14.04.2008

TitelDie Firma

In der Siemens-Affäre haben Polizei und interne Ermittler inzwischen Tausende Belege ausgewertet. Sie stießen auf ein beispielloses Schattenreich der Korruption - und auf Spuren, die bis in die oberste Führungsspitze weisen. Was wusste der Vorstand wirklich?
Was gut sein soll an Bestechung? Schwer zu sagen. Bestechung ist schlecht. Bestechung ist verboten. Und weil meistens die Falschen das Schmiergeld kassieren, fette Diktatoren oder fade Direktoren, fehlen der Bestechung auch die Sympathieträger.
Es ist daher Frau Georgia O. aus Nigeria zu verdanken, dass die Sache nun nicht mehr ganz so deprimierend bleibt, zumindest nicht im größten Bestechungsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte, im Fall Siemens. Denn siehe da, auf Blatt 327 bis 329 im Asservat 10100-18 der Ermittlungsakte Siemens: Korruption kann wunderbar sein. Kann glücklich machen. Kann Leben schenken.
Es begab sich nämlich, dass Frau O. aus Nigeria sehnlichst ein Kind empfangen wollte, sie hatte es wieder und wieder versucht, aber jeden Monat die gleiche Enttäuschung: nicht schwanger. So beschloss sie, es mit Hilfe der Medizin zu probieren. Sie flog nach New York, und dort, an der Third Avenue, ließ sie sich bei Advanced Fertility Services behandeln, einem privaten Institut. Neun Monate später schenkte sie Zwillingen das Leben.
Was das alles mit Siemens zu tun hatte? Frau O. war die Frau eines früheren nigerianischen Staatssekretärs für Telekommunikation. Und als das Bayerische Landeskriminalamt die Belege durchsah, die ihre Fahnder Ende 2006 bei den Razzien an den Standorten München und Erlangen eingesammelt hatten, stießen sie auch auf einen merkwürdigen Bescheid. Eine Anweisung über 20 000 Dollar, eine "Provision" - so nannte man bei Siemens gern Schmiergeld.
Der Empfänger war ebenjenes Wunschkindinstitut in New York. Und der Verwendungszweck? "Mrs. Georgia O.s Medical/ Hospitalisation Charges". "Eine Fruchtbarkeitsbehandlung", übersetzte das ein früherer Nigeria-Manager von Siemens in seiner Vernehmung. Der Konzern hatte Frau O. also zu Kindern verholfen, offenbar damit ihr Mann Siemens Aufträge verschaffte.
Es gibt inzwischen nicht mehr viel, was die Ermittler eineinhalb Jahre nach Bekanntwerden dieses in jeder Hinsicht monströsen Korruptionsverfahrens noch staunen lässt. Tausende Schmiergeldanweisungen sind die Fahnder mittlerweile mit geständigen Siemens-Managern der korrupten Kommunikationssparte durchgegangen. Tausende Buchungen über schwarze Kassen von Moskau bis Vaduz. Tausende Überweisungen an Tarnfirmen in Steueroasen, wo schmutziges Geld fast spurlos verschwinden kann.
Die Münchner Ermittler fanden dabei beispielsweise einen Beleg, wonach Siemens mit Geld aus einer Bestechungskasse einen Detektiv angeheuert haben soll, um zwei unbequeme Betriebsräte auszuforschen. Sie fanden auch Rezepte für 30 Packungen des Blutdrucksenkers Lorzaar, die offenbar ein Siemens-Betriebsarzt in München verschrieben hatte - Bestechungspillen für nigerianische Entscheider, die der Betriebsarzt niemals untersucht hatte. Sie fahndeten und fanden, und je tiefer die Ermittler dabei bohrten, umso ungeheurer wurde es.
Bis es ihnen selbst anscheinend nicht mehr geheuer war. Wo war der harte Kern aus Anstand und Moral, auf den sie doch irgendwann einmal stoßen müssten, spätestens beim Zentralvorstand? Es liegen nun auch Papiere und Aussagen vor, dass es diesen harten Kern womöglich nicht gab, nicht mal bei "Mr. Siemens" selbst, Heinrich von Pierer, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden, Aufsichtsratschef und bis heute Wirtschaftsberater der Kanzlerin Angela Merkel.
Schon 2004 schickte der Anti-Korruptions-Beauftragte des Konzerns, Albrecht Schäfer, seinem Chef Pierer und mehreren Kollegen im Zentralvorstand einen Vermerk, wonach in Italien ein Gericht dem Konzern schwarze Kassen bescheinigt und Schmiergeldzahlungen als mögliche Unternehmensstrategie angeprangert hatte.
Mehr noch: Dem SPIEGEL liegen weitere Unterlagen vor, die den Verdacht nahelegen, dass Pierer persönlich in den siebziger und achtziger Jahren in das vermutlich größte Schmiergeldgeschäft der Unternehmensgeschichte eingebunden war - sagenhafte 400 Millionen Mark Bakschisch für den Bau von zwei Kernkraftwerken im iranischen Buschehr. Und: Der Siemens-Konzern soll nach Aussagen hochrangiger Ex-Manager seit Jahrzehnten aufs engste mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) verflochten sein, als technischer Hilfsdienst in allen Grenz- und Grauzonen des Agentenhandwerks.
Vernommen haben die Fahnder Pierer bis heute nicht, nicht mal als Zeugen, ebenso wenig den BND-Kontaktmann, Ex-Vorstand Volker Jung, obwohl der auch noch bis in das Jahr 2003 hinein die hochkorrupte Kommunikationssparte betreute. Liegt es daran, dass die Wahrheit den wichtigsten deutschen Technologiekonzern mit rund 400 000 Arbeitsplätzen und über 70 Milliarden Euro Jahresumsatz bis ins Fundament wanken lassen könnte? Und die Republik gleich mit?
Fest steht jedenfalls: Mit jedem Nicken der Zeugen und Beschuldigten aus den unteren Rängen verändert sich auch das Bild des Konzerns, zersetzt sich, löst sich auf.
Was die Fahnder stattdessen aus ihren Belegen und Aussagen zusammenpuzzeln, ist ein anderes Bild, ein schockierendes: eine ehrenwerte Gesellschaft auf Aktienrecht. Oben die alte Führung, eine Herrenrunde mit besten Beziehungen in Politik, Justiz und Geheimdiensten, die gesellschaftliche Verantwortung gelobt und dafür höchsten Respekt genießt. Und darunter der Apparat, der, in weiten Teilen gedeckt von der Führung, nach ganz anderen Regeln arbeitet, sich über das Gesetz stellt, in seiner eigenen Welt lebt. Einer Welt, in der es oftmals nicht danach geht, was Recht ist, sondern was Siemens recht ist.
"Jedem war klar, dass das, was wir hier tun, illegal ist", sagt da nun einer aus dem Apparat, der gestanden hat; ein anderer: "Wenn ich kam, handelte es sich um diskrete Zahlungen. Ich hatte keine andere Aufgabe." Oder: "Ich hatte nur die Wahl, entweder mitzumachen oder meinen Job zu riskieren." Oder: "In diesen Bereichen werden keine Fragen gestellt, sie würden auch nicht beantwortet werden."
Die Ermittlungsakte Siemens dokumentiert damit heute Blatt für Blatt eine verschworene Gesellschaft. Ihr Kitt: Tradition und Treue, ihr Aufstiegsprinzip: lange Zugehörigkeit, ihr Wahlspruch: Schweigen ist Geld. Es sind Grundsätze einer elitären Gemeinschaft, hemmungslos beim Beschaffen von Aufträgen. Skrupellos im Umgang mit Gegnern. Verschworen beim Vertuschen. Und im Führungskreis: Versiert darin, im richtigen Moment wegzuschauen.
Wer mitzog, wurde geschätzt und geschützt, und wer zur Gefahr wurde, entsorgt und versorgt. "Abfindungsbedingte Amnesie" heißt das Mundhalten unter Siemens-Pensionären. Und das alles sind nun mal Regeln, die denen einer anderen ehrenwerten Gesellschaft ziemlich ähnlich sind: der Mafia.
Die Krise: Was Siemens droht
Die schonungslose Wahrheit über Siemens steht heute, wo sie im Geschäftsleben meistens steht: im Kleingedruckten. Das Kleingedruckte befindet sich auf Einladungen des Konzerns, etwa für die Jahresauftaktveranstaltung der Siemens AG in der Region Nordbayern am 31. Januar. Der Vorstand Heinrich Hiesinger sprach in der Niederlassung Nürnberg über "Changes and Challenges", also über nichts Besonderes, aber im Kleingedruckten unten stand für die geladenen Bürgermeister, Landräte und sonstigen Honoratioren der bemerkenswerte Satz: "Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Siemens AG diese Einladung nicht mit der Zielerreichung ausgesprochen hat, Ihre geschäftlichen oder dienstlichen Handlungen zu beeinflussen oder auf andere Weise zu bewirken, dass Sie durch Ihr Tun oder Unterlassen Ihre gesetzlichen Pflichten verletzen, um Aufträge zu erhalten ..."
