30.07.2007

„Neuronen sind nicht böse“

Ist Verbrechen determiniert? Der Hirnforscher Hans Markowitsch und der Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma über die Bedeutung der Existenz des freien Willens für das Strafrecht, die Schuldfähigkeit von Kriminellen und den Einsatz der Neurowissenschaft vor Gericht
SPIEGEL: Herr Markowitsch, Herr Reemtsma, mal ehrlich: Haben Sie schon einmal gegen ein Gesetz verstoßen?
Markowitsch: Ach bestimmt! Zum Beispiel gegen die Verkehrsregeln, wenn ich zu schnell Auto gefahren bin ...
Reemtsma: ... und in Schulzeiten hat man Genussmittel zu sich genommen, die auch nicht ganz legal waren, aber dafür sehr en vogue.
Markowitsch: Zu solchen Sünden hatte ich nun weniger Gelegenheit. Ich bin auf dem Dorf groß geworden.
SPIEGEL: Hatten Sie je das Gefühl, Sie könnten auf die schiefe Bahn geraten?
Reemtsma: Nein. Abgesehen davon, dass jeder Mensch irgendwelche Sex-and-Crime-Phantasien hat. Aber ich habe in meinem Leben nie Probleme gehabt, Realität und Phantasie auseinanderzuhalten.
Markowitsch: Dazu müsste man ja auch ernsthaft psychisch krank sein.
SPIEGEL: Man darf Sie beide also für einigermaßen rechtschaffene, moralisch gute Menschen halten. Ist das Ihr Verdienst?
Reemtsma: Ohne dass ich diese Vokabeln für mich in Anspruch nehmen würde: ja. Zwar haben es manche im Leben leichter
als andere, aber im Kern ist jeder für seine Handlungen und Unterlassungen selbst verantwortlich.
Markowitsch: Da widerspreche ich entschieden. Ich kann nichts dafür, dass ich kein Bankräuber wurde. Ein Zusammenspiel aus Genen, vorgeburtlichen und frühkindlichen Erfahrungen, Erziehung, Freunden, Gesellschaft - allem, was aus der Umwelt auf mich eingestürmt ist, hat mich werden lassen, was ich bin. Ich bin das Produkt meiner Vergangenheit.
Reemtsma: Richtig. Sie machen Erfahrungen, Sie erleben etwas, Sie reagieren, setzen sich auseinander. So verfertigt sich jeder im Laufe seines Lebens selbst: Deshalb sind Sie für Ihre Persönlichkeit und Ihr Handeln verantwortlich - wer sonst? Der Mensch ist keine willenlose Wachstafel, in der die Umwelt ihre Gravuren hinterlässt.
Markowitsch: Warum bin ich denn keine Wachstafel? Alles, was je auf mich eingewirkt hat, ist in mein Gehirn eingegraben. Unser Handeln ist durch die Verschaltungen in unserem Gehirn determiniert. Viele davon sind stabil. Andere verändern sich ständig im Wechselspiel mit der Umwelt, mit dem Werden und Vergehen von Neu-
ronen und der Ausschüttung von Neurotransmittern. Das gibt uns das Gefühl, wir handelten aus freier Entscheidung. Tatsächlich spielt sich unsere Gehirntätigkeit in großen Zügen unbewusst ab, gesteuert durch das emotionale Erfahrungsgedächtnis. Der freie Wille ist eine Illusion.
Reemtsma: Das ist doch Unfug! Herr Markowitsch, Sie reden, als gäbe es einen Unterschied zwischen Ihnen und Ihren Neuronen. Es scheint, manche Neurobiologen haben ein interessant distanziertes Verhältnis zu ihrem eigenen Gehirn. Haben Sie Probleme, sich mit sich selbst zu identifizieren?
Markowitsch: Gefühlsmäßig leben wir in der ersten Person Singular: Ich bin es, der handelt. Die Frage ist aber doch: Warum handle ich so? Wir identifizieren derzeit Mechanismen im Hirn, die ein Verhalten hervorbringen können, das wir moralisch als böse, juristisch als strafbar bewerten. Neurowissenschaftlich betrachtet sind das Defekte, für die ein Delinquent nichts kann, weil sie angeboren sind oder meist in früher Kindheit erworben wurden.
SPIEGEL: Verstehen wir richtig: Die Neurowissenschaft will mit dem freien Willen auch individuelle Verantwortung und persönliche Schuld eliminieren?
Markowitsch: In unserem Recht gilt der Grundsatz: Keine Strafe ohne Schuld.
Schuldfähig bedeutet: Der Täter hätte frei entscheiden können, sich anders zu verhalten. Dass er das konnte, bestreite ich.
Reemtsma: Ein kapitales Missverständnis! Unsere Justiz ruht nicht auf einer philosophischen, metaphysischen oder neuropsychologischen Annahme über Freiheit. Willensfreiheit muss auch nicht bewiesen werden, sondern sie wird unterstellt. Diese Unterstellung ist die Voraussetzung für die Existenz von Gerichten, für funktionierende Rechtssysteme und moralisches Handeln. Ohne sie ist Gesellschaft nicht denkbar.
