03.03.2008

PROPAGANDAKUNSTAchtet mir die Meister

Kaum hat sich in Leipzig die Aufregung um den besten Platz zur Wiederaufstellung des Karl-Marx-Reliefs, eines schweren Bronzestücks im Stil des Sozialistischen Realismus, beruhigt, droht in der Stadt auch schon der nächste Denkmalstreit. Das Schicksal wollte es, dass Leipzig seinen berühmten Tonmeister Richard Wagner seit 125 Jahren und trotz mehrerer vielversprechender Anläufe nie mit einem angemessenen Denkmal geehrt hat; zwei Weltkriege und das DDR-Regime haben geholfen, die Ehrung zu verhindern. Wenn es nach der örtlichen Denkmalbehörde geht, wird der noch in NS-Zeiten von Bildhauer Emil Hipp konzipierte, allerdings nie realisierte Denkmalentwurf anlässlich Richard Wagners 200. Geburtstag im Jahr 2013 aufgestellt. Eine Einigung ist vorerst nicht in Sicht: Denkmalpfleger und Befürworter Wolfgang Hocquél erklärt das neoklassizistische Werk zu "einer phantasievollen, allegorischen Bildhauerarbeit von zeitloser Ästhetik" - wohingegen der Leipziger Kunstprofessor Frank Zöllner darauf verweist, dass einige der vorgesehenen Reliefs in zeitgenössischen Quellen als Symbole für "Kraft, Ewigkeit und Zuversicht der nationalsozialistischen Jugend" gerühmt werden.

DER SPIEGEL 10/2008
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