DER SPIEGEL



PARALYMPICS

Der zweite Einsatz

Von Großekathöfer, Maik

Bei den Behindertenspielen in Peking 2008 wird jeder zehnte, vielleicht sogar jeder sechste Athlet im amerikanischen Team ein Veteran aus dem Irak-Krieg sein. Sie wollen weiterkämpfen für das Vaterland, diesmal um Medaillen.

Im Mai 2005 wird First Lieutenant Melissa Stockwell aus der U. S. Army entlassen, sie erhält für ihre "lobenswerte Leistung im Kampfeinsatz" einen Orden, den Bronze Star. Zwei Jahre und zwei Monate danach befindet sie sich immer noch im Krieg, nur das Schlachtfeld ist jetzt ein anderes. Es ist 50 Meter lang, 21 Meter breit und 1,90 Meter tief. Ein Schwimmbecken.

Montagmorgen, kurz nach sieben, in der Schwimmhalle der University of Minnesota riecht es nach Chlor und Schweiß. Seit einer Stunde trainiert Melissa Stockwell Freistil und Schmetterling. Sie schwimmt auf Bahn sechs, schlägt nur mit den Armen, gleichmäßig wie ein Metronom, zwischen ihren Oberschenkeln klemmt eine kleine Rolle aus Styropor. Auf ihrer Badekappe trägt sie die amerikanische Flagge.

Dann ist Trainingspause, Melissa Stockwell steigt aus dem Becken und trocknet ihr linkes Bein ab. Oder besser gesagt das, was davon noch übrig ist: ein 15 Zentimeter langes, blasses Stück Fleisch.

Melissa, klein und kräftig, schulterlange braune Haare, ist 27, ihr Bein hat sie am 13. April 2004 verloren. Leutnant Melissa Stockwell, 27. Hauptunterstützungs-Bataillon, angeschlossen der 1. Kavallerie-Division, war an jenem Dienstag mit einem Konvoi unterwegs, von Tadschi in die Grüne Zone nach Bagdad. Sie saß im dritten Wagen der Kette, der Humvee rollte auf eine Mine, überschlug sich, Melissa fiel in Ohnmacht und träumte von lila Blumen.

In 32 Tagen operierten die Chirurgen 15-mal, dabei schnitten sie immer ein Stück mehr ab vom Bein. Melissa nennt den Rest ihres Beins nicht Stumpf, sie findet das Wort schrecklich, sie sagt "little leg".

Melissa schwimmt jetzt Intervalle, zwölfmal 25 Meter, ihr rechter Fuß steckt in einer Schwimmflosse. Im April 2008 findet hier, in dieser Halle, die Qualifikation für die Paralympics in Peking statt, und Melissa Stockwell will in China über 50 und 100 Meter Kraul starten. "Ich bin Patriotin", sagt sie. "Ich will mein Land repräsentieren."

Seit Beginn des Krieges am 20. März 2003 haben 594 amerikanische Soldaten im Irak einen Fuß verloren, ein Bein, einen Arm oder beide Beine. Melissa ist die Nummer 128. Sobald die Verwundeten im Krankenhaus aus der Narkose erwacht waren, trieb man sie an, aufzustehen und sich zu bewegen. Erst waren es die Mediziner, die "physical terrorists", wie Melissa sagt, später war es eine dieser Gruppen, die Sportveranstaltungen für Behinderte organisieren: Wounded Warrior Project, Achilles Track Club, Disabled Sports USA.

Melissa ist in Colorado Mono-Ski gefahren, sie hat den Marathon in New York auf einem Handfahrrad bewältigt, in 2:10 Stunden. "Wenn der Preis für Demokratie im Irak mein Bein ist, dann zahle ich gern", sagt sie. "Ich will kein Mitleid, ich bin kein Krüppel. Ich bin ein ganzer Mensch." Sie fühlt sich nicht untauglich. Sie ist einsatzbereit. Melissa ist für ihr Land in den Krieg gezogen, jetzt zieht sie für ihr Land in die Sportarena. Sie will weiterkämpfen, dieses Mal um Medaillen.