SPIEGEL: Der freie Wille ist eine staatsnotwendige Fiktion?
Reemtsma: Nein, es handelt sich dabei um eine technische Redeweise, ohne die man vor Gericht nicht weiterkommt. Natürlich kann ich alles im menschlichen Verhalten als strenge Kausalkette so beschreiben, dass Freiheit keinen Ort darin hat. Aber vor Gericht sprechen wir über Freiheit eher im Voltaireschen Sinn: als Möglichkeit, etwas zu tun, was ich will. Der Delinquent war in der Lage, bewusst zwischen Pro und Contra abzuwägen. Er hat sich frei entschieden, einen Raubüberfall zu begehen, das heißt: Es hat ihn keiner mit einer Pistole dazu gezwungen. Er stand nicht unter Hypnose, er behauptet nicht, es habe ihm jemand einen Sender implantiert, sondern er war in etwa so wie immer. Er befand sich im Normalzustand.
SPIEGEL: Können wir normal und nicht normal denn überhaupt jederzeit voneinander unterscheiden?
Reemtsma: Tatsache ist: Wir unterscheiden es. Das ist für unseren Alltag sehr wichtig. "Freiheit" bedeutet, dass ich nicht beliebig handle wie ein Zufallsgenerator, sondern dass ich mich selbst als autonom empfinde. Der höchste Ausdruck von Freiheit drückt sich aus in dem Luther-Satz: Hier stehe ich, ich kann nicht anders.
Markowitsch: Da sagen Sie es: Es ist eine Empfindung. Ein subjektives Gefühl und kein Willensakt. Nehmen Sie einen Fall, der uns vor zwei Jahren beschäftigte: Ein Lehrer beginnt urplötzlich, Kinder mit pornografischen Bildern zu belästigen. Er wird erwischt, entlassen und von einem Gericht verurteilt. Später entdeckt man einen Tumor in seinem rechten Frontalhirn. Die Region ist zuständig für die normative Kontrolle unseres Verhaltens. Der Tumor wird entfernt, die Neigung ist weg. Als alles später wieder von vorn beginnt, ist der Tumor nachgewachsen. Der Lehrer selbst hatte aber nie das Gefühl, unter irgendeinem Zwang zu agieren. Auch bei Manipulation durch Hypnose oder elektrische Stimulation bestimmter Hirnareale wird die Versuchsperson anschließend denken, sie habe gänzlich unbeeinflusst aus freiem Willen gehandelt.
Reemtsma: Wo ist das Problem? Wir erkennen ja an, dass es pathologische Zustände gibt, in denen Menschen nicht autonom handeln können. Und wir werten vor Gericht unterschiedliche Biografien: Einigen fällt es schwerer, verantwortlich zu handeln, als anderen. Und wenn eine psychische Erkrankung oder ein Vollrausch den Täter daran hindert, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder anders zu handeln, erhält er ein anderes Strafmaß oder gar keine Strafe, sondern eine Behandlung in einer forensischen Klinik.
Markowitsch: Sie lassen Determiniertheit nur in krankhaften Ausnahmefällen gelten. Für mich ist alles Verhalten determiniert, biologisch und sozial. Gewalttätiges Verhalten kann sehr stark gesellschaftlich determiniert sein, zum Beispiel im Krieg.
Reemtsma: Im antiken Athen, so heißt es, sagte einmal ein Dieb vor Gericht: Es ist mir vom Schicksal vorherbestimmt gewesen zu stehlen. Sagt der Richter: Mag sein, aber auch, Prügel dafür zu bekommen.
SPIEGEL: Herr Reemtsma, Sie beschäftigen sich seit den achtziger Jahren mit politischer Gewalt, mit Terror, Faschismus, Folter. Woher dieses starke Interesse?
Reemtsma: Psychologisch gefragt könnte es etwas damit zu tun haben, dass ich ein geprügeltes Kind bin. Ich stamme aus einer Familie, in der Gewalt und Tod eine große Rolle spielten, mit im Krieg gefallenen Familienmitgliedern, deren Bilder an der Wand hingen, mit einem schwer kriegsgeschädigten Vater, der bis zu seinem Tode an den Verwundungen aus dem Ersten Weltkrieg herumlaborierte. Ich bin vom Familiären her in bestimmte düstere Aspekte dieses Jahrhunderts hineingewachsen. Irgendwann dachte ich, die beste Strategie für diese Probleme sei: Finde es interessant, mach ein Thema daraus - aber kein autobiografisches.
SPIEGEL: Das Thema Gewalt hat Sie dann noch auf andere Weise eingeholt: Im Jahr 1996 wurden Sie vor Ihrem Haus niedergeschlagen und entführt. Ihre Kidnapper haben Sie 33 Tage angekettet in einem Keller gefangen gehalten und 30 Millionen Mark erpresst. Seither haben Sie sich intensiv mit der Rolle von Verbrechensopfern im Strafprozess befasst. Wie wichtig war es für Sie, Ihre Entführer auf der Anklagebank zu sehen?
