12.03.2007

REGISSEUREIslamische Töne am Heiligen Gral?

Auf dem Grünen Hügel dürften im Sommer 2008 mal wieder die Fetzen fliegen. Dann nämlich wird der norwegische Regiestar Stefan Herheim, 36, in Bayreuth den neuen "Parsifal" inszenieren und dabei die Wagner-Gemeinde vermutlich noch gründlicher schocken als sein Kollege Christoph Schlingensief, dessen umstrittene Sicht des Bühnenweihfestspiels im kommenden August endgültig ausgemustert wird. Vom europäischen Opern-Establishment wird der brillante Regietheatraliker Herheim schon länger als Störenfried verteufelt. Bei seiner Salzburger Festspiel-"Entführung", wo er den altersgeilen Haremswächter Osmin als Priester auftreten ließ, warfen entrüstete Zuschauer ihre Programmhefte auf die Bühne und erzwangen eine mehr als 20-minütige Unterbrechung. Seinen Essener "Don Giovanni" ließ Herheim jüngst in einer Kirche namens San Giovanni spielen und verlegte die Quickies des Titelhelden in den Beichtstuhl. Seine Inszenierungen, wehrt sich Herheim gegen den Vorwurf blasphemischer Verketzerung, holten "nicht nur Verdrängtes oder Pervertiertes an die Oberfläche", sondern seien auch "eine Liebeserklärung" an klerikale Rituale. Für sein Bayreuther Debüt deutet Herheim nun eine hochexplosive Spielart der Gralsgeschichte an: Die Frage nach einer szenischen Auseinandersetzung mit dem Islam halte er jetzt, da er gerade am "Parsifal" arbeite, für "relevant", betonte Herheim, der "bisher nur oberflächlichen Kontakt zum Islam" gehabt habe. Jedenfalls habe er "ebenso wenig Angst vor einer Auseinandersetzung" mit dieser Religion, "wie es offenherzige Muslime haben".

DER SPIEGEL 11/2007
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