03.12.2007

MEDIZIN„Sie war unsere Beste“

Sie rettete Leben, therapierte aidskranke Kinder, erhielt gar einen Medizinerpreis: Viereinhalb Jahre praktizierte Cornelia E. dank gefälschter Zeugnisse an der Hamburger Uni-Klinik, jetzt droht ihr Knast. Der Fall hat eine Diskussion über die ärztliche Vorprüfung ausgelöst. Von Bruno Schrep
Mit welchem Aminosäurerest eines Glykoproteins sind in der Regel Oligosaccharide ß-N-glykosidisch verknüpft?" Die Hamburger Medizinstudentin Cornelia E., damals 22 Jahre alt, starrt auf den Fragebogen, schüttelt den Kopf. "O Gott", flüstert sie, "das wird wieder nix."
Cornelia E. schwitzt. Ihr ist übel. Sie muss sich schnell zwischen fünf Möglichkeiten entscheiden. Handelt es sich um Serin, um Threonin oder um Asparaginsäure? Oder, verdammt noch mal, um Asparagin oder Glutamin?
Weil sie die richtige Antwort (Asparagin) nicht weiß, rät sie, streicht Möglichkeit B an, Threonin. Guckt auf die Uhr. Wird noch unruhiger. Denn auch bei der nächsten Frage wird sie raten müssen: "Wie nennt man den Mechanismus, bei dem im Rahmen der Stoffwechselregulation die Aktivität eines Enzyms durch Phosphorylierung eines Serinrestes verändert wird?"
Drei Stunden später an diesem April-Dienstag 1997 ist die schriftliche ärztliche Vorprüfung, das sogenannte Physikum, für Cornelia E. vorbei. Zweimal ist sie schon durchgefallen, dieser dritte Test war ihre letzte Chance. Sie ahnt, dass sie erneut versagt hat. Und sie weiß: Wer dreimal nicht besteht, darf in Deutschland nicht weiter Medizin studieren.
November 2007. Cornelia E., inzwischen 33, kastanienbraunes, schulterlanges Haar, freundliches, rundes Gesicht, sitzt niedergeschlagen in einer Hamburger Anwaltskanzlei, lässt sich aufzählen, wegen welcher Tatbestände die Staatsanwaltschaft gegen sie ermittelt: Urkundenfälschung, Betrug, Körperverletzung. Delikte, die mit hohen Gefängnisstrafen geahndet werden können.
Zehn Jahre lebte die junge Frau mit einer Lüge: Sie fälschte Zeugnisse und Urkunden, beschummelte Lehrer und Kollegen, belog selbst ihre engsten Angehörigen. Und praktizierte jahrelang auf der Kinderstation der renommierten Hamburger Universitätsklinik Eppendorf.
Sie war anerkannt und beliebt, galt als hochqualifiziert, als eine Frau, die ihren Beruf mit Hingabe und Begeisterung ausübte. "Sie war unsere Beste", urteilt ein ehemaliger Vorgesetzter.
Ihr Fall hat einmal mehr eine Diskussion über die Medizinerausbildung in den ersten Semestern und, vor allem, über Sinn und Unsinn der ärztlichen Vorprüfung ausgelöst, die jedes Jahr neu von Tausenden Studenten verflucht wird. Insbesondere der schriftliche Test, bei dem 320 Fragen zu den Komplexen Chemie, Physik, Anatomie und Psychologie beantwortet werden müssen, ist umstritten. Auch deshalb, weil das angewandte Multiple-Choice-Verfahren - eine von fünf Antwortmöglichkeiten ist richtig und muss angestrichen werden - selbst gutvorbereitete Studenten oftmals verwirrt.
"30 Prozent der Fragen sind für den Arztberuf völlig überflüssig", urteilen Kritiker des Ausbildungssystems wie der Berliner Medizinprofessor Walter Burger. Abgefragt werde auswendig gelerntes theoretisches Wissen, das ohne Praxisbezug ganz fix wieder vergessen werde, außerdem den Studenten die Lust am Lernen vermiese.
