Jahrzehnt", "die zu seinen Führer-Insignien zählte, gehörte zum Stil und Ausweis der Bewegung überhaupt."
Unter allen war Dutschke derjenige, der der antiautoritären Rhetorik Flügel verlieh. Er war der Mystiker der Revolte, der nach Erlösung drängte.
Rudi Dutschke, aktiv in der evangelischen Jugend in der DDR, war couragierter Christ. Den Wehrdienst hatte er verweigert. Kurz vor dem Mauerbau war er in den Westen gewechselt, hatte Sportreportagen für die "BZ" verfasst und war bald zu den Situationisten um Dieter Kunzelmann gestoßen. Er war prüde, auf merkwürdige Art keusch, völlig humorfrei. "Er war der argloseste Mensch, den ich je kennen gelernt habe", sagt Peter Schneider heute.
Wenn Dutschke redete, dann nicht unter zehn Minuten. Er trug fast ständig den selbstgestrickten Ringelpullover von Gretchen, die schwarzen, struppigen Haare fielen ihm über die Augen, er war stets angespannt bis zur letzten Faser.
Und dann kam es zu jenem Tag, der alles änderte in der Dynamik der antiautoritären Bewegung und Dutschkes Rhetorik eindeutig ins Endzeitliche münden ließ. Es war der Tag der Gewalt. Der Tag des ersten Todesopfers. Der Tag, an dem der Schah von Persien West-Berlin besuchte. Alles teilt sich nun in ein Vorher und in ein Nachher.
Ganze 1500 Demonstranten hatten sich gegen den Schah von Persien vor der Deutschen Oper versammelt. Erst ein Artikel Ulrike Meinhofs überhaupt hatte den von den USA gestützten Despoten auf den Radarschirm der Protestbewegung geholt - man war in der Hauptsache mit Vietnam beschäftigt.
Die Demonstranten trugen Papiertüten mit den Konterfeis von Schah und dessen Frau Farah Diba, sie riefen ihre Parolen, und Heinrich Albertz, der Regierende Bürgermeister von Berlin, zischte seinen Einsatzleiter an, dass er die Situation draußen "bereinigt" wünsche, und zwar "umgehend".
In beispielloser Brutalität gingen berittene Polizisten und mit Latten bewaffnete Jubel- und Prügelperser gegen die Studenten vor. Langhans und Teufel wurden bereits früh herausgegriffen und in den jeweiligen Polizei-Wannen vermöbelt.
Der Student Benno Ohnesorg, ein großer, hagerer Kerl, war mit anderen auf einen Parkhof getrieben worden. Die Studentin Erika Hörnig sah ihn beschwichtigende Gesten machen. Die Polizisten, so Ulrich Enzensberger in seinem Buch über die Kommune 1, prügelten dennoch weiter. "Dann kam ein Knall. Ohnesorg brach zusammen. Drei Polizisten schlugen weiter auf ihn ein."
Auf einem später vor Gericht verwerteten Tonband ist der Ruf zu hören: "Schnell weg! Kurras gleich nach hinten! Los!".
Der für die Politische Polizei tätige Zivilbeamte Karl-Heinz Kurras hatte mit einem Schuss aus seiner Dienstwaffe, einer Walther Kal.7,65 Ohnesorg aus etwa eineinhalb Meter Entfernung über dem rechten Ohr in den Hinterkopf geschossen.
Er saß nie einen einzigen Tag im Gefängnis. Im nachfolgenden Prozess wurde er freigesprochen, wenngleich nicht wenige in seiner Tat eine regelrechte Hinrichtung erkannten. Und die "Bild"-Zeitung schrieb, der getötete Student wurde "Opfer von Krawallen, die politisch Halbstarke inszenierten".
Nach der Trauerfeier für Ohnesorg zogen 15 000 Menschen bis zur Autobahn, wo ein Konvoi von 200 Wagen den Sarg übernahm und ihn nach Hannover brachte. Die Revolte hatte ihren ersten Märtyrer.
