31.03.2008

NIEDERLANDE„Ich hasse diese Ideologie“

Der rechtspopulistische Politiker Geert Wilders, 44, über seinen Feldzug gegen den Islam
SPIEGEL: Sie haben soeben den lange angekündigten Film gegen den Koran veröffentlicht. Regierungschefs der EU haben bereits darüber diskutiert, in Afghanistan brannten schon niederländische Flaggen. Haben Sie Ihr Ziel zu provozieren erreicht?
Wilders: Die politische Elite hat eindrucksvoll demonstriert, dass sie aus dem Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen nichts gelernt hat. Sie geht vor den Islamisten in die Knie. Unsere Regierung entwirft zum Beispiel Evakuierungspläne für ihre Vertretungen im Ausland. Das ist eine Botschaft an militante Muslime, die danach schreit, sich selbst zu erfüllen.
SPIEGEL: Sie berufen sich auf das Recht der freien Meinungsäußerung. Aber Sie fordern ein Verbot des Korans. Verstößt das nicht gegen das Gebot der Toleranz gegenüber Andersgläubigen?
Wilders: Für mich ist der Islam eine Gesellschaftsvision, die vom Erbrecht bis zum Strafrecht alle zwischenmenschlichen Dinge regelt. Diese Ideologie ist eine Gefahr für unsere Werte. Ich hasse sie, ich hasse nicht die Muslime.
SPIEGEL: Ist ihr Vergleich des Koran mit Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" nicht völlig unangemessen? Damit liefern Sie doch den radikalen Imamen ein perfektes Feindbild.
Wilders: Ich will eine Diskussion anregen. Ein Teil der Koran-Verse motiviert Gläubige dazu, die abscheulichsten Gewalttaten zu begehen. Wo ist denn der Imam, der in den Niederlanden aufsteht und sagt, für uns sind Homosexuelle gleichberechtigt und jeder hat das Recht, den Glauben abzulegen?
SPIEGEL: Ihre Tiraden bringen doch die große Mehrheit gemäßigter Muslime und alle, die sich für eine Reform des Islam einsetzen, in große Verlegenheit.
Wilders: Gemäßigter Islam? Das ist ein Widerspruch in sich. Es wird wohl noch sehr sehr lange dauern, bis ein neuer Koran entsteht, so wie im Christentum das Neue Testament. Im Namen des Buddhismus oder des Christentums werden jedenfalls keine Anschläge verübt oder Homosexuelle verdroschen, so wie das täglich in Amsterdam passiert.
SPIEGEL: Aber die Kriminalität jugendlicher Immigranten hat doch mit Religion nichts zu tun.
Wilders: Stimmt, einen Koran tragen sie nicht unter dem Arm. Aber zu Hause steht er. Und ihre Väter gehen zur Moschee. Die sagen ihnen nicht, dass es verboten ist, Andersgläubige oder Frauen zu verprügeln. Deshalb müssen wir uns auch stärker für eine Art von Leitkultur einsetzen. Keine Monokultur, aber eine dominante Kultur, die sich aus unserem christlichen, jüdischen, humanistischen Erbe speist und die das islamische Problem beherrschbar machen soll. Das ist kein Nationalismus, sondern Patriotismus, das ist Stolz auf die eigene Kultur.
SPIEGEL: Sie haben mehrfach Dialog-Angebote muslimischer Verbände ausgeschlagen. Ihnen geht es doch vor allem um Wählerstimmen.
Wilders: Ich vertrete eine halbe Million Menschen, die sich über den Islam Sorgen machen. Ich bin Parteipolitiker, und dafür schäme ich mich auch nicht.

DER SPIEGEL 14/2008
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