Cornelia E. bereut schon im ersten Semester, dass sie auf dem Gymnasium die Fächer Physik und Chemie vorzeitig abgewählt hat. Sie kann den Vorlesungen in diesen Disziplinen nur schwer folgen, fühlt sich in den überfüllten Hörsälen in ihre Schulzeit zurückversetzt. Das hat sie sich alles anders vorgestellt.
Dabei will sie unbedingt Ärztin werden. Der menschliche Körper, seine Funktionen und Komplikationen haben sie schon als Schülerin interessiert. Als ihr älterer Bruder fast an einer Hirnblutung stirbt, nur durch eine schnelle Operation gerettet wird, steht ihr Berufswunsch endgültig fest.
Deshalb kämpft sie sich trotz Anfangsschwierigkeiten die vier Semester bis zum Physikum durch. Sie vertieft sich in der Hamburger Uni-Klinik in den Aufbau des Gehirns, der sie fasziniert, scheut sich auch nicht wie andere Kommilitonen vor anatomischen Studien an Leichen, paukt Theorie für die Vorprüfung.
Dass sie beim ersten Mal durchfällt, verharmlost sie als eine Art Betriebsunfall. Okay, sie hat halt kein Händchen für dieses verflixte Multiple-Choice-Verfahren, kann mit diesen verqueren Fragen und diesen komplizierten Lösungen oft nichts anfangen, kreuzt generell das Falsche an. Aber wenn sie noch intensiver büffelt, tröstet sie sich, werde es beim zweiten Versuch schon klappen.
Von wegen. Die geforderten 60 Prozent richtiger schriftlicher Antworten packt sie wieder nicht. Erneut rächt sich, dass sie gerade in Physik und Chemie zwar viele Formeln auswendig gelernt, aber nicht kapiert hat - und deshalb auf variierte Fragen nicht flexibel reagieren kann. Prompt gerät sie unter gewaltigen Druck.
"Willst du nicht doch was anderes studieren?", fragt der Vater, ein pensionierter Personalchef, gewohnt, Menschen nach Leistungen zu beurteilen. "Conny, andere schaffen das doch auch", wundert sich eine Freundin, nährt die Selbstzweifel, die ohnehin längst an Cornelia E. nagen.
"Mir saß die Angst im Nacken", erinnert sie sich heute an die Wochen vor dem dritten Versuch. Sie ist total blockiert. Versucht zu lernen, kann sich nichts merken. Schläft kaum noch. Wird von einem Gedanken beherrscht: "Du musst es schaffen."
Zwei Tage nach der Prüfung guckt sie ins Internet, wo die richtigen Antworten veröffentlicht sind: Zehn Punkte fehlen. Wie soll sie es den Eltern sagen? Wie den Freunden? Was antworten, wenn die Kommilitonen fragen? Den Brief von der Universität, in dem ihr die fällige Exmatrikulation mitgeteilt wird, versteckt sie vor ihrem Freund.
Das Ende ihrer Hoffnungen mag sie weder sich selbst noch anderen eingestehen. Um ihr Scheitern zu kaschieren, erzählt sie überall, sie habe bestanden. Sie bringt sich damit selbst unter Zugzwang. Und beschließt nach ein paar Wochen quälender Unschlüssigkeit, einfach weiter zu studieren, als wäre nichts passiert.
"Ich wusste nicht, was ich stattdessen machen sollte", sagt sie heute, "ich konnte ja sonst nichts. An spätere Konsequenzen hab ich da noch nicht gedacht."
Der Schwindel wird ihr leichtgemacht. Die Meldung über ihren Ausschluss bleibt in der Bürokratie der Uni-Klinik hängen, gelangt nicht, wie sie befürchtet, bis ins Studentensekretariat. Cornelia E. wird weiter zu Kursen eingeteilt, in Arbeitsgruppen vermittelt. Niemand schöpft Verdacht, wenn die junge Frau wie selbstverständlich Seminare besucht, zu Visiten an
Krankenbetten auftaucht, als Tutorin Studienanfänger betreut.