Reemtsma: Sehr wichtig. Im Prozess wird festgestellt: Der durfte das nicht, hier ist eine Norm übertreten worden. Die Strafe ist für das Opfer von hoher Bedeutung. Nicht, weil sie die Rachebedürfnisse erfüllt, denn das tut sie nicht - dazu taugt das Verfahren nicht. Sondern weil die Strafe die Solidarität des Sozialverbandes mit dem Opfer demonstriert. Die Strafe grenzt den Täter aus und nimmt damit das Opfer herein. Und dem Opfer wird bescheinigt: Der da ist schuld.
Markowitsch: Und was, wenn Sie einem Unzurechnungsfähigen in die Hände gefallen wären?
Reemtsma: Dann würde man wohl nicht sagen: Hier ist Unrecht geschehen, sondern: Hier ist jemandem ein Unglück widerfahren. Für ein Unglück ist niemand verantwortlich.
SPIEGEL: Folgt man Herrn Markowitschs Auffassung, wäre jedes Verbrechen als Unglück zu betrachten. Ein Schlag ins Gesicht der Opfer?
Reemtsma: Würde seine Art zu denken mehrheitsfähig, dann müsste man wohl auf andere, ritualisierte Formen der Anerkennung von Leid kommen. Der Staat wäre trotzdem dafür verantwortlich, dass der Täter es nicht weitertreiben wird.
Markowitsch: Ich würde als Konsequenz daraus einen besseren Rechtsanspruch auf Therapie und Entschädigung für die Opfer begründen. Das ist heute nicht gut gelöst.
SPIEGEL: Welche Rolle spielt das Motiv für die moralische Bewertung einer Tat?
Reemtsma: Ein Beispiel: Ein Mann namens Wilkomirski gab sich zu Unrecht als einer der jüngsten KZ-Überlebenden aus und wurde damit berühmt - bis alles herauskam. Das bewerte ich doch unterschiedlich, je nachdem, ob ich einen armen, schwer gestörten Kerl mit einer traumatischen Kindheit vor mir habe, der sich unbewusst eine Geschichte zusammengeklaut hat, für die ihn andere zu einem Heiligen hochjubeln, oder ob es ein Betrüger ist, der sich sagt: Die fahren alle auf Holocaust-Geschichten ab. Jetzt erzähle ich denen mal eine.
Markowitsch: Neurowissenschaftlich können wir echte - oder vom Probanden für echt gehaltene - und erlogene traumatische Erinnerungen übrigens schon unterscheiden. Ich würde das aber nicht moralisch bewerten wollen.
Reemtsma: Das kann ich nicht ernst nehmen. Ohne die Handlungen unseres Gegenübers moralisch zu bewerten, könnten wir uns doch im Zusammenleben gar nicht orientieren. Wenn ein Bankräuber vor Gericht vorbringen kann: Ich wollte das Geld, weil es die einzige Chance war, meinem kranken Kind das Leben zu retten, dann wird man sagen: Okay, das war nicht legal, aber er war wirklich in einer Notlage. Und keine neurobiologische Einsicht wird dieses Alltagsverhalten ändern.
Markowitsch: Jeder hätte da was vorzubringen, nur kann es nicht jeder ausdrücken. Ich hab es wegen meiner miesen Kindheit gemacht, weil meine Eltern drogensüchtig und meine Freunde Diebe sind und weil ich eine Riesenwut habe auf die Reichen - das sind die Determinanten, die einen vor Gericht bringen.
Reemtsma: Es sind unsere Handlungen, die uns vor Gericht bringen. Und dort reden wir nicht über Determinanten. Wir dürfen nicht so tun, als gäbe es eine Fundierung der Rechtspraxis in der Biologie.
SPIEGEL: Herr Markowitsch will doch nur die moralische Komponente der Schuld über Bord werfen, für die man sühnen und Buße tun muss. Könnten wir auf die nicht verzichten, Herr Reemtsma?
Reemtsma: In unserem Alltagsverständnis definieren wir Schuld nun mal moralisch - übrigens ohne dass ein theologischer Schuldbegriff dahintersteht.
Vor Gericht geht es aber gar nicht um Moral, sondern um Recht. Ich brauche eine Messgröße für das Strafmaß. Also spreche ich von der "Schwere der Schuld". Sie setzt sich aus zwei Elementen zusammen: Kann ich etwas vorbringen, was man vor Gericht mildernde Umstände nennt, und: Wie verwerflich war diese Tat? Hat sie in besonderer Weise die Regeln unseres Zusammenlebens verletzt, etwa weil sie besonders grausam war oder der Täter niedrige Beweggründe hatte? Das führt zum Beispiel dazu, dass man die "besondere Schwere der Schuld" feststellt.
