17.02.2007

PARASITENSelbstmord auf Befehl

Wenn sich der Wurm Pomphorhynchus laevis fortpflanzen will, treibt er seinen Wirt in den Tod. Wie Forscher um Sebastian Baldauf von der Universität Bonn jetzt im "International Journal for Parasitology" berichten, hat der Parasit einen faszinierenden Weg gefunden, den Bachflohkrebs zu manipulieren. Sein Larvenstadium verbringt der Wurm in der Leibeshöhle des Flohkrebses. Die Geschlechtsreife indes kann er erst im Darm von Fischen wie etwa Flussbarschen erreichen. Vom Krebs in den Fisch kommt der Schmarotzer mit einem perfiden Trick: Er programmiert den Krebs gleichsam um, so dass dieser sich selbst den Fischen zum Fraß vorwirft. "Infizierte Bachflohkrebse gehen Fischen nicht mehr aus dem Weg, sondern schwimmen ihnen sogar entgegen", sagt Baldauf. Der Forscher untersuchte die Wirkung des Parasiten auf den Geruchs- und den Sehsinn des Krebses. Während sich infizierte Flohkrebse vom bloßen Anblick von Flussbarschen nicht beeindrucken ließen, zog sie der Geruch der Fische magisch an. "Der Parasit dreht das Verhalten um", sagt Baldauf. "Der Flohkrebs flieht, allerdings in die falsche Richtung." Vermutlich verändere der Parasit die Ausschüttung des Botenstoffs Serotonin, erklärt der Forscher. Einmal im Fisch, wird der Wurm geschlechtsreif. Seine Eier gelangen mit dem Fischkot ins Wasser und werden wiederum von Krebsen gefressen: Der Kreis schließt sich.

DER SPIEGEL 8/2007
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PARASITEN:
Selbstmord auf Befehl