14.04.2008

GEWERKSCHAFTENReform ist Chefsache

Zwischen der Gewerkschaft IG Metall und ihrem Dachverband, dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), ist es zu heftigen Auseinandersetzungen über die Neuausrichtung des DGB gekommen. So mahnt IG-Metall-Chef Berthold Huber an, der DGB müsse sich nach nunmehr zwölfjähriger Diskussion endlich an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Seit Mitte der neunziger Jahre ist die Zahl der DGB-Mitgliedsgewerkschaften durch Fusionen von 16 auf 8 geschrumpft. Seit Beginn des Jahrzehnts haben die im DGB organisierten Einzelgewerkschaften mehr als eine Million Mitglieder verloren, die Einnahmen sanken um 22 Prozent. Doch die Strukturen des DGB haben sich kaum geändert. Nach wie vor beschäftigt der DGB rund 900 Mitarbeiter, nach wie vor einen teuren Funktionsapparat in 88 Regionen, 14 Ländern und Bezirken sowie eine Bundesvertretung mit entsprechenden Vorständen und hauptamtlichen Mitarbeitern, die während teurer Kongresse gewählt werden müssen. Huber will nun bis zum Sommer ein eigenes Konzept entwickeln, wie er sich den DGB in Zukunft vorstellt und welche Aufgaben dieser wahrnehmen soll. Auch DGB-Chef Michael Sommer will ein solches Papier erarbeiten. Aus dem DGB heißt es, so etwas sei "keine Sache von Fremdbestimmung". Man dürfe sich "dafür nicht viel länger Zeit nehmen als die IG Metall". Groß scheint das Vertrauen in Sommers Fähigkeiten bei der IG Metall aber nicht zu sein. "So eine Reform ist eigentlich Chefsache", sagt Bertin Eichler, der Hauptkassierer der Gewerkschaft. "Und Chef ist Sommer bekanntlich lange genug."

DER SPIEGEL 16/2008
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GEWERKSCHAFTEN:
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