Es waren Worte der Peinlichkeit, noch dazu verbunden mit einem Hinweis auf das Strafgesetzbuch, Paragraf 331, Vorteils- annahme, es war eine Art Selbstdemütigung, denn in anderen Worten stand dort: Vorsicht. Diese Firma war bisher korrupt. Der Kontakt mit dieser Firma kann auch künftig zur Straffälligkeit führen. Wir weisen hiermit ausdrücklich darauf hin, um Strafrabatt wegen guter Führung zu bekommen.
Seit einigen Wochen laufen nämlich die Gespräche mit der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Siemens war 2001 an die US-Börse gegangen - ein Hasardeurakt, wie heute feststeht, denn nirgendwo sind die Aufseher schärfer. Es geht in Amerika nun um die Höhe der Strafgelder wegen Korruption und Bilanzfälschung, derzeitiger Schätzkurs: zwei Milliarden Dollar. Und es geht dort um mögliche Auftragssperren der öffentlichen Hand, die noch weit mehr Milliarden kosten können.
Um aber die SEC zu besänftigen, hat der Siemens-Aufsichtsrat bislang nicht nur einen Großteil seiner alten Führungsriege vor die Tür gesetzt, sondern auch die amerikanische Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton als Aufklärer ins Haus geholt. Die hat mit ihren Honorarrechnungen schon im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007 mehrere hundert Millionen Euro verdampfen lassen. Vor allem aber spürt sie inzwischen dubiosen Zahlungen in 50 bis 60 Ländern nach. In denen drohen Siemens noch mehr Sperren.
Und zu allem Überfluss hat Siemens ja nicht nur bestochen - nach derzeitigem Stand mit bis zu 1,3 Milliarden Euro, die an dubiosen Zahlungen abgeflossen sind. Der Konzern steckt auch noch tief in einer ganzen Reihe von Kartellverfahren: Frankreich, Japan, Polen, Norwegen, Türkei. Allein eines von ihnen, das der EU wegen Preisabsprachen bei Hochleistungsschaltanlagen, soll Siemens und seine Tochter VA Tech 419 Millionen Euro kosten, eines der höchsten EU-Bußgelder aller Zeiten.
So muss sich der Großkonzern nun ganz klein machen. Er muss um Absolution bitten, um Mitleid betteln, und er muss selbst etwas tun, wozu die Staatsanwaltschaft bisher nicht bereit ist: alte Könige guillotinieren, für einen klaren Schnitt mit der Vergangenheit. Für den 29. April, die kommende Aufsichtsratssitzung, arbeiten die Amerikaner von Debevoise an einem Zwischenbericht, der die Verantwortung von Heinrich von Pierer benennen soll. Außerdem die von Ex-Personalchef Jürgen Radomski, Ex-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger, des früheren Zentralvorstands für die Kraftwerkssparte, Uriel Sharef, und des ausgeschiedenen Aufsichtsratschefs Karl-Hermann Baumann.
Es geht um Informationen, die an Pierer und die anderen adressiert waren und mit denen sich heute Fragen nach einer Mitwisserschaft adressieren lassen. Von "erschreckenden Erkenntnissen" ist im heutigen Siemens-Vorstand die Rede, von einem "Spinnennetz" spricht man in der Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz.
Ein wenig ist es also nun so wie nach dem letzten Krieg: Die Jungen fragen die Alten: Was habt ihr gewusst? Und das in einem Konzern, der immer so patrizierhaft und patriarchalisch auftrat, als sei er nicht einfach nur ein internationales Großunternehmen, sondern deutscher Wirtschafts-Erbadel.
Das Unternehmen - gut vernetzt mit den Mächtigen und Geheimen
Es trifft die deutsche Weltfirma, eine deutsche Marke wie die Deutsche Mark, vergleichbar höchstens noch mit Daimler-Benz, nur 79 Jahre älter. Eine Firma, die das Kaiserreich elektrifizierte, die Strippen für seinen Aufstieg zur Großmacht zog. Die in zwei Weltkriegen deutsche Heere verkabelte und später die Wirtschaftswunderjahre unter Strom setzte.
Der Konzern war der Hauslieferant von so ziemlich allem, was "Bund" im Namen hatte, Bundespost, Bundesbahn und Bundeswehr. Und weil er fast alles herstellte, was mit Hightech zu tun hatte und Strom brauchte, war er auch der Hauslieferant des Bundesnachrichtendienstes für Spionagetechnik.
Bei Siemens an der Münchner Hofmannstraße saßen dafür die Spezialisten der ICM Voice & Data Recording, abgeschirmt vom Rest, eine Firma in der Firma, wie ein Ex-Vorstand sagt. Der langjährige Betreuer der Sparte im Zentralvorstand, Volker Jung, war bis zu seiner Pensionierung Ende 2003 Pullachs Verbindungsmann bei Siemens, ein Manager, der eine Aura abstrahlte, dass anderen in seiner Nähe kalt wurde.
Jung telefonierte aus seinem Büro gern über ein Zerhacker-Telefon, stellte bei Gesprächen mit Mitarbeitern schon mal die Rauschanlage an, benutzte wie auch Pierer die abhörsichere Version des Siemens-S-35-Handy.
Als einer von Jungs Nachfolgern schließlich zum Antrittsbesuch beim damaligen BND-Chef August Hanning erschien, forderte der den Siemens-Mann auf, die gute Zusammenarbeit mit einem Personaltausch noch auszubauen. Siemens suchte daraufhin einen Mitarbeiter, der zum Geheimdienst wechseln wollte, zwei BND-Kräfte sollten dafür zeitweilig bei Siemens anheuern, was nur daran scheiterte, dass von Siemens keiner gehen wollte.
In dem Zusammenhang will sich der Siemens-Manager auch an folgenden Satz des früheren BND-Chefs erinnern: "Sie müssen ihren Marktanteil da unten halten, wo er jetzt ist." Da unten, das waren die Golfstaaten, Siemens sollte aufpassen, dass dort nicht die Amerikaner und Franzosen mit Telefonanlagen ins Geschäft kämen.
Es gibt eigentlich nur einen guten Grund, warum Hanning das empfohlen haben sollte. Wirtschaftsförderung gehört nicht zu den Kernaufgaben eines Geheimdienstchefs, Spionage schon. Siemens lieferte Abhörtechnik für Geheimdienste in aller Welt - Russland, Ägypten, Oman - und kann sich von München aus in jede große Vermittlungsanlage einwählen, die das Unternehmen geliefert hat, zur Fehleranalyse. Dieser Einwahlschlüssel in der Hand des BND, und für die Geheimen erschlössen sich sonst unbekannte Welten. Außerdem reisten Siemens-Ingenieure beim Bau von Telefonanlagen an Orte, die nicht mal ein US-Spionagesatellit zu sehen bekommt, in Iran zum Beispiel.
So pumpte sich das Siemens-Selbstbewusstsein immer mehr auf. Es wuchs mit jedem Jahr Firmengeschichte, mit jeder Erfindung seiner Ingenieure, mit jeder der 1700 Standorte in fast 190 Staaten der Erde. Und bei jedem Deal mit dem Staat und seinen Mächtigen.
Vielleicht hat auch so viel Staatsnähe dazu geführt, sich als Firma herauszunehmen, was sonst nur ein Staat tun darf: Grenzen des Erlaubten zu verschieben.
Ende des Schweigens: Drei Insider packen aus
Die vielleicht größte Gefahr für ein mafiöses System ist der Buchhalter. Buchhalter sind ordentliche Menschen, sie sammeln Belege, und wenn sie Polizisten gegenübersitzen, neigen sie dazu, alles auszupacken. Im Fall der Festnetzsparte ICN von Siemens heißt der Buchhalter Heinz K., 57, aus einem kleinen Dorf im Allgäu. "Ich werde auf jeden Fall kooperieren", war der erste Satz, den er sagte; inzwischen hat er mit der Kripo so ziemlich jeden Beleg aus seiner Zeit im Siemens-Schattenreich besprochen.
Die wahrscheinlich größte Gefahr für ein mafiöses System ist allerdings, wenn außer dem Buchhalter auch noch der Schatzmeister sein Schweigen bricht, im Siemens-Fall Reinhard S., 57, der Organisator des ICN-Geflechts. S., zum Schluss Direktor im Konzern, baute seit 2000 das Kontensystem auf, über das Schwarzgeld an Geschmierte in aller Welt ging. Er ließ Scheinfirmen gründen, er schloss Scheinverträge ab, um eine enorme Menge an Scheinen aus der offiziellen Konzernkasse in die schwarzen Bestechungskassen abzuleiten - nach vorläufigen Berechnungen des Landeskriminalamts von 2001 bis 2006 fast 200 Millionen Euro.