Markowitsch: Das sind doch rhetorische Label, Kennzeichnungen, die keine wissenschaftliche Grundlage haben.
Reemtsma: Sie haben aber große praktische Bedeutung: Jemand mit besonderer Schwere der Schuld kann als Lebenslänglicher eben nicht nach 15 Jahren entlassen werden. Was soll denn in Ihrem System an die Stelle der Schuldfeststellung treten?
Markowitsch: Die Feststellung einer psychiatrischen Auffälligkeit. Es geht um die Abweichung von dem, was die Mehrheit als normales Verhalten betrachtet.
SPIEGEL: Seit Menschen Justiz betreiben, verschiebt sich diese Grenze: Immer mehr Täter werden als krank und schuldunfähig eingestuft.
Markowitsch: Ja, was wir für pathologisch halten, verändert sich mit neuem Wissen. Genau wie unser Begriff von Schuldfähigkeit: Im Mittelalter stellte man noch Tiere vor Gericht. Ein Schwein hatte ein Baby angeknabbert, dafür wurde es mit dem Tode bestraft und aufgehängt.
Reemtsma: Mag sein, dass wir im Zuge des wissenschaftlichen Fortschritts erkennen, dass es gegenüber bestimmten Typen von Tätern ungerecht wäre, sie ins Gefängnis zu sperren, anstatt sie einer psychiatrischen Behandlung zuzuführen. Aber das heißt nicht, dass sich vor Gericht das juristische Sprachspiel grundsätzlich ändert.
Markowitsch: Darüber denken einige Juristen durchaus nach. Nach einem meiner Vorträge sagte neulich einer: Wenn es so ist, wie Sie sagen, können wir Straftäter zwar nicht ganz aus der Verantwortung entlassen. Aber vielleicht müssten wir auf alle künftig das Jugendstrafrecht anwenden. Die Hirnstrukturen, die mit Moralentwicklung oder Sich-in-andere-Hineinversetzen zu tun haben, brauchen bis in die dritte Lebensdekade, bis sie fertig verkabelt sind. Das Gehirn mancher Krimineller ähnelt in gewisser Weise dem von Jugendlichen. Und oberstes Ziel des Jugendstrafrechts ist eben nicht Strafe, sondern Erziehung und Besserung.
Reemtsma: Was die Art des Strafens angeht: Jeder Wissensfortschritt kann ein klügeres Abwägen vor Gericht möglich machen - aber doch in Grenzen. Beispielsweise fand man im Gehirn von Ulrike Meinhof, einem der Gründungsmitglieder der Roten Armee Fraktion, bei der Obduktion einen Tumor, der möglicherweise etwas mit ihrer Radikalisierung zu tun hatte. Aber wohin führt dieser Gedanke?
Markowitsch: Die Gehirne der anderen hat man nicht untersucht. Aber es ist vorstellbar, dass bei Baader, Raspe, Ensslin ebenfalls eine spezifische Abweichung auf Hirnebene vorlag. Der Neuropsychologe Adrian Raine von der Universität von Südkalifornien untersuchte beispielsweise im Tomografen die Gehirne von 41 Mördern, die im Affekt gemordet hatten. Sie wiesen einen reduzierten Stoffwechsel im Frontalhirn auf. Die Aktivität dieser Region ist wesentlich für das Zustandekommen von Mitgefühl, Ethik, Verantwortlichkeit. Normalerweise hemmt sie aggressive Impulse aus dem limbischen System. Bei 21 als Soziopathen eingestuften Tätern war das Volumen dieses Areals sogar um 11 bis 14 Prozent kleiner als bei "normalen" Menschen. Die Masse der Mörder in den USA hat außerdem einen sehr niedrigen IQ.
Meiner Ansicht nach ist jedes kriminelle Verhalten bedingt durch etwas Pathologisches. In mittelferner Zukunft wird man möglicherweise sehen, dass sich alle Hirne von Mördern in mindestens einer Determinante von Hirnen aller Nicht-Mörder unterscheiden und dass genau diese biologischen Abweichungen bedingen, dass jemand mordet.
SPIEGEL: Mündet Ihre Logik nicht in einer "Generalabsolution für jeglichen Verbrecher und jegliches Verbrechen, hieße er nun Adolf Eichmann oder Adolf Hitler, gehe es um industriellen Massenmord oder einfach um Steuerhinterziehung", wie der Berliner forensische Gutachter Hans-Ludwig Kröber kritisiert?
Markowitsch: Generalabsolution bedeutet, eine Tat bleibt folgenlos. Das kann nicht sein. Aber wenn jemand eine Straftat begeht, weil er gar nicht anders kann, dann muss die Gesellschaft Konsequenzen für ihr Strafrecht ziehen.
SPIEGEL: Sie meinen: das Strafrecht abschaffen?
