05.02.2007

KUNST

Altersloses Genie

Die wichtigsten Museen und Sammler aus aller Welt reißen sich um seine Werke, warten geradezu süchtig auf neue. Für diesen Freitag ist eine Flut von Glückwünschen zu erwarten. Dann feiert Gerhard Richter, Deutschlands gefragtester Gegenwartsmaler, seinen 75. Geburtstag. Doch der flüchtet vor den Gratulationen. Sein weitläufiges Atelier in Köln bleibt dann verwaist. Ein geplantes Fest hat er, der sich als scheuen Menschen bezeichnet, abgesagt. Richter ließ schon immer lieber die Kunst sprechen und schaffte es, mit jedem Werk - ob abstrakt oder gegenständlich und nach Fotovorlagen geschaffen - zu irritieren. Es sind stets auratische, alterslose Bilder, auch dann, wenn er politische Themen aufgegriffen hat wie beim 1988 gemalten legendären Zyklus zur RAF, der vom New Yorker Museum of Modern Art angekauft wurde. Genauso häufig behielt er die Brisanz seiner Bilder für sich, wie bei dem Gemälde "Tante Marianne", bei dem erst Jahrzehnte nach der Entstehung herauskam,

dass diese Richter-Angehörige von Euthanasie-Ärzten der Nazis umgebracht worden war. Richter hat immerhin zugestimmt, dass in seiner Geburtsstadt Dresden ein Archiv zu seinem Werk und seinem Leben eingerichtet wird. Ganz klug wird man wohl nie aus ihm werden - wie es sich für Genies gehört.


DER SPIEGEL 6/2007
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