In Vietnam starb einer von vier verwundeten US-Soldaten, im Irak ist die Quote wegen der besseren, schnelleren medizinischen Versorgung geringer: einer von zehn. Der Behindertensport in Amerika hatte noch nie so einen Zuwachs wie heute.

Die Soldaten sind jung, zäh und diszipliniert, ihre Ausbilder haben sie gedrillt, unerbittlich zu sein mit sich selbst. Das macht sie zu idealen Athleten, und deshalb wird bei den Paralympics mindestens jeder zehnte, vielleicht sogar jeder sechste Amerikaner ein Irak-Veteran sein.

Kortney Clemons ist der erste US-Soldat aus dem Irak-Krieg, der jemals bei einem paralympischen Wettbewerb angetreten ist. Auf der Liste der amputierten Soldaten wird er als Nummer 271 geführt, ihn erwischte es am frühen Nachmittag des 21. Februar 2005, einem Montag.

Kortney Clemons, "91W combat medic", Kämpfender Sanitäter bei der 1. Kavallerie-Division, 2. Brigade, hatte seit Sonnenaufgang mit seiner Einheit im Süden Bagdads Häuserblocks nach Verdächtigen durchkämmt. Seit zehn Monaten war er im Irak, eigentlich hätte er schon seit einer Woche wieder in der Heimat sein sollen, dann stoppte das Pentagon den Abzug.

Auf dem Weg zurück ins Camp entdeckten sie einen Humvee, der auf dem Dach lag, der Fahrer hing halb aus dem Wagen, sein Kopf blutete. Kortney rief per Funk einen Rettungshubschrauber, dann leistete er Erste Hilfe. Der Fahrer hatte eine Platzwunde, ein gebrochenes Bein und wahrscheinlich innere Blutungen. Mit drei Kameraden hob Kortney den Verwundeten auf eine Trage, sie schleppten ihn fort vom Humvee.

In seiner Ausbildung hat Kortney gelernt, einen liegenden Patienten mit den Füßen voran zu transportieren, der Sanitäter läuft immer rechts hinten, am Kopf des Opfers. Aber dieses Mal musste alles schnell gehen, sehr schnell, der Hubschrauber näherte sich bereits, darum lief er ausnahmsweise hinten links.

Sein Glück.

Die Improvised Explosive Device, der selbstgebastelte Sprengsatz, lag versteckt am rechten Straßenrand. Die Männer, die ihn mit einem Handy zündeten, müssen sich ganz in der Nähe aufgehalten haben.

Die zwei Soldaten, die rechts getragen hatten, waren sofort tot, auch der geborgene Fahrer hatte keine Chance, der Soldat vorn links starb später im "Black Hawk". Kortney war übersät mit Splittern aus der Bombe, er hatte Schmerzen überall, Finger, Ohren, selbst an den Zähnen. Noch am selben Tag kam er ins Landstuhl Regional Medical Center, es ist das größte Lazarett der Armee außerhalb der Vereinigten Staaten. "You are safe now", sagte der Arzt in der Notaufnahme, "you are in Germany."

Als Kortney am nächsten Morgen aufwachte, saß er im Bett, dicke Kissen im Rücken, er war allein im Zimmer. Dann sah er, dass sich unter der dünnen Decke nur ein Fuß abzeichnete. Er schlug die Hände vors Gesicht, weinte.

Zwei Tage später wurde er nach Amerika verlegt, ins Brooke Army Medical Center, Fort Sam Houston. Die Ärzte transplantierten einen Lappen Haut vom linken Oberschenkel und zogen ihn zu einer stabilen, festen Dichtung über den Stumpf des rechten Beins.

Kortney schlief schlecht, hatte Alpträume, er wachte nachts auf, schweißgebadet. Seine Freundin verließ ihn und nahm die zehnjährige Tochter gleich mit. "Am liebsten hätte ich mich umgebracht", sagt Kortney. Die Diagnose lautete Posttraumatische Belastungsstörung.