Das praktische Studium macht ihr jetzt richtig Spaß. Sie reist zu Praktika nach Australien, Südafrika und in die Schweiz, die Flüge finanziert sie sich als Kartenabreißerin bei Pop-Konzerten und als technische Hilfskraft bei der Ärztekammer.
Im Praktikum assistiert sie bei Operationen, analysiert Röntgenbilder, stellt Diagnosen, entwickelt Therapien. An der Universität sammelt sie über 20 Scheine, besteht mündliche und schriftliche universitätsinterne Prüfungen, unter anderem in Mikrobiologie, Hals-Nasen-Ohren-Medizin und Kinderheilkunde. Die staatlichen Prüfungen lässt sie notgedrungen aus: Im Landesprüfungsamt würde auffallen, dass sie längst exmatrikuliert ist.
Klar ist jedoch: Ohne Staatsexamen kann sie sich nirgends bewerben. Ohne Staatsexamen waren sechs Jahre Studium vergebens, war die ganze Plackerei umsonst. Im November 2002 schiebt sie deshalb alle Bedenken und Skrupel beiseite. Innerhalb weniger Stunden fälscht sie sämtliche erforderlichen Prüfungsunterlagen und Examenszeugnisse: Sie kopiert heimlich die Originalurkunden eines befreundeten Arztes, überklebt Daten und Noten mit weißem Papier, setzt ihren Namen und andere Noten ein und kopiert erneut - fertig. Sie hat den Weg in die Kriminalität genommen.
Cornelia E. bewirbt sich als Ärztin an der Uni-Kinderklinik. Und obwohl sie ihre Fälschungen "total dilettantisch" findet, wird sie genommen. "Mit diesen Bewerbungsunterlagen hätte ich Frau E. auch eingestellt", verteidigt Klinikdirektor Jörg Debatin hinterher die Mitarbeiter der Personalabteilung.
Um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, sucht Cornelia E. nach Rechtfertigungen. Werden nicht alle möglichen Pfeifen als Ärzte eingestellt? Hat es beim Studium nicht gewimmelt von wenig engagierten Menschen, für die Medizin nur ein Brotberuf ist wie jeder andere und keine Herzensangelegenheit wie für sie? "Ich war verblendet. Ich dachte, ich hole mir nur das, was mir zusteht", erinnert sich Cornelia E. "Ich glaubte, ich hätte mir das verdient."
In der Immunambulanz der Kinderklinik, ihrer ersten Station, wird die Assistenzärztin täglich mit viel Elend konfrontiert: Die meisten ihrer rund 50 Patienten zwischen vier Wochen und 18 Jahren sind mit HIV infiziert, kämpfen gegen schwerste Infektionen; sind mit Herpes-Blasen übersät, kriegen Atemwegsentzündungen nicht weg, wiegen viel zu wenig.
Schnell fällt im Kollegium auf, dass die Neue leicht das Vertrauen der Kinder gewinnt. Sie nimmt sich Zeit, lacht viel, überwindet bei den vielen Patienten, die kaum Deutsch sprechen, spielerisch die Sprachbarriere. Und sie versteht es vor allem, den oft misstrauischen und verschreckten Kranken die Angst zu nehmen: Sie achtet darauf, dass die Kinder während der Untersuchung auf dem Schoß der Mutter sitzen, spart Unangenehmes wie Spritzen oder Blutentnahmen bis zum Schluss auf.
Sie hat es fast nur mit schwierigen Fällen zu tun, medizinisch und menschlich. Kindern mit komplizierten Organtransplantationen, drogenabhängigen Müttern, verzweifelten Vätern. Sie erweist sich auch im Nachtdienst als nervenstark, gilt bei Kollegen und Vorgesetzten bald als kompetent und belastbar. Als Ärztin, die schnell und allein Entscheidungen treffen kann.
Beispiel Notaufnahme: Ein vierjähriger Junge wird bewusstlos eingeliefert, die schwangere Mutter läuft weinend und schreiend hinter der Trage her. Cornelia E. diagnostiziert eine seltene Form der Hirnhautentzündung, die innerhalb kurzer Zeit zum Tode führen kann. Sie verordnet sofort eine hohe Dosis Antibiotika und veranlasst die Verlegung auf die Internsivstation. Das Kind überlebt.
