17.02.2007

SCHAUSPIELER„Ich folge nur meinem Instinkt“

Die britische Oscar-Preisträgerin Judi Dench ("Shakespeare in Love"), 72, über ihre späte Karriere als Bond-Girl und ihren neuen Film „Tagebuch eines Skandals“
SPIEGEL: Mrs Dench, wie geht es Ihrem Knie?
Dench: Danke, ganz okay, aber es schmerzt schon seit Jahren. Jetzt habe ich kurzfristig einen OP-Termin bekommen, drei Tage vor der Oscar-Verleihung. Deshalb kann ich leider nicht nach Los Angeles fliegen, obwohl ich für meine Rolle in "Tagebuch eines Skandals" nominiert bin.
SPIEGEL: Sie spielen darin eine Lehrerin, die eine junge Kollegin, dargestellt von Cate Blanchett, erpresst, weil diese eine Affäre mit einem Schüler hat. Mögen Sie die Person, die Sie verkörpern?
Dench: Nein, das hielte ich für sehr gefährlich. Ich wollte noch nie eine Figur, die ich zu spielen hatte, mögen oder nicht mögen.
SPIEGEL: Sondern?
Dench: Jeder Mensch hat gute und schlechte Eigenschaften. Die Frage ist, was an die Oberfläche kommt. Mein Job besteht darin, die Person möglichst glaubwürdig darzustellen. Wir machen das Ganze ja nicht für uns, sondern für das Publikum. Wir wollen das Publikum zum Lachen oder zum Weinen bringen.
SPIEGEL: Wie wählen Sie Ihre Rollen aus? Wir vermuten mal, dass Sie viele Drehbücher und Theaterstücke zugeschickt bekommen.
Dench: Das stimmt, aber ich lese sie nicht. Als ich einmal in Shakespeares "Antonius und Cleopatra" die ägyptische Königin spielte, war ich sehr überrascht, dass ich am Ende des Stücks sterben musste.
SPIEGEL: Wer entscheidet dann, welche Rollen Sie spielen? Ihr Agent?
Dench: Früher hat mein Mann die Drehbücher gelesen. Seit er gestorben ist, übernimmt das manchmal meine Tochter. Aber letztlich folge ich nur meinem Instinkt. Wenn ein Regisseur sagt, er habe eine tolle Rolle für mich, glaube ich ihm meistens. Mein Kollege Michael Caine fragt immer nur: Wo wird der Film gedreht? Das interessiert mich mittlerweile auch.
SPIEGEL: Sie haben die Rolle von James Bonds Chefin "M" also nur wegen der exotischen Drehorte angenommen?
Dench: Nein, weil mein Mann es verlockend fand, nun mit einem Bond-Girl zusammenzuleben! "M" ist eine wundervolle Rolle, wissen Sie: Man regiert die Welt. Außerdem habe ich seitdem viele neue Fans: kleine Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren.
SPIEGEL: Mögen Sie sich auf der Leinwand?
Dench: Ich finde es eher unangenehm, mich selbst beobachten zu müssen. Und man lernt auch nichts dabei. Ich versuche eher, mir bei Kollegen etwas abzugucken.

DER SPIEGEL 8/2007
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