31.03.2008

GESTORBENNikolai Portugalow

Nikolai Portugalow , 79. Eine deutsche Erzieherin brachte dem Sohn eines Intellektuellen in Rostow am Don die deutsche Kultur nahe. Seine Diplomarbeit am Moskauer Elite-Institut für internationale Beziehungen galt dem westdeutschen Grundgesetz. Er übersetzte Böll und Brecht. Später begleitete er seinen Kommilitonen, den Sowjetbotschafter Walentin Falin, als Korrespondent nach Bonn. Zurück in Moskau, warb Portugalow 1987 für einen "legitimen Nationalstolz" der Deutschen und sagte schon im Juni 1989 im SPIEGEL ein Ende der deutschen Spaltung voraus. In Falins Auftrag legte er zwölf Tage nach dem Mauerfall Kanzler Helmut Kohl ein Programm vor, das jener, zum Teil wörtlich, als "Zehn-Punkte-Programm" übernahm. Auf eigenes Risiko hatte Portugalow das Ziel Wiedervereinigung hinzugefügt. Der Kommunist Portugalow hoffte immer auf eine deutschrussische Symbiose, "die es uns ermöglicht, nach Europa zurückzukehren". Der Wein- und Literaturkenner Nikolai Portugalow, der nach dem Ende der UdSSR eine Monatspension von umgerechnet 20 Dollar erhielt, starb am 20. März in Moskau.

DER SPIEGEL 14/2008
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