27.08.2007

IRAN

Al-Qaida gegen Mullahs

Teheran hat einen neuen Staatsfeind Nummer eins. In der Provinz Sistan-Belutschistan im Südosten des Landes gewinnt die Rebellengruppe Dschundallah (Armee Gottes) zunehmend an Einfluss. Ihr Anführer ist Abd al-Malik Rigi, 24. Er gehört der Glaubensrichtung der Sunniten an, die sich von der schiitischen Mehrheit in Iran unterdrückt fühlen, und kämpft angeblich für die Rechte der Belutschen. Die leben im ländlichen Südosten an der Grenze zu Afghanistan und Pakistan. In der Vergangenheit hatte die Gruppe Anschläge auf Soldaten und Regierungsvertreter verübt und die iranische Öffentlichkeit mit Geiselnahmen und Exekutionen vor laufender Videokamera schockiert. Einen Höhepunkt erreichte der Terror am vorvergangenen Wochenende mit dem Überfall auf einen Reisebus und der Verschleppung von mindestens 21 Geiseln über die grüne Grenze nach Pakistan. Bei der Befreiung durch pakistanische Sicherheitskräfte gab es mehrere Tote und Verletzte.

In iranischen Sicherheitskreisen gilt Dschundallah längst nicht mehr als eine provinzielle Freischärlerbande, die von Entführungen und Drogenhandel lebt. Teheran sieht in Rebellenführer Rigi den Statthalter des Terrornetzwerks al-Qaida in Iran. Zu den Indizien zählt, dass die Organisation Unterstützung von sunnitischen Sympathisanten in Pakistan erhält, die eng mit den Taliban und Qaida-Kämpfern paktieren. Abd al-Malik Rigi wurde in einer pakistanischen Koranschule ausgebildet und soll später an der Seite der afghanischen Fundamentalisten gekämpft haben. Wie die sunnitischen Taliban und al-Qaida geißelt auch Rigi die Schiiten in seinen Reden als "kuffar", als Ungläubige. Bei al-Qaida und den Taliban sind die Schiiten verhasster noch als Christen und Juden.

Teheran beunruhigt der Terror der Extremisten auch deshalb, weil ein Ultimatum abläuft, das die Qaida dem Mullah-Staat gestellt hat. Abu Omar al-Baghdadi, Führer der irakischen Qaida-Filiale und selbsternannter Emir eines "Islamischen Staats Irak", hatte Anfang Juli in einer Tonbandansprache "den persischen Ungläubigen" mit einem "brutalen Krieg" gedroht, falls sie weiter die von Schiiten dominierte Regierung in Bagdad unterstützten. Um den Dschundallah-Kämpfern den Rückzug nach Pakistan zu erschweren, soll die Grenze im Rebellengebiet nun mit einem millionenschweren Sofortprogramm gesichert werden.


DER SPIEGEL 35/2007
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