Der Sport hat ihn gerettet. Auf dem College war Kortney ein begabter Footballer, wendig und schnell. Bei einem Reha-Kurs des Paralympics Military Program in Fort Carson, Colorado, lernte er einen Veteranen kennen, der 1991 bei der "Operation Desert Storm" gekämpft hatte, dessen Bein musste nach einer Sportverletzung amputiert werden, bei den Paralympics 2000 in

Sydney gewann er Silber im Weitsprung. "Er hat mir klargemacht, dass ich nicht aufhören muss zu atmen, weil mir ein Bein fehlt", sagt Kortney. "Sport gibt mir die Chance, das Leben anzunehmen und mich mit anderen zu messen."

Clemons trainierte wie besessen. Anfangs schrumpfte der Stumpf, er verlor den Halt, das schwitzende Fleisch rutschte in der Prothese. Mit jedem Schritt schlug die empfindliche Spitze gegen die Schale, jeder Schritt eine Qual, jeder Schritt trotzdem pure Freude: "Ich fühlte mich wie der König der Welt."

Ein Jahr blieb er in der Klinik, bis März 2006, und nur vier Monate später qualifizierte er sich im 100-Meter-Lauf für die amerikanischen Meisterschaften der Behinderten. Er gewann den Titel. Seine persönliche Bestzeit liegt inzwischen bei 14,14 Sekunden, er hält in seiner Gewichtsklasse auch den nationalen Rekord im Gewichtheben, 154 Kilogramm. Vergangenes Jahr war er bei der Weltmeisterschaft in Südkorea, im Mai lief er beim Weltcup in Manchester, Mitte August startet er bei den Parapan American Games in Rio de Janeiro.

Clemons steht auf der Laufbahn im Leichtathletikstadion der Pennsylvania State University, der Himmel ist ein grauer Schleier. Er sagt, das Schönste sei der Wind gewesen, wie er ihm ins Gesicht blies und in den Ohren rauschte, als er zum ersten Mal wieder so richtig schnell rannte.

Seine Prothese besteht aus Kohlefasergewebe, das unter Druck mit Kunstharz verleimt wurde, eine Technik aus der Raumfahrt, allein der Fuß kostet 10 000 Dollar. Im Mittelteil steckt ein computergesteuertes Hydrauliksystem, bei jedem Schritt macht es leise "pffft". Der Schaft ist bemalt, mit einem roten "S" auf gelbem Grund, es ist das Superman-Logo. Die Prothese sieht aus wie eine Sprungfeder mit Kufen, sie ist Kortneys neue Waffe. Sein Auftrag lautet nicht mehr, in Bagdad Kameraden zu verarzten, seine Mission ist es, 100 Meter unter 13 Sekunden zu laufen.

Clemons, 27 Jahre alt, kurzgeschorene Haare, Kinnbart, kräftige Oberarme, kein Gramm Fett, kniet sich in den Startblock. Eine Frau mit schwarzem Barett, in Springerstiefeln und Tarnanzug filmt ihn mit einer Handkamera. Sie ist Unteroffizier, arbeitet für den Pentagon Channel und dreht ein Video für die Kameraden an der Front.

Amerika will keine hässlichen Geschichten über Veteranen, die erst in schlechte Krankenhäuser gesteckt und dann schnell vergessen werden. Clemons gilt als Vorbild, als Beweis, dass keiner zurückgelassen wird. Auch kein Invalide.

"Ready, set ... go!", befiehlt seine Trainerin, sie war früher 5000-Meter-Läuferin, Olympiakader 1976. Kortney spannt die Muskeln an und katapultiert sich aus den Blöcken. Es sieht seltsam aus, wenn er rennt. Der Operateur hat sein Bein oberhalb des Knies amputiert, und weil das Gelenk nun fehlt, schleudert Kortney die Prothese aus der Hüfte in einer halbkreisförmigen Bewegung nach vorn.

Die Trainerin wartet an der 60-Meter-Marke, sie drückt die Stoppuhr, als Kortney an ihr vorbeirennt. "8,12 Sekunden - ganz okay", sagt sie. "Kortney streckt den rechten Arm zu weit zur Seite, da können wir noch Zeit rausholen. Es kommt auf jedes Hundertstel an, wir wollen ja Gold."