Beispiel Intensivstation: Ein zweijähriger Junge erleidet nach einer Nieren- und Lebertransplantation plötzlich einen Herzstillstand, droht zu sterben. Cornelia E. lässt Sauerstoff zuführen, rettet den Jungen zusammen mit einer Schwester durch eine Herzdruckmassage.
In der Hektik des Klinikalltags vergisst sie für kurze Zeit, dass ihre Existenz auf einer Lüge gründet, die irgendwann auffliegen wird. Die Furcht vor Entdeckung, die sie nachts manchmal nicht schlafen lässt, die sie auch am Tag oft überfällt, betäubt sie mit Geschäftigkeit.
Sie sammelt Spenden zugunsten kranker Kinder, hält an Schulen und bei Vereinen Vorträge über Aids-Vorsorge, unterrichtet angehende Krankenschwestern im Fach Kinderheilkunde. Und, was an einer Universitätsklinik besonders zählt: Sie holt sich Forschungsaufträge, brütet oft noch nach Schichtende und an dienstfreien Wochenenden über Untersuchungsergebnissen, veröffentlicht Berichte über Krankheitsverläufe. Für eine Studie über die Behandlung erblich bedingter Leberschäden bei Kindern erhält sie 2006 den Paul-Caspar-Tyrell-Preis.
An der Uni ist man jetzt richtig stolz auf sie. Professor Kurt Ullrich, Chef der Kinderklinik, bekannt als kritischer Wissenschaftler, gratuliert persönlich. Sein Urteil über die junge Kollegin: "Eine vorbehaltlos gute Medizinerin."
Cornelia E. schreibt bereits an ihrer Doktorarbeit, als in regelmäßigen Abständen Briefe von der Hamburger Ärztekammer eintreffen. Sie solle doch, heißt es in immer dringlicherem Ton, nach drei Jahren endlich mal das Original ihrer ärztlichen Zulassung, die Approbationsurkunde, vorlegen.
Cornelia E. ist ratlos. Es gibt kein Original. Sie schickt erneut eine Kopie der Fälschung. Zahlt, weil die nicht akzeptiert wird, eine Geldbuße. Hofft insgeheim, dass es damit sein Bewenden haben möge. Und fühlt sich sehr einsam.
Wem soll sie sich anvertrauen? Dem neuen Lebensgefährten, einem Arzt? Besser nicht. Einem Vorgesetzten in der Klinik? Schwer vorstellbar. Den Eltern, die sie so bewundern? Undenkbar.
Manchmal erwägt sie, einfach abzuhauen: Koffer packen, Konto plündern, weg. Oder, noch einfacher, eine Überdosis Tabletten zu schlucken.
Als die Ärztekammer im August eine letzte Frist setzt, gerät Cornelia E. in Panik. Sie gibt sich als ihre Schwester aus, schreibt
in deren Namen eine Mail, wonach sie schwer erkrankt sei. Als die Kammer trotzdem nicht lockerlässt, setzt sie in ihrer Hilflosigkeit noch einen drauf: Ärztin E., meldet sie in einer weiteren Mail, sei leider verstorben.
Der Rest ist Formsache. Die Ärztekammer informiert das Landesprüfungsamt, die Sachbearbeiter dort alarmieren die Klinik. Als Cornelia E. nach einem Nachtdienst zum Uni-Direktor zitiert wird, weiß sie, dass sie alles verloren hat: ihren Ruf, ihren Beruf, ihre Zukunft. Und, wenn es hart kommt, ihre Freiheit.
Jede von ihr verabreichte Spritze, jede von ihr gelegte Infusion, jede von ihr verschriebene Pille gilt rechtlich als Körperverletzung. Dass sie viereinhalb Jahre lang rund 5000 Patienten ohne Beanstandung behandelte und dabei offenbar keinen Schaden anrichtete, spielt vor dem Gesetz keine Rolle - könnte sich aber, hofft ihr Hamburger Verteidiger Otmar Kury, beim bevorstehenden Prozess strafmildernd auswirken.