Markowitsch: Mit Betonung auf "Straf-" - ja. Wir sollten neu definieren, warum wir jemanden hinter Gitter schicken - zum Beispiel, weil wir potentielle Opfer schützen wollen. Geht das effektiver durch Strafen in der Justizvollzugsanstalt oder durch Behandeln? Meiner Ansicht nach muss man alle, die strafauffällig sind, zu Erziehungsmaßnahmen führen.
SPIEGEL: Das ist keine ganz neue Idee: In den siebziger Jahren plädierten Juristen für die Abschaffung des Strafrechts. Sie sahen den Rechtsbrecher als Produkt einer repressiven Gesellschaft und die Strafe als Vergeltung, die nur der Anfang neuer Gewalt sei. Statt für Vergangenes zu büßen, sollten Straftäter therapiert oder, falls nicht therapierbar, verwahrt werden.
Reemtsma: Die Idee ging schon damals an der Frage vorbei, warum wir strafen. Wir strafen, um abzuschrecken und um gesellschaftliche Normen zu bestätigen. Und aus Gründen der Fairness machen wir Verbrechern ein Resozialisierungsangebot und hoffen, dass es wirkt - das sind die Strafzwecke. Im Übrigen wird dabei auch ein erzieherisches Strafrecht nie auf den Schuldbegriff verzichten können, schon deshalb, weil er in unserer Innenperspektive so real ist. Man wird zu einem jugendlichen Tunichtgut nicht sagen: Du fühlst dich zwar schuldig, aber tröste dich, du kannst nichts dafür, dein Hirn war's.
Markowitsch: Das sehe ich ähnlich. Schuld kann durchaus kultiviert werden. Als Gefühl hat es ja evolutionär einen Sinn.
Reemtsma: Das können Sie bei einem Hund sehen, der die Wurst vom Frühstückstisch klaut, und man erwischt ihn. Dann lässt er die Ohren hängen, duckt sich und verkriecht sich in die Ecke. Und macht deutlich: Ich wusste, dass ich das nicht
durfte. Schlag mich nicht, und stoß mich nicht aus der Gruppe raus.
Markowitsch: Sich schlecht zu fühlen, wenn ein anderer Mensch durch uns leidet, macht uns gemeinschaftsfähig.
SPIEGEL: Schuld hat auch etwas mit dem Leid der Opfer zu tun. Hätte der Mercedes-Testfahrer, der durch Drängeln mutmaßlich den Tod einer Mutter und ihres Kindes auf der Autobahn verschuldete, nur einen Blechschaden verursacht, wäre die Strafe wohl niedriger ausgefallen.
Markowitsch: Dieser Mensch wurde aufgrund seiner Vorgeschichte zum aggressiven Raser. Man bedauert zutiefst, dass dieser Konstellation Menschenleben zum Opfer fielen; sein Verhalten wäre aber bei einem Blechschaden das gleiche gewesen. Neurowissenschaftlich betrachtet müsste die Strafe für beide Ausgänge die gleiche sein. Ich würde auch nicht von Strafe reden, sondern von Umerziehungsprozess.
Reemtsma: Dann werden Sie große Probleme bekommen, Menschen zu erklären, warum ein Raser, der ihre Familie ausgerottet hat, die gleiche Umerziehung bekommt wie einer, der bloß geblitzt wurde. Eine wichtige Einsicht in der Juristerei ist, dass das Gerechtigkeitsgefühl und die tatsächliche Rechtsprechung nicht allzu weit auseinanderdriften dürfen. Ihr Vorschlag, Taten unabhängig von ihrem Resultat zu bewerten, ruiniert die Legitimität des Rechts.
SPIEGEL: Herr Reemtsma, eine Personenbeschreibung: oberflächlicher Charme, übersteigertes Selbstwertgefühl, krankhaftes Lügen, Neigung zum manipulativen Tricksen, fehlendes Gewissen, Mangel an Empathie, Allmachtsgefühle. Erinnert Sie das an jemanden?
Reemtsma: Dieter Zlof. Der hat Richard Oetker in eine Kiste gepackt und ihm durch Stromschläge die Knochen gebrochen. Später sagte er, er habe gedacht, das ist ein junger Mann, dem verpasse ich jetzt ein Trauma.
SPIEGEL: Die Charakteristik entspricht der international gebräuchlichen Psychopathen-Checkliste des kanadischen Psychologen Robert Hare. Erstaunlich, dass Sie nicht auf Ihren Entführer Thomas Drach kommen.
Reemtsma: Stimmt, der hat auch einige der genannten Züge. Während der Entführung habe ich versucht, ihn darauf anzusprechen, ob er sich Gedanken darüber mache, was das für meinen 13-jährigen Sohn bedeutet. Er war offenbar nicht ernsthaft in der Lage, diesen Gedanken zu denken. Er war von hoher Selbstgerechtigkeit. Er konnte es schwer ertragen, vor Gericht zu stehen und anzuhören, er solle das Geld wieder rausrücken: Wieso - ich lebte doch noch, also war der Handel doch irgendwie in Ordnung? Aber das Kriterium, das wir anlegen, ist doch: Wusste er, dass er ein Gesetz übertritt? Natürlich wusste er das.
