DER SPIEGEL



TALKSHOWS

Immer dieselbe Kundschaft

Alt-Talker Erich Böhme, 77, über seinen Einsatz als Mutterschaftsvertretung für Sandra Maischberger und die aktuelle Qualität der Plauderrunden

SPIEGEL: Am Dienstag dieser Woche erwartet uns Böhme als Maischberger. Welches Thema betreuen Sie als Moderationsvertretung?

Böhme: Jugendgewalt.

SPIEGEL: Wie oft haben Sie darüber früher schon bei "Talk im Turm" geplaudert?

Böhme: Ich weiß es nicht. Ist lange her. Aber ich gebe zu: Das Sujet kommt mir nicht ganz unbekannt vor.

SPIEGEL: Nach 13 Jahren als TV-Moderator sitzen Sie seit 4 Jahren im Zuschauersessel. Schauen Sie noch Talkshows?

Böhme: Talk im Fernsehen ist langweilig geworden. Als wir das früher machten, waren die Plauderrunden neu und modern. Inzwischen geht dort immer dieselbe Kundschaft ein und aus. Man hat sich an die Gesichter gewöhnt. Es müsste jemand mal etwas Neues erfinden.

SPIEGEL: Am Dienstag haben Sie die Chance, noch mal zu zeigen, wie es gehen könnte. Was ist Ihr Rezept?

Böhme: Ich hab kein Rezept mehr. Sandra Maischberger soll ihr Kind kriegen - und bis dahin helfen eben ein paar alte Esel aus. Ich bin quasi Geburtshelfer. Aber eine Sensation wird das nicht.

SPIEGEL: Als Maischberger an Ihrer Seite bei "Talk im Turm" startete, hätten Sie schon einmal Geburtshelfer spielen können. Stattdessen runzelten Sie bei den Fragen Ihrer einstigen Co-Moderatorin bisweilen die Stirn. Haben Sie Maischberger damals für eine Fehlbesetzung gehalten?

Böhme: Ich fand sie einfach nicht so gut zu jener Zeit. Mittlerweile hat sich das geändert.

SPIEGEL: Neben ihr haben sich Anne Will, Maybrit Illner und Sabine Christiansen als Top-Moderatorinnen im hiesigen Fernsehen durchgesetzt. Hat Sie der Erfolg dieser Frauen überrascht?

Böhme: Christiansen trat zu Beginn gegen "Talk im Turm" an. Aber ich habe das nicht als Konkurrenz empfunden. Frauen zu besetzen war damals eine Art Lust am Neuen. Auch das verbraucht sich. Man sieht das am Fall Christiansen. Talkfrauen sind nichts Neues mehr. Nur Sandra ist immer frisch und neu.


DER SPIEGEL 9/2007
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