Kortney ist kein Sportler, weil er Geld verdienen will, es geht ihm auch nicht um Spaß. Für ihn ist Sport eine Therapie, eine Form der Selbstbestätigung, ein Weg, zurückzufinden ins Leben. "Durch den Sport habe ich verstanden, wer ich bin und was ich will", sagt er. "Es gibt immer noch viele Jungs, die wie ich ohne Bein aus dem Irak heimkehren - und ich möchte, dass sie meine Rekorde sehen, damit sie wissen, was möglich ist."

Das erste Sportfest nur für Behinderte veranstaltete der deutschstämmige Neurologe Sir Ludwig Guttmann 1948 im Südosten Englands. Die Stoke Mandeville Games waren für Soldaten, die der Zweite Weltkrieg in den Rollstuhl gebracht hatte. 16 Querschnittsgelähmte nahmen teil in der Disziplin Bogenschießen. Aus diesem Wettkampf entwickelten sich die Paralympics, die zum ersten Mal 1960 stattfanden, in Rom. Seitdem sind sie eine Bühne für Sportler, die behindert geboren wurden oder einen Unfall hatten: Blinde, Contergan-Geschädigte, spastisch Gelähmte. Nun zieht der Krieg ein in das friedliche olympische Theater.

James Stuck, 101. Luftlande-Division, 1. Brigade, war seit etwas mehr als zwei Monaten im Irak, er war in Kirkuk, als eine Bombe seinen Humvee zerfetzte. Das rechte Bein riss unterhalb des Knies ab, am Dienstag, den 20. Dezember 2005. Jetzt ist er die Nummer 405 auf der Liste der amputierten Irak-Veteranen.

Zur Army ist er gegangen, weil er "ein bisschen in der Gegend herumballern wollte". Er hat die Schule abgebrochen, der Einsatz im Irak war seine erste Reise ins Ausland. Er kennt ein paar arabische Ausdrücke, er weiß, was "fuck you" heißt, was "eat shit" und "damned hot here".

Bis heute leidet er an Phantomschmerzen. Er spürt manchmal seinen rechten Unterschenkel und den Fuß, obwohl es sie nicht mehr gibt. "Ich liege im Bett, und plötzlich habe ich das Gefühl, jemand rammt mir eine Gabel in den Fuß." Ohne Medikamente hilft nur Sport, die Schmerzen zu unterdrücken. Stuck versucht, jeden Tag zu trainieren.

Er steht am Gasherd, in einem grün gestrichenen Holzhaus in Edmond, Oklahoma. Die Jalousie ist halb unten, Stuck brät Rührei mit Speck. Seine Prothese

steckt in einem klobigen Hausschuh, der aussieht wie der Kopf von Homer Simpson. Seine Pupillen hetzen, die Stimme ist ruhig, schläfrig fast, er wirkt lässig und nervös zugleich, wenn er erzählt.

James ist 23, er hat ein spitzes Kinn, ihm fehlt der rechte Schneidezahn, er ist tätowiert am linken Arm, auf dem Rücken, auf der linken Schulter. Er kennt keine Zweifel, will sie nicht kennen. James macht sich keinen Kopf, ob es falsch war, zur Armee zu gehen, ob der Krieg im Irak sein Leben verpfuscht hat.

"Rosie hat es noch schlimmer erwischt."

Rosie?

James nimmt die Prothese ab, zieht den Silikonstrumpf vom Stummel und präsentiert das Tattoo einer blonden, vollbusigen Frau in seiner Kniekehle. Ihr fehlen seit dem Bombenanschlag beide Beine.

James spielt Sitzvolleyball. Er hat angefangen damit, als er noch im Krankenhaus war. Er wollte unbedingt was mit einem Ball machen, er war Torwart im Fußballauswahlteam des Bundesstaats Pennsylvania, einmal in seinem Leben möchte er beim FC Liverpool im Fanblock stehen. Er fand aber keine Fußballmannschaften für Amputierte.