Nun wurde Dutschkes Protestsprache neutestamentarisch. Paulinisch nun der Text, den Dutschke nach dem Todesschuss auf Benno Ohnesorg im "Oberbaumblatt" veröffentlichte. "Es bleibt nicht mehr viel Zeit", heißt es da. "Ich weiß nicht, wie ich Euch nennen soll ... es sei denn, Ihr akzeptiert den Begriff und die Anrede des Revolutionärs." Er sah den "erfüllten Zeitpunkt" gekommen, den Ernst Bloch in seinem "Prinzip Hoffnung" entwickelt hatte, den "Kairos".
Der 2. Juni war der Wendepunkt. Nun verengte sich die Sprache des Protests. Nun stürzte jede Diskussion nur noch auf einen einzigen Fluchtpunkt zu, wenn sie ernst genommen werden wollte: den Ruf nach der Waffe. Auch Rudi Dutschke erlebte
seinen Bomben-Slapstick: Der Spitzel Urbach hatte ihm eine Bombe beschafft, mit der Dutschke nach Frankfurt flog, um einen Antennenmast des US-Soldaten-Senders AFN zu sprengen. Wenig später drückte er sie Urbach wieder in die Hand - er hatte einfach keine Verwendung dafür. Detoniert ist sie nie!
Auch auf der anderen Seite gab es die Sprache der Gewalt, der unverhohlenen Aggression, und auch die drückte irgendwann den Handelnden die Waffe in die Hand. Und die ging los. Rudi Dutschke wurde ein knappes Jahr nach Benno Ohnesorgs Tod von dem aufgehetzten Hilfsarbeiter Bachmann vor dem SDS-Büro auf dem Berliner Kurfürstendamm in den Kopf geschossen.
Erschütternd die Sätze, die Dutschke fünf Wochen nach dem Attentat hervorstieß, als er seine Sprachfähigkeit wiedergewonnen hatte. Er musste alle Wörter neu lernen. Und er suchte sie behutsam zusammen.
"Ich habe Fehler gemacht. Ich bin einfach noch zu jung, um Politiker zu werden. Ich bin 28 Jahre alt. Ich muss mich noch mal zurückziehen und an mir selbst arbeiten."
Für Langhans, der Dutschke liebte wegen seiner Reinheit, seiner Intensität, ist klar, dass Dutschke die Kugeln regelrecht angezogen hat. "Rudi musste in seinen Körper zurückgeschossen werden, er war ja fast nur noch ein Medium." Das ist ein tief schwarzer, doch auch ein genauer Satz.
Auffällig der Fehler, den der Rekonvaleszent Rudi Dutschke in das bekannte Marx-Zitat aus den Feuerbach-Thesen einbaute. "Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern." Und Dutschke sagte: "... sich zu verändern". Für Langhans war es, als schlösse sich Rudi damit zum ersten Mal dem Projekt der Kommune 1 an, das, für ihn, immer auf Selbstveränderung ausgerichtet war.
Dutschke fand zu sich. Er fand sogar zu Liebesaffären. Er fand durch den K-Gruppendschungel bis hin zur Gründung der Grünen Partei. Am 24. Dezember 1979 starb er an den Spätfolgen des Attentats.
Knapp vier Monate später kommt sein Sohn Rudi-Marek Dutschke zur Welt.
Der Sohn im Kampf für den Vater
Wiederum knapp 27 Jahre später öffnet der Sohn Marek Dutschke die Tür seiner WG-Wohnung in Berlin-Mitte, es sieht unsaniert aus, ein bisschen verwohnt, kommunemäßig. Der Sohn von Rudi Dutschke, heute in etwa so alt wie sein Vater zu seiner Blüte, wohnt hier mit einem schwulen Amerikaner aus Missouri und einer Frau, die - jawohl! - bei Springer arbeitet.
Draußen vor der Tür steht Langhans. Marek, das hatte Langhans gehört, soll aussehen, Marek soll reden wie Rudi. Nachdem Langhans ihn ein paar Tage zuvor angerufen hatte, um einen Termin zu vereinbaren, hat Langhans den Hörer aufgelegt und zu seinen Frauen gesagt: "Falls es euch interessiert, ich habe gerade mit Rudi telefoniert."
Marek ist die Brücken-Biografie. Sohn der großen Revolutionsikone einerseits. Andererseits aufgewachsen in den achtziger und neunziger Jahren, als der Name Dutschke kaum noch zählte und die 68er als ganz besonders uncool galten. Dennoch hat sich Marek auf die Seite der Engagierten geschlagen.