Markowitsch: Und doch ist es eine determinierte Handlung gewesen, möglicherweise liegen die Gründe in der Kindheit von Herrn Drach. Hätte er sich anders entscheiden können, hätte er es getan.
Reemtsma: Wieso? Er hat es getan. Also hat er es gewollt. Seine Kindheit hat man ausgeforscht. Es ist aber nichts dabei herausgekommen, außer einer sehr früh einsetzenden beträchtlichen kriminellen Energie. Aufgrund deren haben wir ja für die Sicherungsverwahrung plädiert, leider erfolglos. Wenn Thomas Drach nach Verbüßung seiner 14 Jahre rauskommt, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass er ein noch schwereres Verbrechen verübt.
Markowitsch: Das wäre eine klassische Prognose für den Typus des sogenannten erfolgreichen Psychopathen, mit dem Herr Drach gewisse Übereinstimmungen hat. Bei denen arbeitet das Frontalhirn normal. Sie begehen chronisch Straftaten trotz intakter Impulskontrolle und zeigen keinerlei Reue. Man hält sie fälschlich für steuerungsfähig, weil sie berechnend sind, weil sie mitleidlos planen und schwer zu fassen sind, weil sie weniger Fehler machen als Impulstäter. Deshalb kommen viele von ihnen nicht in die Forensik, sondern in den Regelvollzug. Sozial anpassungsfähig, wie sie sind, werden sie dann besonders gefährlich.
SPIEGEL: Der "Lustkiller" Jerry Brudos antwortete auf die Frage, ob er denn nichts für die getöteten Frauen empfinde, indem er ein Papier zerknüllte und sagte: So viel wie für diesen Papierklumpen. Ein böser Mensch - oder ein kranker?
Markowitsch: Neuronen sind nicht böse. Viele Defekte in Gehirnen von Gewalttätern rühren schon aus vorgeburtlicher Zeit, zum Beispiel findet man nicht selten unterschiedlich große Hippocampi in beiden Gehirnhälften. Dadurch ist die Verarbeitung von Gefühlen gestört. Oft scheint ein spezieller Nerventyp nicht normal zu arbeiten, der für Empathie zuständig ist: die Spiegelneuronen. Gewalttätige Soziopathen können den Ausdruck von Angst oder Leid im Gesicht ihres Opfers gar nicht entschlüsseln.
Reemtsma: Nicht jeder, der ein psychopathisches Persönlichkeitsbild hat, wird zum Verbrecher. Wer frühen Missbrauch in der Kindheit erlebt hat, wird nicht automatisch seinerseits zum Missbraucher. Die Tatsache, dass jemand ein Leben hinter sich hat, das die statistische Wahrscheinlichkeit, später zum Täter zu werden, stark vergrößert, entschuldigt ihn nicht.
Markowitsch: Vielleicht hat einer eine Lehrerin, die ihn stützt, und der andere nicht.
Das kann alles ändern. Wir erfassen nur die Determinanten noch nicht genau genug. Würde das Gericht eines Tages neurowissenschaftliche Kriterien anlegen, müsste es errechnen können, wie stark die Determinanten sind, die Herrn Drach in diese Richtung drängen. Es ginge dann im Prozess nicht mehr um die Frage, wie viele Jahre er bekommt, sondern darum, wie man diese Konstellation von Determinanten so beeinflussen kann, dass er nicht wieder straffällig wird.
Reemtsma: Das würde aber heißen, dass es künftig etwas anderes ist als ein Gericht.
Man hätte keine Rechtsprechung mehr mit einem Urteil am Ende, sondern irgendetwas anderes ...
SPIEGEL: ... eine Diagnose?
Markowitsch: Ansätze dazu gibt es schon. Bei schweren Straftaten holt man zunehmend externe Gutachter, die Vorentscheidungen für das Gericht treffen ...
Reemtsma: ... das ist keine Vorentscheidung, denn das Gericht ist frei, dem Gutachter zu folgen oder nicht ...
Markowitsch: ... in der Theorie! In der Praxis erlebe ich häufig, dass Richter dem Gutachter folgen. Wenn man das weiterdenkt, könnte herauskommen, dass man das Gericht eigentlich nicht mehr braucht. Gutachter würden auch reichen. Noch sind es Richter, die entscheiden. Aber muss das zwangsläufig für die Ewigkeit so sein?
Reemtsma: Das muss allerdings so sein. Die Neurobiologie kann wertvolle Beiträge zu Fragen über die Schuldfähigkeit im juristischen Sinne leisten. Aber sie kann die Praxis vor Gericht ebenso wenig beeinflussen wie jede andere Disziplin. Das haben wir mit der Entthronung der Theologie im 18. Jahrhundert hinter uns gelassen. Aber ich sehe Ambitionen, eine neue Fundamentaldisziplin zu erfinden, wenn sich Neurobiologen zu philosophischen Fragen äußern, übrigens in der Regel auf äußerst geringem Niveau. Für die juristische Praxis ist das völlig bedeutungslos.