Die garantiert größte aller denkbaren Katastrophen für ein mafiöses System ist aber, wenn neben dem Buchhalter und dem Schatzmeister auch noch einer der Clan-Fürsten redet. Michael K., von 2001 bis 2004 der Finanzvorstand der Festnetzsparte, hatte zwar seinem Schatzmeister freie Hand gegeben. Er kannte deshalb nicht alle Details des Systems, nur das grobe Ganze. Aber dafür hatte er das Ohr des Zentralvorstands eine Etage höher, besonders das von Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger. Und so belastet der kleine Fürst nun auch einige aus dem Kreis der Unberührbaren vom Wittelsbacher Platz in München. Schon ganz am Anfang sagte er: "Ich halte dieses scheinheilige gespielte Entsetzen, was vor allem durch die Konzernleitung kommuniziert wird, einfach nicht mehr aus."
Wenn es nach den Geständnissen der drei eine Erkenntnis aus der Ermittlungsakte Siemens gibt, dann, dass der Erfolg der Festnetzsparte des Unternehmens, mit der vor 160 Jahren alles begann, in den vergangenen 10 Jahren vor allem ein Erfolg auf Schmiergeld war. Kaum ein Großauftrag im Ausland kam ohne sogenannte Provisionen ins Haus. Und das ist nur die Festnetzsparte - auch die Mobilfunker von ICM schoben Geld an Entscheider in aller Welt durch. Bestochen wurde anscheinend auch in der Kraftwerks- und der Energieverteilersparte und auch in der boomenden Medizintechnik. Dort werden überall noch mehr Buchhalter, Schatzmeister und kleine Fürsten vermutet.
Das System: Schmiergeld rund um die Welt
Natürlich fragen sich jetzt alle, wie es so weit kommen konnte. Dabei ist die Antwort ziemlich einfach: Weil die Firma eigentlich immer schon so war. Weil Siemens schon seit Jahrzehnten geschmiert hat, so wie vermutlich viele Unternehmen im internationalen Großanlagenbau, nur dass Siemens mit seiner hohen Exportquote besonders anfällig für diese Art der Auftragsakquise war und besonders geübt darin. Mal floss Siemens-Geld bei Klärwerken in München, mal bei einem Krankenhaus in Wien, mal in Indonesien, mal in Spanien - und wer weiß deshalb schon, wann überhaupt zum allerersten Mal.
Im Jahr 1994, so steht es in seiner Aussage, wird Heinz K., der Buchhalter, von seinen beiden Chefs zu einem Gespräch gebeten. Ein verdienter Kollege sei ja nun in Rente gegangen, er solle doch bitte ein paar delikate Aufgaben übernehmen, insbesondere die Siemens-Vertretung in Innsbruck. Das Kerngeschäft von Siemens Innsbruck weist eine bemerkenswerte Monostruktur auf: die Betreuung eines Kontos bei der Raiffeisenbank Tirol. Von dort, das begreift der Buchhalter sofort, geht Bestechungsgeld in alle Welt, normalerweise 5 bis 10 Prozent der Auftragssumme, in der Spitze aber auch 30 Prozent.
Ohne Bestechung, davon sind die meisten in der Sparte des Buchhalters überzeugt, macht Siemens keinen Stich mehr - weil die Deutschen die technische Entwicklung verschlafen hatten. Und weil in einigen Ländern angeblich sowieso nichts geht ohne Geld-Doping: Indonesien, Vietnam, Thailand, ganz Arabien, weite Teile Afrikas, die Ex-GUS-Staaten, Iran und, und, und.
Es gibt da zum Beispiel diese Gepflogenheit in den Chefetagen russischer Telefongesellschaften, dass der Siemens-Vertreter um einen Auftrag verhandelt, und am Ende sagt der Generaldirektor nur noch: "Bitte nicht vergessen". Womit klar ist: 50 Prozent der Provision an den Herrn Generaldirektor, 40 Prozent an den Technischen Direktor, und bitte nicht vergessen: die 10 Prozent für den Hauptbuchhalter der Russen - der muss schließlich pünktlich die Auszahlung freigeben, damit Siemens nach der Lieferung sein Geld bekommt. Ohne Schmiergeld, sagte dazu ein Siemens-Vertriebsmann im Osten, machten eben andere das Geschäft; die Chinesen etwa, die schon mal den ganzen Vorstand eines Kunden zur Neujahrssause nach Hongkong geflogen hätten.
Auch in Nigeria, immer wieder Nigeria, wo der Diktator Sani Abacha in den neunziger Jahren eine eiserne Geschäftsregel aufgestellt hat: die Hälfte des Schmiergelds für mich. Um die restlichen Prozente dürfen sich bei einem Auftrag bis zu 30 Empfänger balgen.
Weil die Aufträge meistens Großaufträge sind, Millionensummen zwei- oder dreistellig, ist auch der Bedarf des Innsbrucker Kontos groß, und der eines zweiten Kontos bei der Raiffeisenbank in Salzburg noch größer. Das betreut K. etwa ab 1996 gelegentlich für seinen Kollegen Wolfgang R., wenn der in den Urlaub fährt. Daher weiß der Buchhalter auch, dass 75 bis 100 Millionen Euro im Jahr über Salzburg laufen. Dagegen ist selbst sein Innsbrucker Konto nur eine kleine Nummer: Darüber verschiebt er von 1994 bis zur Auflösung 1998 etwa 55 Millionen Euro, über ein zweites in Innsbruck, das von 1997 bis 1999 besteht, gehen gut 10 Millionen.
Es sind die Jahre, in denen das Schmieren noch leichtfällt. Natürlich ist Bestechung in den Ländern, in denen geschmiert wird, verboten, und natürlich ist diese Monetenschieberei unmoralisch - in den Händen eines Diktators wie Abacha wird aus Schmiergeld Blutgeld. Doch in Deutschland macht sich mit solchen Auslandsbestechungen bis 1999 niemand strafbar; sogar von der Steuer absetzen darf man sie, als nützliche Aufwendungen.
Bei Siemens hat man also bis dahin keine Skrupel; woher sollten sie auch kommen? In den Köpfen steckte immer schon das Siemens-Selbstbewusstsein, nicht irgendwo zu arbeiten, sondern bei einem Weltunternehmen. Besonders am größten Standort, in Erlangen, wo Siemens bereits in der Schule als die Firma galt, bei der man sich als Erstes bewarb. Wer es hineinschaffte, der war sich der Ehre bewusst und blieb.
Das erklärt, warum sich die Lebensläufe so ähneln, mit denen heute die Vernehmungsprotokolle beginnen: Die meisten haben schon ihre Lehre bei Siemens gemacht. Sie gingen nie weg, fühlten sich "von Anfang an als Siemensianer", wie einer den LKA-Beamten erklärte, und tun das immer noch. Eine nach außen verschlossene Familie.
Als "Kaminsystem" beschreibt der frühere Vorstand Thomas Ganswindt den Aufstieg bei Siemens, "von unten her wird man groß". Auch fast alle späteren Vorstände fingen so bei Siemens an, ganz klein. Sie fügten sich ein, fühlten sich ein, und wenn ein Vorgesetzter mit am Tisch saß, falteten sie artig die Hände. Der typische Anlass für Zug im Kamin war dann die Pensionierung des Vorgängers. Man übernahm den Stuhl, mit dem Stuhl die Aufgaben und mit den Aufgaben auch die Spezialaufgaben. So wie Heinz K., der Buchhalter.
Deshalb sind jetzt die, die es erwischt hat, auch nicht die Erfinder des Systems gewesen. Sie waren nur die Erben, gewöhnt daran, bloß nichts anzuzweifeln, schon gar nicht ihre Vorgänger. Zufrieden damit zu kuscheln und zu kuschen.
Wer sich daran nicht hielt, geriet dagegen in den Verdacht der Anarchie in einem Konzern, in dem schon die Mitgliedschaft in der IG Metall, so erzählen Gewerkschafter, als offener Widerstand galt und sich die Firmenspitze vorsichtshalber auch gleich noch eine Gewerkschaft hochpäppelte, die AUB. Mit rund 50 Millionen Euro aus der Konzernkasse gefüttert, neigte und nickte sie dafür brav dem Vorstand zu - das ist zumindest der Verdacht der Staatsanwaltschaft Nürnberg.
So uniformiert im Geiste, zog die Armee der Siemensianer dann in den Krieg, um Aufträge in aller Welt zu erbeuten. "Die Regierungen kommen und gehen, Siemens bleibt bestehen", beschreibt ein hochrangiger Ex-Manager die Hybris, die auch ihn selbst bald erfasste.
Das Problem für Heinz K., den Buchhalter, ist deshalb am Anfang auch kein moralisches, nur ein logistisches: Wie bekommt man so viel Geld von München auf die Konten nach Innsbruck oder Salzburg? Wie weiter nach Nigeria oder Moskau? Und wie um Himmels willen macht man das so korrekt, auf den Cent genau, dass alles seine schöne Ordnung hat? Mag ja sein, dass man Korruption betreibt, aber bitte auf Deutsch, also mit Antrag, Genehmigung, doppelter Unterschrift.
So begann ein Siemens-Korruptionsfall gewöhnlich mit einem Vermerk, dem sogenannten Grundsatzpapier "Provision für Kundenaufträge", auszufüllen vom Vertriebsmann, der das Geschäft hereingeholt hatte. Zu den Pflichtangaben gehörten: das Land, das Projekt, die Auftragssumme, die Provision und die Zahlungstermine.
