26.02.2007

GESTORBENMaurice Papon

Maurice Papon , 96. Er war der Inbegriff des französischen Staatsdieners, hochkultiviert, brillant und bei Bedarf ohne jeden Skrupel. Als Funktionär des Vichy-Regimes organisierte er seit 1942 die Verhaftung aller Juden im Raum Bordeaux, ließ Sanatorien und Altersheime durchkämmen und sorgte für den Abtransport ins Lager von Drancy. Von dort fuhren die Züge nach Auschwitz. Als Widerstandskämpfer der letzten Viertelstunde wurde Papon von de Gaulle im Amt belassen. Am 17. Oktober 1961 ließ Papon, mittlerweile Polizeipräfekt von Paris, den "Friedensmarsch" von Algeriern für die Unabhängigkeit brutal niederschlagen. Noch Tage später wurden Leichen aus der Seine gezogen. Papon war Minister unter Raymond Barre, als 1981 Dokumente über seine Beteiligung an den Judendeportationen erschienen. Nach jahrelangen Verzögerungen, auch durch François Mitterrand, kam es zum Prozess. Papon wurde 1998 wegen der Verhaftung von 1560 Juden, darunter Kinder und Alte, zu zehn Jahren Haft und Verlust aller Bürgerrechte verurteilt. Drei Jahre der Strafe verbüßte er. Maurice Papon starb am 17. Februar in Pontault-Combault bei Paris.

DER SPIEGEL 9/2007
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