17.02.2007

STARS„Neugieriger Junge“

Hollywood-Star Richard Gere, 57, über sein Charity-Engagement und seinen neuen Film „Spring Break in Bosnia“
SPIEGEL: Mr Gere, Sie kämpfen gegen viele Dramen der Welt - engagieren sich nicht nur für Tibet, sondern auch für die Aids-Aufklärung indischer Prostituierter oder das Wahlrecht der Palästinenser. Was treibt Sie?
Gere: Ich war immer ein neugieriger Junge und habe außerdem ein Verantwortungsgefühl der Welt gegenüber. Jeder Einzelne kann doch enorm viel erreichen. Und zwei gemeinsam noch viel mehr. Wer das hier liest, könnte sich auch motiviert fühlen. Alles ist möglich.
SPIEGEL: Sie leben zwei Leben: das des Stars und das des engagierten Aktivisten. Wo überschneiden die sich?
Gere: Nirgends. Ich betrachte meine Filmkarriere als meinen Bürojob, wenn Sie so wollen. Die Vorstellung, ich könnte meine Filmrollen mit dem Hintergedanken auswählen, aus dem Kinopublikum bessere Menschen zu machen, ist aber abwegig. Das klingt vielleicht gut, aber die Realität funktioniert so nicht.
SPIEGEL: Wie oft besuchen Sie den Dalai Lama in Indien?
Gere: Zwei- bis dreimal im Jahr. Aber das ist dann kein Urlaub, sondern intensive Arbeit. Und ich vermisse die Zeiten, in denen ich nur als sein Schüler unterwegs war. Heute sind meine Tage in Dharamsala so voll wie ein Drehtag in Hollywood, an dem ich morgens noch meine Kinder zur Schule bringe. Zuletzt haben wir 15 000 indische Prostituierte eingeladen. Wir schulten sie, um ihnen die Gefahren von Aids aufzuzeigen und die Notwendigkeit von Kondomen klarzumachen. Am Ende der Veranstaltung riefen wir im Chor: Keine Kondome - kein Sex. Das aus 15 000 Kehlen zu hören war kraftvoll.
SPIEGEL: Neben Ihrer Charity-Arbeit haben Sie auch einen neuen Film gedreht. In "Spring Break in Bosnia" spielen Sie einen Reporter, der sich auf die Jagd nach dem Kriegsverbrecher Radovan Karadzic macht. Was reizte Sie daran?
Gere: Vor allem das tolle Drehbuch, das dem komplexen Thema gerecht wird. Ich glaube, dass manche Leute, die auf dem Balkan leben, bis heute nicht die Zusammenhänge dieses Krieges verstanden haben. Und dass Menschen wie Karadzic immer noch nicht gefasst sind, obwohl so viele wissen müssten, wo er sich aufhält, ist doch unglaublich. Dabei bin ich kein Anhänger drastischer Bestrafungsphantasien. Ich trete immer für Vergebung ein.
SPIEGEL: Sie haben versucht, einen Termin bei der Bundeskanzlerin Angela Merkel zu bekommen. Hat es geklappt?
Gere: Leider nein. Ich hätte mit ihr gern über das Verhältnis zu China gesprochen und die Chancen, die sich Deutschland mit der Übernahme der EU-Präsidentschaft bieten.

DER SPIEGEL 8/2007
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