Jetzt hat er einen politischen Sieg erkämpft, der gleichzeitig ein privater ist: Ein Teil der Straße, in der die Springerzentrale liegt, soll nun in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt werden.
Bei der letzten Bundestagswahl scheiterte er noch am grünen Filz, am grünen Neid, an den grünen Gremien, die ihm einen sicheren Listenplatz verweigert hatten. Er trat als Direktkandidat im Arbeiterbezirk Lichtenberg an, wo er keine Chance hatte. Nicht wegen "Dutschke", sondern wegen "Marek" - die Leute dort, erzählt er, dachten, er sei Ausländer.
Als die Tür sich öffnet, stockt Langhans, guckt Dutschke an, dann schließt er ihn in die Arme, eine Sekunde, zwei Sekunden, er lässt gar nicht mehr los.
"Ich kenne dich ja gar nicht", sagt Langhans dann, wie so häufig verwundert über sich selbst. "Aber du hast sehr viel von Rudi. Rudi gehörte zu meiner Familie, also auch du."
Langhans redet oft von dieser Familie, jene Familie, die 1967 gegründet wurde, die bis heute die lebensbestimmende ist. Andreas Baader gehört ihr an, der 1967 in der Kommune ein und aus ging, ein netter Asozialer war, wie Langhans sich erinnert, der alles aufgesogen hat; oder Horst Mahler, das Mastermind der RAF-Gründung, der heute Rechtsextremist ist und gerade wegen Volksverhetzung im Gefängnis sitzt.
Marek Dutschke gehört da jetzt auch zu. Das könnte ihn freuen, denn Marek kann ein bisschen Unterstützung gebrauchen. Auch Marek ist in diesen neuen Historikerstreit verwickelt, allerdings will er damit keine Bücher verkaufen, sondern die Ehre seines Vaters retten.
Marek Dutschke ist, wie viele in der Szene, wütend auf das Hamburger Institut für
Sozialforschung, auf Wolfgang Kraushaar und Jan Philipp Reemtsma, auf jenes Institut, in dem er, wie er sagt, quasi aufgewachsen ist: Seine Mutter hat dort gearbeitet, fünf Jahre hat sie ihn täglich dorthin mitgenommen, er habe bei Kraushaar in den Mittagspausen auf dem Schoß gesessen, seine Mutter hat dem Institut Rudis Nachlass überantwortet - und nun das. Marek sieht in Kraushaars Essay "Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf" den unzulässigen Versuch, seinen Vater zu einem Prototerroristen zu machen, zum "Begründer der Stadtguerilla in Deutschland" (Kraushaar).
Marek will nun zusammen mit seiner Mutter Gretchen dem Institut den Dutschke-Nachlass wieder wegnehmen. Unterstützung in seinem Kampf um des Vaters Erbe bekam Marek Dutschke von Bernd Rabehl, damals Rudis engstem Weggefährten. Dutschkes tiefer Glauben hätte ihn von der Gewalt abgehalten, sagt Rabehl, außerdem sei er nicht, wie Kraushaar vermutet, 1968 auf dem Weg in den bewaffneten Kampf gewesen, sondern schlicht auf dem Weg in die USA. Rudi wollte mit Gretchen, einer Amerikanerin, die es in Deutschland nicht aushielt, in die USA ziehen
Marek Dutschke freut sich, dass Langhans da ist, auch wenn er eigentlich keinem dieser Achtundsechzigervögel noch traut. Sie setzen sich, es gibt Tee.
Natürlich sei es sein Vater und dessen Generation, sagt Marek, die ihn heute inspirieren, sich in die Politik einzumischen. Und ebenso natürlich sei es heute eben viel schwieriger. Die Achtundsechziger hatten ja drei Vorteile gegenüber der Jugend von heute: Sie waren der Elterngeneration zahlenmäßig überlegen, sie waren ihr - der verstrickten Generation - moralisch überlegen, und sie hatten das jederzeitige Versprechen auf einen Arbeitsplatz, trotz aller Polit-Pausen, die sie sich gönnten.
