15.10.2007

RELIGIONGottes Richter

Wo war Gott? Wie konnte er den Holocaust zulassen? Solche Fragen stellen sich die Überlebenden der Konzentrationslager immer wieder. In dem Buch "Das Heilige Nichts. Gott nach dem Holocaust" schreiben Herausgeber Tobias Daniel Wabbel und 18 prominente Autoren wie Kardinal Karl Lehmann, Hans Küng und Ralph Giordano über Religiosität nach dem Völkermord an den Juden. Giordano, der von den Nazis verfolgt wurde, lehnt es ab, Auschwitz einen übernatürlichen Sinn zu geben: "Glaube, Religion, sie können es nicht erklären, ohne Hitler zum Werkzeug Gottes zu machen." Wo Gott gewesen sei, fragte auch Papst Benedikt XVI. in einer Rede, die er in Auschwitz hielt und die in dem Buch nachgedruckt wird. Eine Antwort hat er nicht: "Wir können in Gottes Geheimnis nicht hineinblicken - wir sehen nur Fragmente und vergreifen uns, wenn wir uns zum Richter über Gott und die Geschichte machen wollen." Wabbel fasst zusammen: Die Frage sei nicht, ob der Mensch noch an Gott, sondern ob Gott noch an den Menschen glauben könne.
Tobias Daniel Wabbel (Hg.): "Das Heilige Nichts. Gott nach dem Holocaust". Patmos Verlag, Düsseldorf; 292 Seiten; 24,90 Euro.

DER SPIEGEL 42/2007
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