Zwei Unterschriften brauchte das Papier in der Zentrale - striktes Vieraugenprinzip, wie immer bei Siemens: links der Techniker, der bestätigte, dass alles ausgeliefert wurde, rechts der Kaufmann, dass beim Geld alles stimmte.
Abgezeichnet wurde bevorzugt auf aufgeklebten gelben Post-it-Zetteln; die ließen sich hinterher bei Bedarf abziehen, um die Unterschriften wieder verschwinden zu lassen - so viel Vorsicht sollte schon sein. Doch weil Siemens nun mal eine Behörde mit Geschäftsbetrieb war, gab es irgendwann auf Formularen sogar den vorgedruckten Hinweis: "Hier gelben Zettel aufkleben!"
Auf das Grundsatzpapier folgte gleich das nächste Papier: der konkrete Zahlungsabruf. Noch ein paar Unterschriften einsammeln, dann konnte Heinz K. endlich zur Filiale der Deutschen oder Dresdner Bank am Münchner Promenadeplatz gehen und die Millionen abholen. Die zahlte er danach gleich wieder in München bei einer Verbindungsbank der österreichischen Raiffeisenbanken ein. Oder aber er fuhr selbst nach Innsbruck und Salzburg, den Kofferraum voller Bargeld. Von dort ging das Geld weiter auf Nummern- oder Namenskonten in aller Welt, manchmal auch an Siemens-Länderchefs, die es verteilten.
So ging das Jahr um Jahr. Dann aber starb Diktator Abacha 1998, angeblich an schwerer Überarbeitung, in Gegenwart von drei indischen Prostituierten, und in Nigeria begann eine harte Zeit für Siemens. Die neue Regierung setzte einen Untersuchungsausschuss ein. Dabei sickerte durch, dass Siemens die Preise meist um ein Mehrfaches überzogen haben soll. Vor der Haustür eines Siemens-Managers in Nigeria rotteten sich die Reporter zusammen. Nur weil er einem Mann, der sich "Prinz William" nannte und die richtigen Leute kannte, zehn Millionen Euro gegeben haben will, wie er jetzt aussagte, konnte Siemens die aufgebrachten Politiker wieder beruhigen.
Doch da war es schon zu spät: In der Schweiz ermittelten schon Staatsanwälte in der Abacha-Sache, und in der Schweiz konnte nicht mal Siemens Korruptionsermittlungen durch Korruption beenden. Die Staatsanwaltschaft Genf bat um Amtshilfe der österreichischen Kollegen. Es ging um Salzburg, so ein merkwürdiges Konto mit äußerst lebendiger Buchungstätigkeit.
Im Winter 2000/2001 erlaubten österreichische Gerichte den Ermittlern den Zugriff. Und auch eines der Innsbrucker Konten, die der Buchhalter betreute, sollten die Fahnder filzen dürfen.
Heinz K. und Wolfgang R., der Mann für Salzburg, alarmierten die Rechtsabteilung, mehr noch: die Anti-Korruptions-Abteilung, jene Einheit also, deren Aufgabe darin besteht, auf saubere Geschäfte zu achten, aber in den folgenden Jahren nach Zeugenaussagen auch immer wieder dabei geholfen haben soll, die schmutzigen Geschäfte sauber aussehen zu lassen. Umgehend erhielten die beiden Kassenwarte volle Deckung.
In München aber wird den Netz-Leuten klar: So kann es mit Österreich nicht weitergehen. Nicht nur wegen der Ermittlungen. Auch die Rechtslage hat sich geändert. Seit 1999 stehen auch Bestechungen im Ausland in Deutschland unter Strafe. Spätestens jetzt müsste man also eigentlich ganz aussteigen. Aber mit welchen Folgen? Auf "mindestens 40 Prozent" schätzt ein Vertriebsmann für Russland den Geschäftseinbruch, wenn man mit den schmutzigen Provisionen aufhört. Das habe doch keiner wirklich gewollt haben können, sagt er später in seiner Vernehmung.
Und einer will es auf keinen Fall: Direktor Reinhard S., der zum Schatzmeister des neuen Systems aufsteigen wird. Ersatz muss her, ein besseres System, schwerer zu durchschauen, aber leichter zu bedienen, also weitgehend ohne Bargeldtransporte. Eines Mittags, 2002, bittet ICN-Finanzvorstand Michael K., drei Abteilungsleiter zum Essen ins Restaurant "Alter Wirt" in Forstenried; als Fünfter erscheint Reinhard S. Die anderen beschließen: S. soll es machen, die Leiter von Revision und Rechnungswesen versprechen ihm wegzusehen.
So beginnt die große Zeit des Schatzmeisters. An seiner Seite: der Buchhalter Heinz K. Schließlich baut der Schatzmeister ein System auf, so riesig, dass er es allein nicht mehr bedienen kann.
Seine Spezialität wird der Berater-Scheinvertrag. Diese Methode, Schmiergeldempfänger als angebliche Siemens-Berater zu honorieren, gab es zwar auch vorher schon. Der Schatzmeister aber perfektioniert sie. Er schaltet Scheinfirmen im Ausland dazwischen; ihre einzige Aufgabe: die angeblichen Honorare an Tarnfirmen der Bestochenen zu verteilen. Die liegen bevorzugt dort, wo man über Hintermänner am wenigsten erfährt - in Steuerhinterzieherparadiesen wie etwa den British Virgin Islands. Von den Verteilerfirmen gibt es gleich mehrere, beispielsweise in Liechtenstein, in Dubai, in Singapur, in Monaco, von den Empfängerfirmen aber unzählige.
In den Belegen von Heinz K. tauchen Länder fast aller Längen- und Breitengrade auf - Südafrika, Saudi-Arabien und Senegal; Kasachstan, Pakistan, Vietnam, Iran; Serbien, Syrien, Libyen, Tunesien; auch EU-Länder: Portugal, Griechenland, Spanien.
Fast überall im Konzern wurde nun hemmungslos geschmiert, um die Umsätze zu halten oder zu steigern. Nicht nur bei den Netzwerkern, auch bei der Schwestersparte Mobilfunk, deren Schwarzgeldverteiler im schweizerischen Bäch und in Singapur saßen, oder bei der Medizinsparte, die vermutlich über Dubai und Zypern Mittel verschob, oder bei der Stromnetzsparte, die über Dubai Geld streute - so hatte es der Schatzmeister zumindest gehört. Doch in seinem Bereich Festnetz schoss das Geld mit einem solchen Druck durch die Kanäle, dass sogar er begann, die Kontrolle zu verlieren.
Da kamen plötzlich Nigerianer oder Libyer persönlich in München in der Siemens-Zentrale vorbei, mit der pittoresken Idee, sich für den Deutschland-Urlaub Taschengeld abzuholen; hektisch steckte man ihnen ein paar tausend Euro zu, damit sie Ruhe gaben. Andere wünschten sich einen Gesundheits-Check in einer Klinik in Wiesbaden, wieder andere bestellten bei Siemens in München Druckerpatronen aus dem Media Markt oder Tischwäsche von Karstadt.
Dazu die kleinen Gefälligkeiten, um die andere Abteilungen bettelten: Einmal will Reinhard S. auch für die Medizinsparte in Tschechien einen Schmiergeldauftrag erledigt haben. Und dann findet sich da heute noch ein Beleg in seinem Konvolut, der noch weniger mit dem Kerngeschäft des Schatzmeisters zu tun hatte: zwei Rechnungen eines Berliner Detektivbüros. Die, so erinnert sich der Schatzmeister, steckte ihm ein ICN-Kollege aus der Personalabteilung zu und bat um unauffällige Bezahlung. Offiziell bekam der Schnüffler das Geld für eine Konzeption zur Markteinführung von Security-Kommunikationsprodukten und -lösungen.
Soweit Reinhard S. das mitbekam, verbarg sich hinter dem Blabla aber etwas ganz anderes: das Ausspähen zweier Betriebsräte der IG Metall. Einer von ihnen, Heribert Fieber, hatte der Firma beim Abbau von Arbeitsplätzen viel Ärger gemacht - so viel, dass Siemens auch schon mal etliche Gigabyte Daten aus Fiebers Arbeitsrechner illegal ausgewertet hatte, nachdem eine Münchner Staatsanwältin, rein zufällig die Tochter eines Siemens-Direktors, eine Durchsuchung bei Fieber beantragt hatte. Siemens kommentiert heute die Detektivrechnung nicht.
Das größte Problem für den Schatzmeister wurden nun aber die Ermittler: Sie kamen immer näher, und sie kamen aus allen Richtungen. 2004 eröffnete Liechtenstein ein Geldwäscheverfahren gegen Reinhard S.; dort waren die hohen Ein- und Ausgänge mehrerer Geldverteilerfirmen aufgefallen, mit denen er arbeitete. Im Jahr 2005 ließ die Staatsanwaltschaft in Bozen die Siemens-Zentrale durchsuchen. Zunächst erfolglos - die wichtigsten Akten waren zuvor offenbar ausgelagert worden. Heinz K., als Buchhalter nicht der Nervenstärkste, bekam hinterher den Rat, besser nicht mehr ins Ausland zu reisen. Wer wisse schon, ob man da nicht länger bleiben müsse als gedacht.