Das Wellness Center der University of Central Oklahoma ist eine Backsteinhalle mit Fitnessclub und zwei Volleyball-feldern. Jeden Monat trifft sich hier die Nationalmannschaft für eine Woche zum Training, James gehört seit einem halben Jahr zum Kader. Er ist aus Pittsburgh nach Edmond gezogen, damit er nicht ständig reisen muss und häufiger im Kraftraum schuften kann. Das Team besteht aus 15 Mann, 12 Spieler fahren nach Peking, seine Chancen stehen gut: Der Trainer hat ihn für eine Länderspielreise nominiert.

Es geht nach Bosnien, auch da hat der Krieg viele Amputierte hinterlassen.

James sagt, und er meint das ernst: "Der Coach ist der Chef. Wenn er spricht, halte ich die Klappe, und ich tue, was er von mir verlangt." Manchmal liegt ein Nichts zwischen Sport und Militär.

Für Stuck ist Krieg eine ehrliche und romantische Sache. Er sagt, er vermisse die Armee, die Kameradschaft, dieses: Einer für alle, alle für einen. Der Sport gibt ihm etwas von diesem Gefühl zurück. Das Team, sagt er, "ist mein neues Platoon".

Melissa, die Schwimmerin, die Nummer 128 auf der Liste der amputierten Irak-Veteranen, Kortney, der Sprinter, Nummer 271, und James, der Volleyballspieler, Nummer 405, haben sich entschieden, über ein paar Dinge besser nicht nachzudenken. Soldaten dürfen nicht zu viel grübeln. Sie denken nicht darüber nach, ob die "Operation Iraqi Freedom" wirklich eine Befreiung ist oder nicht doch eine Besatzung. Sie fragen sich nicht, wofür sie ihr Bein gelassen haben oder ob diesen Krieg überhaupt noch jemand will. Das Training, die Konzentration auf die Wettkämpfe helfen ihnen, sich abzulenken. Sport macht ihr Leben einfach.

Im Wohnzimmer von Melissa Stockwell, der Schwimmerin, hängt die US-Flagge an der Wand. Ihr Handy, der Teppich im Bad, der Lenker ihres Fahrrads, das Vogelhaus im Vorgarten, alles ist rot, weiß und blau, die Farben Amerikas. In der Küche steht eine Kiste Budweiser, der Restposten von ihrer "little leg's party", die Melissa am 13. April geschmissen hat, dem Jahrestag der Explosion in Bagdad.

Die Anschläge auf das World Trade Center waren der Grund, warum sich Melissa bei der Armee meldete, im Mai 2002. Sie hatte das Gefühl, irgendetwas tun zu müssen. Sie ist die erste Frau der Army, die im Irak amputiert worden ist. "Ich würde alles wieder so machen", sagt Melissa.

Sie setzt sich in ihren Wagen und fährt zur Schwimmhalle, die auf der anderen Seite des Mississippi liegt. Es ist nachmittags um vier, das nächste Training steht an. In der High School und im College war Melissa Stabhochspringerin, sie hat mit dem Schwimmen angefangen, weil dafür keine Hilfsmittel nötig sind. Sie trainiert neunmal pro Woche.

Melissa legt die Prothese zur Seite, zupft am Badeanzug, an der Schwimmbrille, springt ins Wasser, krault los. Schwer zu sagen, ob sie es zu den Paralympics schaffen wird. Ihre Bestzeit über 50 Meter Freistil liegt bei 33,29 Sekunden, wenn sie sich qualifizieren will, muss sie es in 32 Sekunden schaffen. Über die 100 Meter ist sie noch fünf Sekunden zu langsam. Nicht unmöglich, aber es wird knapp.

Melissa krault ihre Bahnen, Schwimmen ist ein stumpfsinniger Sport, ewig die gleiche Bewegung. Es bleibt nur die Entscheidung, wie hart man durchzieht, ob man sich neue Schmerzen zufügt oder nicht.

Melissa zieht immer voll durch.

MAIK GROßEKATHÖFER


DER SPIEGEL 31/2007
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