Markowitsch: Sie wollen doch nur den Status quo zementieren. Ich rede über praktische Fragen: Wenn die Ursachen von Gewalttätigkeit, Moral und Entscheidungsfindung neurobiologisch determiniert sind, hat unser Strafrecht ein Problem.
Reemtsma: Sie sagen: Wartet mal noch ein paar Jahre ab, und dann hören wir auf mit der Rechtsprechung. Dann benennen wir einfach Psychiater und Neurobiologen, die im Falle von Verbrechen nur noch bestimmen, in welche Art von Anstalt der Täter eingewiesen wird. Und die Frage nach Recht und Unrecht wird gar nicht mehr gestellt. Wenn das Ihr Plädoyer ist, würde ich sagen: Das schaffen Sie nicht. Und ich würde zweitens sagen: Gott sei Dank! Aber vielleicht würden Sie auch gleich alle Kinder zum Schularzt schicken, damit der sie mit bildgebenden Verfahren auf Soziopathie testet?
Markowitsch: Etwas Ähnliches soll, noch nach Tony Blairs Plänen, in Großbritannien eingeführt werden: Tests für alle Schulkinder, um diejenigen mit besonders vielen Risikofaktoren für späteres kriminelles Verhalten zu erkennen. Für diese Kinder gibt es dann gezielte Präventionsprogramme.
SPIEGEL: Der Plan brachte Blair den Vorwurf ein, einen "wild gewordenen Gouvernantenstaat" installieren zu wollen.
Markowitsch: Kriminelles Verhalten lässt sich aber tatsächlich ziemlich gut voraussagen. In einer älteren Studie hat man in den USA 15-jährige Schüler auf Variablen untersucht, die prädiktiv für die spätere Straffälligkeit sein könnten. Man zeigt ihnen viele normale, harmlose Bilder und dazwischen ab und zu ein nacktes Mordopfer, Unfallopfer, alle möglichen Gewaltszenen. Bei einigen dieser jungen Menschen maß man kaum psychophysische Reaktionen auf diese Reize: Die Pulsrate blieb niedrig, die Muskelaktivität auch, die Leitfähigkeit der Haut veränderte sich nicht.
Und tatsächlich wurde die überwiegende Mehrzahl dieser Jugendlichen später straffällig. Gerade der Typus des Soziopathen ist sehr gut identifizierbar. Wenn wir ihn im frühen Stadium erkennen könnten, wie eine somatische Krankheit - müssen wir nicht sogar versuchen, auf ihn einzuwirken?
Reemtsma: Was für eine Art von Gesellschaft haben wir dann, wenn Menschen einem Test unterworfen werden, die keine Tat begangen haben? Die möglicherweise präventiv Erziehungsmaßnahmen unterworfen werden, weil man sagt: Es gibt ein Risiko von 70 Prozent, dass sie zu Vergewaltigern werden. Es wäre ein Überwachungsstaat, geleitet von scheinbar fürsorglichen, aber hartherzigen Diktatoren. Schon Platon hat so etwas mal vorgeschlagen.
Markowitsch: Wir greifen im Ansatz ja jetzt schon präventiv ein. Hyperaktive Kinder kriegen Tabletten, damit sie nicht rumzappeln und in der Schule aufmerksamer werden. Kinder, die Straftaten begehen, steckt
man in ein Erziehungsheim, damit sie nicht noch tiefer in das Fahrwasser geraten.
SPIEGEL: Wie weit ist die Hirnforschung denn inzwischen gekommen auf dem Weg zur neurowissenschaftlich fundierten Diagnose von Straftätern?
Markowitsch: Immerhin können wir bereits die Auswirkungen der Biografie bis in die molekulare Ebene verfolgen und nachweisen. Es gibt Studien mit Kleinkindern, die aus russischen Waisenhäusern in die USA adoptiert wurden. Sie hatten später ein unsicheres Bindungsverhalten und einen veränderten Hormon- und Transmitterspiegel. Der wiederum kann in Impulskontrollverlust münden. Man hat das bei Amokläufern und Selbstmördern gefunden.
Auch die Genetik bringt differenzierte Erkenntnisse: Misshandelte Kinder entwickeln zum Beispiel eher ein antisoziales Verhalten, wenn sie gleichzeitig eine Mutation am Gen für das Enzym Monoaminoxidase A haben. Das ist zuständig für den Abtransport von Neurotransmittern, die mit Gewalt in Verbindung gebracht werden. Wenn wir solches Wissen in den kommenden Jahren immer schneller gewinnen, dann ...
Reemtsma: ... dann wird gar nichts von Bedeutung passieren ...