Und auch die Staatsanwaltschaft München stieg nun in die Ermittlungen ein. Es gab Rechtshilfeersuchen aus der Schweiz und Italien, und es gab eine anonyme Anzeige. Nur noch ein Jahr, dann würde das System in die Luft fliegen, mit der Großrazzia der Münchner Ermittler am 15. November 2006 in der Landeshauptstadt und dem Siemens-Standort Erlangen.
Auch der kleine Fürst hat das nicht verhindern können. Noch am gleichen Tag saß auch Michael K. in U-Haft, als mutmaßlicher Drahtzieher einer kriminellen Bande in der Netzwerksparte.
Das fand der kleine Fürst nun allerdings ungerecht. Nicht, dass es ihn erwischt hatte. Aber dass es ihn allein erwischen sollte. Hatte er nicht sogar versucht, das hochdrehende System zu drosseln, um irgendwann sogar ganz den Aus-Knopf drücken zu können? Und waren nicht die da oben im Zentralvorstand, die nun so viel Abscheu wie Ahnungslosigkeit demonstrierten, die gleichen Herren, die in all den Jahren gnadenlos auf Umsatz, Umsatz, Umsatz gepocht hatten? Mehr noch: die, so meinte er zu wissen, selbst in die Schmiergeldpraxis eingeweiht waren?
Und so begann Michael K. zu reden und zu reden - und hörte erst auf, als er geliefert hatte, was er konnte: nämlich einen Vorstand ans Messer, den für seine Sparte zuletzt zuständigen Zentralvorstand Thomas Ganswindt. Der gestand ein, auch von den Praktiken gewusst zu haben, und erzählte noch mehr: Geschichten aus dem Zentralvorstand. Bis auch der große alte Mann von Siemens gefährlich nah an der Spitze der Klinge stand. Heinrich von Pierer, 67.
Mister Siemens: Pierers Aufstieg in einem Schmiergeldsystem
Als der Heinrich, den sie alle Heini nannten, acht Jahre alt war, hatte er einen besten Freund, den Claus, und der Claus hat einen besten Freund, den Heini, und außer sich selbst hatten die beiden nicht viel. Sie wohnten im gleichen Mietshaus, denn für mehr reichte das Geld in beiden Familien nicht; deshalb durfte auch das, was der Claus und der Heini zusammen machten, vor allem nichts kosten. Und am billigsten waren Späße, bei denen man sich besser nicht erwischen ließ.
Heute erinnert sich der Claus, wie sie damals Straßenlaternen mit Steinen kaputtwarfen, gleich im Dutzend, oder wie sie mal einem der vielen Siemens-Direktoren in Erlangen sein tönernes Rehkitz aus dem Vorgarten klauten und zum Zebra ummalten. Und dann kam der Tag, da kletterten sie den beiden alten Damen nebenan aufs Dach, wackelten am Schornstein, bis sie ein paar Steine freigerüttelt hatten. Und schwups, flogen die Steine durch den Kamin nach unten.
Es war dieser Tag, an dem der Claus sehr viel lernte über den Heini, aus dem mal ein ganz Großer werden sollte: Heinrich von Pierer, der Mann, der wie kein anderer nach dem Krieg Siemens prägen würde, als Vorstandsvorsitzender von 1992 bis 2005, als Aufsichtsratschef von 2005 bis 2007. Und der auch die Verantwortung für das Unternehmen in der Ära des großen Schmierens tragen sollte.
Unten hatten die Damen damals einen Topf über der Feuerstelle aufgehängt, die Steine schepperten so laut, dass die beiden vor Schreck nach draußen stürzten und den Heini sahen und den Claus, und dann standen sie beim Claus vor der Tür und wollten seine Eltern sprechen. "Warst du's?", fragte der Vater. "Ja, ich war's", sagte der Claus und bekam seine Tracht Prügel. Und der Heini? Auch bei seinen Eltern klingelten die Damen. Aber der Heini sagte, er war's nicht, der Claus war's. Und mogelte sich um die Strafe herum. So zumindest erzählt's der Claus mit altersmildem Lächeln.
Aus Kindern werden Leute, aus einem scheppernden Topf wird ein krachender Skandal, und wenn es natürlich auch nicht zwingend ist, aber: Er war's nicht, sagte Heinrich von Pierer auch jetzt, wenn er überhaupt etwas zur Korruptionsaffäre sagt. Eine kleine Gruppe in der Siemens-Netzsparte sei es gewesen, hinter dem Rücken des Zentralvorstands. Er selbst habe von einem Schmiergeldsystem bei Siemens nichts gewusst.
"Einen Fehler zuzugeben, ist dem Heinrich schon immer schwergefallen", sagt der Claus, Nachname Uhl, heute 69, Architekt aus Erlangen.
Man hat bisher keine öffentliche Entschuldigung von Heinrich von Pierer gehört, keine Selbstkritik, nicht mal Nachdenklichkeit. Er lässt keinen Kratzer zu an seiner Ehre, verbürgt durch fünf Ehrendoktorwürden, den Ehrenring der Stadt Erlangen, die Ehrenstaatsbürgerschaft von Singapur, das Große Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden. Noch immer leitet er ungerührt den Innovationsrat der Kanzlerin Angela Merkel - nächste Sitzung am 28. April -, und immer noch sitzt er für Siemens in zahlreichen Aufsichtsräten, bei Thyssen-Krupp, bei Hochtief.
Die Kaminkarriere des Heinrich von Pierer beginnt 1969 in der Rechtsabteilung des Konzerns in Erlangen. Er heiratet die Tochter eines Siemens-Direktors, das schadet natürlich nicht. Er hat einen Adelstitel, das hilft unter den ehrpusseligen Siemensianern noch mehr.
Bei Siemens gibt es damals allerdings nur zwei Arten von Menschen, die ganz nach oben kommen: Ingenieure und Kaufleute. Zwar ist Pierer Kaufmann; neben Jura hat er noch Volkswirtschaft studiert. Aber in der Rechtsabteilung sitzt er zunächst mal fest. Und dass sich daran etwas ändert, verdankt er erst dem größten Auslandsgeschäft von Siemens aller Zeiten: dem Bau von zwei Kernkraftwerken für den Schah im iranischen Buschehr.
Das Geschäft ergattert die Kraftwerks-Union (KWU), damals eine 50-Prozent-Tochter von Siemens, später übernimmt der Konzern auch noch den Rest. Ein Todesfall befördert Pierers Karriere: Zu dem Verhandlungsteam für das Kraftwerk Buschehr "gehörten, wie bei uns üblich, ein Techniker und ein Kaufmann. Und ich von der Vertragsabteilung. Der Kaufmann starb 1977. Jetzt konnte auf dieser Position wieder ein versierter Kaufmann nachfolgen oder ein guter Kenner des Projekts. Die KWU-Chefs meinten, das soll der Pierer machen. So wurde ich KWU-Kaufmann."
So hat er es 1992 mal dem "manager magazin" gesagt. Und das dürfte nun ein gewaltiges Problem für ihn werden, nicht rechtlich, aber moralisch. Denn der neue Siemens-Vorstand um den Schweizer Peter Löscher und die internen Ermittler von Debevoise haben seit kurzem zwei Schreiben auf dem Tisch, in denen sich ein Mann noch sehr genau erinnert, wie dieses Iran-Geschäft durchgezogen wurde, bei dem Pierer als Jurist erst die Verträge betreute und dann jahrelang die kaufmännische Abwicklung erledigte - als "guter Kenner des Projekts".
Der Mann heißt Abolfath Mahvi, damals einer der engsten Vertrauten des Schahs. Laut Mahvi, heute 95 Jahre alt mit Wohnsitz in Genf, betrug der Auftragswert der Anlage knapp 8 Milliarden Mark, genau genommen waren es 7,778 Milliarden. Der Preis war anscheinend maßlos überteuert - nach einer dem SPIEGEL vorliegenden Berechnung des iranischen Energieministeriums aus dem Jahr 1980, also nach der Revolution, um das Dreifache. Umso mehr bedurfte man der Hilfe und Nachhilfe durch Mahvi. Mit einem "Letter of Understanding", datiert auf den 29. Oktober 1974, habe ihm die KWU im Fall eines Zuschlags fünf Prozent der Auftragssumme zugesagt, rund 400 Millionen Mark.
Dafür, so Mahvi, sollte er die Widerstände beseitigen, die unter anderem damit zusammenhingen, dass die KWU damals bei Kraftwerken dieser Größenklasse nicht die erste Wahl gewesen sei - anders als die Konkurrenz aus Frankreich und Kanada. Außerdem habe er dem Schah überhaupt erst die Idee nahegebracht, ausgerechnet für eines der ölreichsten Länder der Welt Atomkraftwerke einzukaufen. Mahvi zufolge war der Kern dieser Idee allerdings ein schmutziger: Der Schah habe gehofft, sich so technisches Know-how für den Bau einer Atombombe einkaufen zu können.