Wofür er sich engagiere? Natürlich für die Umwelt, für soziale Gerechtigkeit, für ein gerechteres Gesundheitssystem. Nicht gerade ein revolutionäres Programm. Langhans sagt: "Du fällst ja hinter deinen Vater zurück. Trotzdem toll, was du machst."
Hausmusik für Revolutionäre
Der Mann, der da zu diesem Hauskonzert von Irene Dische zu spät kommt und der Gastgeberin ein paar gelbe Gerbera in die Hand drückt, ist unschwer wiederzuerkennen. Der dichte Sturz der Haare ist weiß, er ist womöglich ein bisschen fülliger, aber sonst ist er derselbe. Gaston Salvatore, einer der engsten Weggefährten von Rudi Dutschke.
Fast 40 Jahre zuvor, am 27. November 1967, war dieses Foto entstanden, auf dem Salvatore, untergehakt bei Rudi Dutschke, vor dem Moabiter Gericht eine Polizeisperre durchbricht. Rund 600 Studenten standen 750 Polizisten, einer Reiterstaffel und sechs Wasserwerfern gegenüber. An diesem Tag begann der Prozess gegen Fritz Teufel, der seit dem 2. Juni wegen Landfriedensbruch einsaß.
"Wir wurden bis auf die Knochen nass", erinnert sich Salvatore, "und es ist sehr zweifelhaft, ob solche Aktionen Sinn hatten." Völlig absurd. "Der schöne Mantel hinüber". Gaston Salvatore war zweifelsfrei der eleganteste Revolutionär West-Berlins. Aber es war nötig, es war wichtig, denn man demonstrierte in erster Linie seine eigene Unerschrockenheit. Es war eine Mutprobe. Dieser warme, beschwingte Abend findet statt in einer dieser großbürgerlichen Altbauwohnungen, die es so nur in Berlin gibt, sechs Zimmer, endloser Flur, knarrende Dielen, das berühmte Durchgangszimmer, der prototypische Grundriss aller Wohngemeinschaften in den späten sechziger Jahren.
Bücherregale bis zur Decke, durchgesessene Sessel, zusammengeschobene Tische
mit Salaten, Käse, Wein. Am Flügel ein junger Pianist mit Fitness-Studio-Bizeps, der die Sängerin mit den zartesten und virtuosesten Läufen begleitet. Sie singt ein Gedicht von W. S. Merwin. Es ist eine Ode an die Insekten. "Wir sind hier erst so kurz ..." Merwin, der Friedensaktivist, Buddhist, Ökologe. Sein Gedicht verneigt sich vor der Schöpfung, der Natur, der Evolution.
Es verstärkt an diesem Abend ganz erheblich den wehmütigen Eindruck von der Vergänglichkeit und der Vergeblichkeit aller Erregungen, aller Revolten und Revolutionen. Doch es kann keinen Zweifel geben, dass die meisten an diesem Abend auf die eine oder andere Art berührt und inspiriert worden waren von der Aufbruchsenergie, die in jenen hundert Tagen der Kommune produziert wurde.
Einer, der sie begleitet hat, ohne sich je ganz auf sie einzulassen, steht heute Abend im Mittelpunkt. Um Mitternacht haut der zarte Muskelprotz am Flügel noch einmal in die Tasten und alle singen "Happy Birthday", denn Hans Magnus Enzensberger feiert seinen 77. Geburtstag.
Hans Magnus Enzensberger, der "teilnehmende Beobachter", wie er sich selbst nennt. Er hatte seinem jüngeren Bruder und dessen Mitkommunarden Uwe Johnsons Wohnung in Friedenau vermittelt und seine eigene überlassen, er gab Rainer Langhans und Uschi Obermaier Unterkunft, als diese vor prügelnden Rockern geflüchtet waren, und als die Kommune 1 sich schließlich auflöste, deponierte man zwei riesige Müllsäcke mit Aktenordnern bei ihm - die Auswertung der Presse.
"Die Kommunarden waren natürlich viel amüsanter als der SDS mit seinen scholastischen Übungen." Doch die "Machtprobe" in den Metropolen, das wusste er früh, konnte nur verloren werden, und zu den "Mutproben", zu denen ihn Ulrike Meinhof aufforderte, hatte er keine Lust - "die kannte ich bereits von den HJ-Horden in den dreißiger Jahren".