Markowitsch: (lacht)
Reemtsma: ... denn dieser Denkfehler tritt immer dann auf, wenn neue Disziplinen Karriere machen. Was für Versprechungen haben wir gehört, als man anfing, das Genom zu entschlüsseln! Inzwischen sind wir nur so weit, dass wir wissen, was wir alles nicht wissen.
Markowitsch: Sie argumentieren da jetzt so kulturpessimistisch ...
Reemtsma: ... Ich hab nur gesagt, einige Wissenschaftler sollten den Mund nicht so voll nehmen.
Markowitsch: Aber vieles ist ja schon Realität: Ich selbst habe als Gutachter in einem Mordfall mit funktioneller Bildgebung die Glaubwürdigkeit einer Zeugin belegt. In den USA sind Firmen vor Gericht zugelassen, die anbieten, mit funktioneller Bildgebung zu bestimmen, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht.
Reemtsma: Die Prognose, wir würden irgendwann das Verhalten von Menschen hundertprozentig genau voraussagen können, halte ich dennoch für falsch. Wovon Sie träumen - der Ersetzung des Rechts durch die Psychiatrie -, das wird hoffentlich Utopie bleiben. Es setzt ein Menschenbild voraus, bei dem wir alle wie ferngesteuerte Maschinen durch die Gegend laufen. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft wären katastrophal.
SPIEGEL: "Das Böse ist der Preis menschlicher Freiheit. Man kann das Böse nur dann zum Verschwinden bringen, wenn man die Freiheit zum Verschwinden bringt", sagt der Philosoph Rüdiger Safranski. Wenn kriminelles Verhalten biologisch und sozial vorbestimmt ist - was bleibt dann, außer Wegsperren?
Markowitsch: Jedes Gehirn ist plastisch, also veränderbar, zum Beispiel mit einer Therapie. Und wir können im Kernspin überprüfen, ob die Therapie erfolgreich war.
SPIEGEL: Eine etwas beklemmende Science-Fiction: Scheinbar objektive neurowissenschaftliche Befunde steuern ein Verwahrwesen, in dem der Verwahrte nicht für seine Taten bestraft wird, sondern für das, was er noch tun könnte?
Markowitsch: Gefährlichkeitsprognosen aus dem Kernspin könnten ein Weg sein, um die Frage von Sicherungsverwahrung, Lockerungen oder Entlassungen besser zu beantworten. Sie könnten angepasst wirkende Psychopathen enttarnen, die in der Regel sofort rückfällig werden. Sie könnten aber auch verhindern, dass man Leute wegsperrt, die gar keine Gefahr mehr darstellen. Die Hirnforschung könnte das Rechtssystem insgesamt auf ein objektiveres Fundament stellen. Ein wissenschaftlich fundiertes Maßnahmerecht wäre das Ziel.
Reemtsma: Sie verkennen, dass das Strafrecht gar nicht auf einem wissenschaftlichen Fundament ruhen soll. Genauso wenig, wie wir die Neurobiologie auf ein rechtliches Fundament stellen wollen oder die Medizin auf ein theologisches. Das sind Systeme, die im Laufe der Geschichte ihr eigenes Vokabular ausdifferenziert haben. Die Juristerei ist eine eigene Form von Wissenschaft. Es gibt in ihr keine Empirie, sondern es geht darum, empirisch Vorfindliches in Normen zu fassen. Das bedeutet, dass Juristen dauernd über eine Wirklichkeit reden ...
Markowitsch: ... die nicht existiert ...
Reemtsma: ... die so nicht existiert und die eindimensional ist, wie die der anderen Disziplinen auch. Aber diesen Wirklichkeitsbericht brauchen wir, um weiterzumachen.
SPIEGEL: Herr Markowitsch, Herr Reemtsma, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Krank oder kriminell?
Seit Neurowissenschaftler wie der Bielefelder Hirnforscher Hans Markowitsch, 58, behaupten, der Mensch habe keinen freien Willen, herrscht Unruhe in der Welt der Juristerei: Sind Verbrecher für ihre Taten dann überhaupt verantwortlich zu machen? Markowitsch, Professor für Physiologische Psychologie, begutachtet unter anderem vor Gericht Zeugen auf ihre Glaubwürdigkeit. Am 16. August erscheint im Campus-Verlag sein Buch: "Tatort Gehirn. Auf der Suche nach dem Ursprung des Verbrechens". Mit der gesellschaftlichen Theorie und Geschichte der Gewalt beschäftigt sich der Philologe und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma, 54. Öffentlich bekannt wurde der Gründer und Stifter des Hamburger Instituts für Sozialforschung durch die beiden von ihm initiierten Ausstellungen zu den Verbrechen der Wehrmacht. 1996 wurde er Opfer einer Entführung. Gemeinsam mit dem Verfassungsrichter Winfried Hassemer schrieb er das im Verlag C. H. Beck erschienene Buch: "Verbrechensopfer. Gesetz und Gerechtigkeit".
Das Gespräch moderierte die Redakteurin Beate Lakotta.
Von Beate Lakotta

DER SPIEGEL 31/2007
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