Alles nur Hirngespinste eines alten Mannes? Was das Bestechungsgeld angeht wohl kaum, auch wenn sich Siemens zufolge der Vorgang heute im Unternehmen nicht mehr nachzeichnen lässt. Der Iraner kassierte nach seinen Aufzeichnungen bis 1978 von der KWU 166,2 Millionen Mark in 17 Tranchen. In den Jahren darauf folgten weitere rund 25 Millionen. Und 1987 zahlte Siemens/KWU noch mal einen großen Batzen - nachdem der Bau in den Revolutionswirren zum Stillstand gekommen war, hatten sich die Partner über die Provision gestritten. 67,5 Millionen Mark bekam Mahvi laut der Vergleichsvereinbarung vom 23. Dezember 1987, die dem SPIEGEL vorliegt. Bestätigt wurde der Vergleich vor dem Internationalen Handelsgerichtshof in Paris 1999, Aktenzeichen 8991/HV/AMW/BWD. Insgesamt bekam Mahvi, mit einem kleinen Nachschlag 1994, nach eigenen Angaben also nur 266,6 der vereinbarten 400 Millionen Mark.
Es war eine schmutzige Zeit, und Heinrich von Pierer war mittendrin. 1978 freute er sich in einem Neujahrsgruß an Mahvi darauf, mit ihm gemeinsam die "anstehende bedeutende Aufgabe erfolgreich abzuschließen". Ist es denkbar, dass Pierer, der die Verträge betreute und die Zahlen zusammenrechnete, nichts von 400 Millionen Mark Schmiergeld wusste, von fünf Prozent der Auftragssumme? Und selbst wenn solche Schmiergeldzahlungen damals nicht strafbar waren, könnte er dann heute noch mit der Autorität eines Ehrenmannes behaupten, er habe von den wüsten Schmiergeldpraktiken, die sich später in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender durch den ganzen Konzern zogen, wirklich nichts ahnen können?
Mahvi auf jeden Fall hat Pierer schon vor einem Jahr in einem Brief die Antwort darauf gegeben, im Februar 2007. "Mit Bedauern muss ich feststellen, dass Ihre Grundhaltung dazu geführt hat, dass die Korruption bei Siemens ohne Einschränkung anwachsen konnte." Vor Jahrzehnten habe Pierer ja selbst noch die Schmiergeldzahlungen in Buschehr "orchestriert".
In einem anderen Schreiben von 1995 hatte Mahvi auch schon behauptet, Pierer persönlich sei am 18. Juni 1982 zu ihm nach Genf gekommen, um ihm die Abschlagszahlung jenes Jahres über 24,71 Millionen Mark zu bringen; drei Schecks seien es damals gewesen. Und außerdem, so Mahvi im vergangenen Februar, habe Pierer auch von Kickback-Zahlungen gewusst, die Siemens-Manager von ihm, Mahvi, für ihre Privattasche verlangt hätten - angeblich weitere 8 267 520 Mark.
Pierer schwieg vergangenes Jahr dazu, ließ stattdessen seinen Vertrauten Paul Hobeck aus der Rechtsabteilung antworten. Der bestritt jeden weiteren Anspruch; es gebe den Vergleich von 1987 und das Pariser Urteil von 1999, damit sei die Sache erledigt. "Wir sollten der Geschichte erlauben, Vergangenheit zu bleiben, und nicht unsere freundlichen Beziehungen durch unnützen, nach all der Zeit aussichtslosen Zank belasten."
Pierers moralisches Dilemma verjährt allerdings nicht, und es gibt noch ein paar andere Probleme in seiner Verteidigung, handfeste aus der jüngeren Vergangenheit, die im Gegensatz zur Causa Buschehr auch strafrechtlich womöglich noch interessant sein könnten. Fragt sich nur, ob die Strafverfolger sich dafür überhaupt interessieren.
Die Ermittler: Macht und Ohnmacht der Fahnder
Die Sonderkommission des Bayerischen Landeskriminalamts heißt "Netzwerk", und wenn man ihr eines nicht vorwerfen kann, dann, dass sie kein Netz gefunden hätte. 15 Festnahmen, 41 Beschuldigte zählt der zentrale Zwischenbericht aus dem vergangenen Sommer auf. Und doch vermisst man ein paar Knoten in diesem Netz, gerade dort, wo man die dicksten erwartet. Heinrich von Pierer - bis heute nicht mal als Zeuge vernommen. Klaus Kleinfeld, sein Nachfolger und zwischendurch auch mal Chef der Kommunikationssparte - ebenso.
Auch für Volker Jung, den Kontaktmann des BND, interessieren sich die Staatsanwälte auffällig wenig - obwohl er im Zentralvorstand jahrelang für die heikle Kommunikationssparte verantwortlich war. Und Jürgen Radomski, der Personalchef und einer der engsten Vertrauten Pierers? Die Ermittler entließen ihn nach mehrstündiger Vernehmung - als Zeugen, nicht als Beschuldigten.
"Geschlachtet werden in dem Verfahren wohl nur die kleinen und mittleren Chargen", klagt der Verteidiger von einem, den es erwischen soll. Und selbst im neuen Vorstand und Aufsichtsrat von Siemens sind sie perplex. Sehschwach, manchmal geradezu blind erscheinen ihnen die Ermittler, wenn sie ganz nach oben schauen.
Unter den Anwälten der Beschuldigten gibt es mehrere, die wollen aus dem Justizapparat aus guter Quelle gehört haben, dass die Münchner Staatsanwälte alles tun dürften, nur zwei Namen wolle die Generalstaatsanwaltschaft nicht auf der Beschuldigtenliste sehen: Pierer, Kleinfeld. "Völliger Unsinn", widerspricht ein Fahnder, "es gibt für uns keine Unberührbaren." Allerdings, so das bisherige Ermittlungsergebnis der Staatsanwaltschaft München, habe Pierer von den weltweiten Schmiergeldzahlungen und dem System schwarzer Kassen offenbar nichts gewusst.
Immerhin musste Thomas Ganswindt, der früher die Kommunikationssparte anführte und in den Zentralvorstand aufstieg, gleich mehrfach als Beschuldigter aussagen. Ganswindt hat auch gestanden, von Schmiergeldern gewusst zu haben, doch bei der Staatsanwaltschaft gab es trotzdem zwischenzeitlich die Überlegung, das Verfahren einzustellen. Bleibt Heinz-Joachim Neubürger, der ehemalige Zentralfinanzchef, ebenfalls Beschuldigter, aber auch hier: Anklage bislang nicht in Sicht.
Vielleicht liegt das alles nur an der Personalstärke der Staatsanwälte - zwischenzeitlich waren dort lediglich drei Strafverfolger auf der Jagd, ziemlich wenig für solch ein Mammutverfahren. Vielleicht verrät die Personalstärke aber auch etwas über das Ziel der Ermittlungen. "Man kann Ergebnisse natürlich auch über den Personaleinsatz beeinflussen", unkt ein beteiligter Anwalt.
Inzwischen ist die Personaldecke allerdings wieder größer geworden - und dadurch auch der Fahndungselan. Seit August vergangenen Jahres haben die Ermittler nämlich unzählige Mitarbeiter der Stromverteilungssparte (PTD) vernommen - von denen sich jetzt viele als Beschuldigte wiederfinden. So zuletzt auch der ehemalige Zentralvorstand Uriel Sharef. Der soll für Schmiergeldzahlungen nach Südamerika verantwortlich gewesen sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft wollte sich dazu nicht äußern. Sharefs Anwalt teilte mit, die vorgeworfenen Vorgänge seien seinem Mandanten unbekannt.
Den Kampf mit Pierer überlassen die Ermittler in Bayern dagegen aber wohl lieber Siemens selbst - und den US-Anwälten von Debevoise & Plimpton.
Erst hat Debevoise dafür gesorgt, dass bei der jüngsten Siemens-Hauptversammlung der alte Vorstand keine Entlastung bekam. Jetzt, zur Aufsichtsratssitzung am 29. April, wird von den Amerikanern ein Zwischenbericht erwartet. Ein Scherbengericht über die Alten - ganz im Sinne des neuen Vorstands um Peter Löscher, der die SEC besänftigen will.
In den vergangenen Monaten sind die internen Ermittler bei ihren Gesprächen immer wieder auf Beton gestoßen, spürten sie die ungebrochene Macht des alten Siemens-Systems. Neulich zum Beispiel, als sie einen vielwissenden Manager vernehmen wollten, mussten sie feststellen, dass der Mann noch tags zuvor für seine Aussage geschult wurde - von einem ehemaligen Zentralvorstand.
Dennoch, oder gerade deshalb, dürfte der Bericht der US-Anwälte für Aufsichtsratschef Gerhard Cromme nun zu einer Abrechnung mit dem alten Vorstand werden. Es sieht so aus, als werde Debevoise vor allem auf Heinrich von Pierer zielen, der immer noch bei Siemens ein- und ausgeht, alte Weggefährten besucht und schaut, wer noch zu ihm hält.