Für den Anwalt ist seine Mandantin eine tragische Figur, eine Frau, die sich wegen ihres leidenschaftlichen Berufswunsches und aus Angst vor Entdeckung immer tiefer verstrickte: "Sie verdient Mitleid."
Und in der Tat ist ihr Verhalten nicht vergleichbar mit den Hochstapeleien anderer Medizinbetrüger wie etwa dem mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilten Postboten Gert Postel, der als falscher Amtsarzt Dr. Dr. Bartholdy zahlreiche Gutachten erstellte und jahrelang Juristen und Mediziner narrte. Hauptschüler Postel agierte zwar auch mit gefälschten Papieren, hatte aber nie studiert.
Seit sie suspendiert ist, seit Staatsanwälte in Krankenakten der Hamburger UniKlinik nach möglichen Kunstfehlern stöbern, erfährt Cornelia E. fast täglich Rückendeckung.
Die Schwestern und Ärzte der Krebsstation haben ihr einen Brief geschickt: "Wir haben dich als Ärztin und Mensch schätzen gelernt", steht da, und alle haben unterzeichnet. "Bitte machen Sie sich weiter gegen HIV und für kranke Kinder stark", fordert die Mutter eines an Aids erkrankten Sohnes.
Cornelia E. sei "fachlich kompetent, teamfähig, einfühlsam", lobt selbst der von ihr getäuschte Klinikdirektor Debatin. "Zumindest wir Mediziner wissen, dass Physikum und Staatsexamina als Prüfungen für gute Ärzte ungeeignet sind", schreibt eine Kollegin aus der Klinik.
Zumindest tun sich viele damit schwer. Von den rund 10 000 Medizinstudenten, die pro Jahr am Physikum teilnehmen, fällt jeder Fünfte durch. Viele nehmen einen zweiten Anlauf. Auf einen dritten Versuch, wie Cornelia E., verzichten die meisten. Sie geben entnervt auf.
Walter Burger, Hochschullehrer an der Berliner Charité, hält diese Art von Lehre und Selektion für ungeeignet. Jahrelang begleitete der Professor einen Reformstudiengang, bei dem die Medizinstudenten schon in den ersten vier Semestern mit Kranken und deren Beschwerden konfrontiert werden. Grundlagenwissen in Fächern wie etwa Biochemie oder Physiologie wird unmittelbar bei der Behandlung von Patienten vermittelt. Das Physikum entfällt.
Die derzeit übliche Ausbildung der Erstsemester - vorwiegend abstrakte naturwissenschaftliche Vorlesungen mit anschließendem Leistungsnachweis durch die ärztliche Vorprüfung - begünstigt nach Burgers Ansicht vor allem Technokraten und schematisch denkende Menschen. Studenten, die zum Lernen Zusammenhänge brauchten, fielen dagegen oft durch den Rost.
Cornelia E. hat sich dagegen gewehrt, durch den Rost zu fallen. Doch nun, bilanziert sie resigniert, stehe sie "vor einem Trümmerhaufen". Zwar könnte sie an deutschsprachigen Universitäten in Ungarn noch einmal versuchen, Medizin zu studieren, drei Fehlversuche beim Physikum sind dort kein Hinderungsgrund. Doch selbst wenn alles glattliefe, wäre sie am Ende 40.
Alternativen? Ein Pharmazieunternehmen hat ihr angeboten, die Wirkungsweise neuer Medikamente an Testpatienten zu dokumentieren. Ein Verlag fragte an, ob sie medizinische Fachartikel für Wartezimmerbroschüren verfassen wolle. Ihre Doktorarbeit über Lebertransplan-tationen im Kindesalter, die bereits zu 70 Prozent fertig ist, will sie nicht zu Ende schreiben. "Macht keinen Sinn mehr", sagt sie.
Eine Änderung der Prüfungsordnung für Ärzte, beispielsweise die Abschaffung oder Modifizierung des Physikums, steht nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums in absehbarer Zeit nicht zur Debatte.
Von Bruno Schrep

DER SPIEGEL 49/2007
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