Auch Hans Magnus Enzensberger hatte seine starken Auftritte. Er brach eine Gastprofessur in Connecticut ab, bezeichnete die Regierung und die herrschende Klasse in den USA als "gemeingefährlich" und begab sich nach Havanna, um bei der Zuckerrohrernte zu helfen - und auf die komplette westliche Revolutionsintelligenz zu treffen. "Überflüssige Leute", heißt es in einem seiner Gedichte.
Er kam komplett ernüchtert zurück. Mit seinem "Kursbuch" gab er der sich bald in Sekten und Gruppen zersplitternden und radikalisierenden Bewegung die Debattenthemen vor und einen neutralen Debattengrund. Mehr nicht. Doch er blieb die Anlaufstation.
Wie selbstverständlich tauchten Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Andreas Baader an jenem Nachmittag 1970 bei ihm auf, als Baader, bei einem Freigang in eine Institutsbibliothek, die Flucht gelungen war. "Sie hatten überhaupt nichts vorbereitet, keinen Plan, gar nichts, außer, dass sie jetzt untertauchen mussten."
So läppisch, so hingerutscht war der Schritt in die Illegalität, so verrutscht die großmäulige Gründung der "Rote Armee Fraktion", die den "Kampf gegen das System" von nun an mit Banküberfällen, Geiselnahmen, Morden führen sollte. "Im Grunde ist die RAF aus einem Versehen entstanden." Zu dem Zeitpunkt hatte sich die Kommune 1 bereits aufgelöst. Langhans war mit seinem Versuch, einen Popkonzern aufzubauen, gescheitert, Teufel und Kunzelmann in ihre jeweiligen "Tupamaro"-Fraktionen verschwunden.
Doch, darauf besteht Enzensberger, die Kommunarden waren Aktionskünstler, keine Killer. Es waren die 67er, die Polit-Popstars, denen er stets zuneigte. "Natürlich mussten sie übertreiben, um gehört zu werden." Die Kommunarden waren Erben der Situationisten, sie realisierten die "Société du spectacle", sie beherrschten die Kunst der Provokation. "Diese sieben Hanseln haben die Verkehrsformen in dieser Gesellschaft verändert."
Die Angstfreiheit, die sie vorlebten, hat das Verhältnis von Professoren zu Studenten, von Lehrern zu Schülern, von Beamten zu Bürgern verändert, und das der Geschlechter untereinander.
Diese Wohnung mit ihren Mobiles und Ölbildern und bizarren katholischen Schreinen, diese Ansammlung von Emigranten und jungen Künstlern, die ganze kosmopolitische Boheme dieses Abends wäre nicht möglich ohne 1967. Damals verloren viele ihre Wohlstandserstarrung und öffneten die Fenster zur Welt.
Das Foto von Gaston Salvatore und Rudi Dutschke hätte auch bei der letzten Attac-Demonstration entstehen können, und - wer weiß? - auch beim kommenden Gipfel der G 8 in Heiligendamm. Es gehörte Mut dazu, sich verprügeln zu lassen. Mut und eine Menge Wut. Und die absolute Gewissheit, für die gute Sache zu kämpfen und dass sie gewinnen würden. Und zwar jetzt.
Über dieser Gesellschaft im warmen Licht der Stehlampen und Kerzen liegt ein Lächeln. Es ist das rückblickend verstehende Lächeln. Es ist wohl am besten ausgedrückt in einem Vers, den einer der Gäste, Alexander Kluge, in sein Buch "Chronik der Gefühle" gepackt hat. Er lautet: "Wer immer hofft, stirbt singend!"
Düster wären Zeiten, die das Hoffen verlernt haben.
* Mit dem späteren Terroristen Andreas Baader (2. v. l.) und Verfassungsschutzspitzel Peter Urbach (2. v. r.).
* Thorwald Proll, Horst Söhnlein, Andreas Baader, Gudrun Ensslin.
* Während einer Kundgebung für Fritz Teufel in West-Berlin.
Von Matthias Matussek und Philipp Oehmke

DER SPIEGEL 5/2007
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