Betriebsblind mit Vorsatz? Das diskrete Wissen des Vorstands
Was wusste also Pierer tatsächlich, was wollte er überhaupt wissen? 1996 sagt er in einem SPIEGEL-Gespräch, die größte Ohnmacht spüre er, "wenn Siemens einen großen Auftrag verloren hat". Jeden Tag müsse das Unternehmen Kontrakte im Wert von 400 Millionen Mark hereinholen. Auch mit Bestechung? Zumindest meint er damals recht offenherzig, er halte Auftragssperren für Schmiergeldsünder für "nicht unproblematisch". So etwas gefährde schließlich Arbeitsplätze.
Zwei Jahre später steht Pierer mit dem Rücken zur Wand. Die Renditen stimmen nicht, die Zeitungen spekulieren über seinen Rücktritt, er hat, wie es aussieht, nur noch eine Chance: die Gewinnziele der Bereiche brutal nach oben zu schrauben.
Wer es nicht schafft, wird verkauft. Ausgerechnet da tritt 1999 das Verbot der Auslandsbestechung in Kraft. Und wer sich daran hält, schafft es nicht. Es war "die Wahl zwischen Pest und Cholera", sagt der spätere Zentralvorstand Thomas Ganswindt in seiner Vernehmung, und dass er sich dabei "beschissen" gefühlt habe, in einem "absoluten Dilemma". Noch mehr wegbrechende Aufträge, und Siemens hätte "noch mehr Menschen entlassen". Da habe er eben nicht "auf die Pauke gehauen", sondern versucht, die Zahlungen auf Dauer herunterzufahren.
Schon 2001 setzt bei Pierer offenbar eine Art Sofort-Amnesie ein. Im Bundestagsuntersuchungsausschuss zur CDU-Spendenaffäre, in die Siemens verwickelt sein soll, behauptet er allen Ernstes, einen spektakulären Bestechungsskandal um Münchner Klärwerke im Wesentlichen nur aus der Zeitung zu kennen. Dabei war er, als Entscheidungen gegen mehrere Siemens-Mitarbeiter fielen - 1995 und 1998 -, der Vorstandschef der Firma.
Dann, 2001, verhandelt das Arbeitsgericht Nürnberg die Kündigungsschutzklage von Rudolf Vogel gegen die Siemens AG, 2003 auch das Landesarbeitsgericht. Vogel war vorher der persönliche Assis-tent Pierers, nun ist er Vertriebschef der Kraftwerkssparte in Mittelamerika, er soll in die Kasse gegriffen haben, was er bestreitet.
In zwei Schriftsätzen an die Gerichte beschreibt Vogel detailliert seine Sicht der Schmiergeldpraxis in der Kraftwerkssparte. Und als Zeugen benennt er unter anderem Heinrich von Pierer. Nicht nur einmal, er benennt ihn 19-mal. Unter anderem dafür, dass "die Vorgehensweise ausdrücklich mit dem Führungsgremium abgestimmt ist". Dass Bestechung "seit vielen Jahren bei praktisch sämtlichen Kraftwerksaufträgen praktiziert" werde. Dass "1999 im Hause der Beklagten festgelegt wurde, derartige, ,nützliche Abgaben' nicht mehr auf Schwarzgeldkonten, sondern über offizielle Leistungs- und Beraterverträge abzuwickeln ..."
Es ist ein Blick ins Innerste des Schmiergeldsystems; endlich bricht einer das Schweigen der Siemens-Familie. Aber das Arbeitsgericht kippt nur die Kündigung; für die Bestechungsvorwürfe interessiert es sich nicht. Pierer etwa auch nicht?
Immerhin gilt doch seit 1999 sein Rundschreiben an alle Führungskräfte, wonach "Rechtsvorschriften strikt zu beachten" sind. 2001 heißt es auch im Siemens-Ethikkodex, "Gesetzesverstöße müssen unter allen Umständen vermieden werden". Und 36 000 Führungskräfte unterschreiben alle zwei Jahre die sogenannte Compliance-Erklärung, dass sie sich immerdar daran halten werden. Kommentar eines Russland-Vertriebsmanns in seiner Vernehmung: "Ein reines Machwerk, um den Zentralvorstand abzusichern." "PYA" nennt sich so was unter Siemensianern - "protect your ass", "schütze deinen Arsch".
Doch die Einschläge kommen nun immer schneller, immer näher: Im Frühjahr 2004 meldet sich aus Saudi-Arabien ein Ex-Berater der Netzsparte, den Siemens ausgebootet hatte. Der Scheich will eine Abfindung, er fordert unglaubliche 906 Millionen Dollar. Die Siemens-Rechtsabteilung schätzt den tatsächlichen Anspruch des Scheichs gerade mal auf 17 Millionen, aber der Mann hat offenbar gute Argumente für mehr: Er droht, bei der amerikanischen Börsenaufsicht über Siemens-Schmiergeschäfte und -Kartellverfahren in Saudi-Arabien auszupacken, und er hat Papiere, die das beweisen sollen.
Pierer befasst sich selbst mit der Sache, und deshalb müsste er eigentlich auch eine Powerpoint-Präsentation kennen, in der die Rechtsabteilung am 22. April 2004 vor den "Korruptionsvorwürfen" warnt und "der Drohung" des Scheichs, "diese öffentlich zu machen". Michael K., der kleine Fürst, will ihm außerdem noch in einem Gespräch am 23. Juni 2004 "alle Facetten, auch das neueste Drohpotential" ausführlich erklärt haben; den Termin habe er noch in seinem Computer-Kalender, sagt er bei seiner Vernehmung, Stichwort "Saudi-Arabien".
Und dann bekommt Pierer in der Angelegenheit am 5. November 2004 auch noch eine Mail von Hausjurist Paul Hobeck, in der dieser ein "33-Prozent-Papier" erwähnt. Gemeint: der alte Vertrag des Scheichs, mit dem Siemens ihm 33 Prozent Kommission zugesichert hatte, einen Prozentsatz also, der nicht nur nach Bestechung roch, sondern stank.
Pierer teilte dazu allerdings in der Vergangenheit mit, der schließlich gezahlte Betrag, rund 50 Millionen Dollar, sei für die Auflösung des Vertrags, nicht im Zusammenhang mit Bestechungsvorgängen geflossen.
Im Januar 2005 erhält Reinhard S. eine SMS vom kleinen Fürsten. Schatzmeister S. hat die Ermittler in Liechtenstein im Nacken, es geht ihm nicht gut. Michael K. schreibt ihm: "Übrigens vP unterstützt dich sehr stark! Er ist auch gegen eine CD A Rev.!" S. erklärt in seiner Vernehmung, vP stehe für "von Pierer", der kleine Fürst habe ihm beim nächsten Treffen gesagt, Pierer sei an einem schnellen Ende der Ermittlungen in Liechtenstein interessiert. Pierer habe ausdrücklich die Order ausgegeben, alles Nötige dafür zu tun. Tatsächlich habe Pierer damals auch eine Untersuchung der Siemens-Revisionsabteilung gestoppt - interne Bezeichnung CD A Rev.
Im April 2005 trägt dann die Anti-Korruptions-Abteilung mal wieder dem Zentralvorstand und dem Aufsichtsratschef vor - der heißt inzwischen Pierer. Es ist der übliche Termin alle drei Monate.
Diesmal aber berichtet der oberste Korruptionsbekämpfer, der Jurist Albrecht Schäfer, von den Ermittlungen zum Konto in Innsbruck. Von den Millionen, die darüber geflossen sind. Und dass es sich um Siemens-Gelder handelte. Später im Jahr spricht Schäfer schließlich auch noch über die Liechtenstein-Ermittlungen gegen den Schatzmeister Reinhard S.; da gehe es um Korruption, man müsse mit Razzien rechnen. Spätestens jetzt müsste Pierer eingreifen.
Tatsächlich, so erinnert sich Ganswindt, der Neuling im Gremium, hakt Pierer auch immer mal wieder nach, wenn der Ethik-Beauftragte referiert. Auch Radomski und Neubürger fragen dies und das. Aber Ganswindt hat den Eindruck, dass es kein echtes Nachfassen ist, dass es Mitglieder im Vorstand gibt, die mehr wissen als andere.
Nach dem Vorstand tagen dann der Aufsichtsrat und der Prüfungsausschuss, der sich mit heiklen Themen wie Korruption und Kartellverstößen befassen soll. Ganswindt ahnt: Was die Aufsichtsräte und Prüfer erfahren, auch darüber entscheidet vorher schon der kleine Kreis. Das vermutet er zumindest, seit Personalmann Radomski mal im Vorstand das Aus für eine Schweizer Siemens-Tochter beschließen ließ, ohne dass Pierer oder sonst einer gefragt hätte, warum man den Laden dichtmachen sollte. Tatsächlich handelte es sich um die Intercom, den wohl wichtigsten Schmiernippel der Mobilfunksparte; Schweizer Staatsanwälte hatten ihn im Visier.
Wenn es aber der Prüfungsausschuss doch mal genauer wissen will, beschwichtigen die Siemensianer. Einer der Kontrolleure, ein IG Metaller, fragt im April 2005, ob der Vorstand Hinweise auf schwarze Kassen hat. Finanzchef Neubürger, so steht es im Protokoll, beruhigt sofort: keine Hinweise. Merkwürdig nur: Kurz vorher, im Vorstand, hatte Anti-Korruptions-Mann Schäfer doch extra noch erwähnt, das Geld auf den dubiosen Konten des Schatzmeisters in Liechtenstein und des Buchhalters in Innsbruck, das gehöre Siemens.
Glaubt man allen Hinweisen, bleibt also nicht mehr viel, womit heute Pierer und die anderen Vorstände noch ihre Ahnungslosigkeit rechtfertigen könnten, und schon gar nicht die Logik: Wie kann es sein, fragt der Schatzmeister die Kripo-Beamten, dass allein in der Festnetzsparte Hunderte Millionen Mark Schmiergeld wegbrannten, ohne dass der Zentralvorstand nachfragte, wo so viel Geld eigentlich geblieben war?
Oder die 190 Millionen Euro in der Kraftwerkssparte, die laut einem Siemens-Gutachten von 1997 bis 1999 auf Konten unbekannter Empfänger in Liechtenstein verschwanden. Hat das keinen im Vorstand alarmiert?
Und was ist schließlich mit den fast sechs Millionen Euro, die die Kraftwerkssparte zwischen 2000 und 2002 an leitende Herren des italienischen Energieversorgers Enel zahlte? Heinrich von Pierer hätte da auch einfach mal direkt bei einem guten Freund aus Buschehr-Tagen nachfragen können, Sparten-Chef Andreas K., der dafür 2007 vom Landgericht Darmstadt zwei Jahre auf Bewährung bekam.
Ein paar entscheidende Antworten resultieren nun aus Siemens-internen Recherchen, garniert mit Aussagen des früheren Leiters der Anti-Korruptions-Abteilung, Schäfer. Lange hieß es, er wolle nicht reden, schütze die Alten. Doch seine Anwältin Anne Wehnert widerspricht: Bei den Siemens-internen Ermittlungen in der ersten Jahreshälfte 2007 - anfangs war Pierer damals noch Aufsichtsratschef - habe "nur kein Interesse an seinen Aussagen" bestanden. "Diese wurden entweder nicht ernst genommen, oder man wollte sie nicht hören. Seine Mitwirkung bei den Ermittlungen wurde von dem Siemens-Anwalt verworfen."
Wie auch immer: Auf jeden Fall hat Schäfer sich mittlerweile entschieden, wem seine Loyalität gilt: weiter dem Unternehmen, nur dass Heinrich von Pierer nun nicht mehr das Unternehmen ist.
Die Druckerschwärze, die nun aus Schäfers Akten quillt, ist für den Alt-Vorstand um Pierer und den Ex-Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann hochkonzentriertes Gift: Wer diese Vermerke seinerzeit gelesen hätte, wäre informiert gewesen über Schmiergeldpraktiken bei Siemens. Und auf den beiden wichtigsten stand "zur Kenntnis": Dr. Baumann, Dr. von Pierer, Neubürger, Radomski und Sharef. Es sind vor allem zwei Berichte, die für sie nun gefährlich werden könnten. Der erste stammt vom 29. April 2004, ein Vermerk von einem Schäfer-Mitarbeiter zur Korruptionsaffäre in Italien, beim Energieversorger Enel. Schäfers Mann referiert darin über die Gefahr, dass die amerikanische Börsenaufsicht sich Siemens wegen dieser Sache vorknöpft. Der zweite Bericht kommt vier Tage später. Schäfer selbst informiert Pierer und die anderen über die Auftragssperre, die ein Mailänder Ermittlungsrichter verhängt hat. Vor allem aber gibt er nun wieder, was der Richter dazu in die Begründung geschrieben hat: "Insbesondere die ... Existenz schwarzer Kassen bei Siemens zeige, dass die von Siemens praktizierte Aufsicht völlig ineffizient war und das Unternehmen Schmiergeldzahlungen zumindest als mögliche Unternehmensstrategie ansah."
Schwarze Kassen. Schmiergeldzahlungen. Unternehmensstrategie. Das also war nun allem Anschein nach schon 2004 auch Wissen von Heinrich von Pierer, der immer sagte, von einem Schmiergeldsystem nichts gewusst zu haben. Zwar verweist Radomski, der Personalvorstand, jetzt auf einen Untersuchungsbericht einer Erlanger Anwaltskanzlei. Die sei im Auftrag von Siemens damals zum Schluss gekommen, dass im Gegensatz zum Mailänder Gericht "eine unternehmerische Strategie der Zahlung von Schmiergeldern nicht festgestellt" werden könne.
Doch: Das stand so gar nicht in diesem Gutachten vom 1. Juni 2004 - und ob unternehmerische Strategie oder nicht, das war auch gar nicht Gegenstand der Untersuchung. Die Expertise sollte lediglich prüfen, ob die in Italien verdächtigen Siemens-Mitarbeiter tatsächlich geschmiert hatten. Die aber hatten sogar gegenüber der eigenen Firma vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Deshalb also das NullErgebnis.
Neben diesen beiden Vermerken enthalten die Dokumente aus Schäfers Fundus weiteres belastendes Material. Schon am 17. November 2003, so seine Anwältin Wehnert, habe er den Antrag der Mailänder Staatsanwaltschaft im Enel-Fall an drei Mitglieder des Zentralvorstands weitergegeben - Inhalt auch hier: der Vorwurf systematischer Korruption. Die Empfänger waren demnach Neubürger, Sharef und Radomski - zumindest Radomski bestätigt den Erhalt. Und am 10. Mai 2004 schickt Schäfer einen Vermerk an Finanzchef Neubürger und Personalchef Radomski, in dem es um die Folgen geht, die der Italien-Komplex nach US-Börsenrecht haben kann.
Enel ist auch nicht der erste Fall, in dem der Vorstand einen tiefen Blick ins Schmiergeldsystem warf. Noch so ein Schäfer-Vermerk, diesmal schon aus dem Mai 2000 an Neubürger und Aufsichtsratschef Baumann: Die Rede ist von der Beschlagnahmung eines Bankkontos, "das in den Büchern eines Unternehmens nicht mitgebucht wird". Eine schwarze Kasse also. Einen Monat später, am 23. Juni 2000, meldet sich die Rechtsabteilung erneut bei Baumann, berichtet in einer Notiz von beschlagnahmten Konten in der Schweiz, die "als Treuhandkonten für die Siemens AG geführt werden".
Und schließlich war da Nigeria, immer wieder Nigeria, auch im Zentralvorstand also. Im September 2000 klärt Schäfer seinen Finanzchef Neubürger offenbar über die Rechtshilfeersuchen auf, mit denen die Schweizer Behörden das Salzburger Konto mit den Schmiergeldzahlungen für Diktator Abacha aufknacken wollten. "bR" schreibt Neubürger auf das Papier, "bitte Rücksprache". Am 6. Februar 2001 die nächste Schäfer-Notiz an Neubürger zum Konto bei der Raiffeisenbank Salzburg und am 31. Mai 2001 noch eine, eine besonders alarmierende: "D. h. die Schweizer Ermittlungsbehörden ... wissen Bescheid."
Es ist schwer, zu all diesen Vermerken, Verdachtsmomenten und Vorwürfen Aufklärung von den Ex-Vorständen zu erhalten. Der SPIEGEL hat wochenlang um ein Gespräch mit Heinrich von Pierer gebeten, ohne Erfolg. Vergangene Woche befand sich Pierer im Ausland, in Oman. Laut seinen Anwälten hatte er auch deshalb keine Möglichkeit, sich mit den Fragen, die der SPIEGEL ihnen am Mittwoch übermittelte, noch hinreichend zu befassen. Dies betraf alle Komplexe - sowohl Fragen zu angeblichen Kenntnissen über Schmiergeldvorgängen in seiner Zeit als Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender als auch zur Sache Buschehr, dem Iran-Geschäft der Siebziger und Achtziger. So blieb es beim Verweis der Anwälte auf frühere Aussagen in der Presse. Demnach habe er von einem System schwarzer Kassen nichts gewusst.
Auch Neubürger war im Ausland. Daher, so der Ex-Finanzchef gegenüber dem SPIEGEL, könne er keine Stellung nehmen. Das gleiche bei Baumann, dem Ex-Aufsichtsratschef: laut Anwalt "im Ausland" und "für eine Stellungnahme nicht erreichbar". Beim früheren Vorstand Jung scheiterten alle Versuche, Kontakt zu ihm aufzunehmen; Sharef wollte auf die Fragen des SPIEGEL keine Antwort geben. Radomski teilte mit, er habe keine "eigenen Kenntnisse" in der Enel-Angelegenheit gehabt und "nur die (Meinungs)äußerung der Staatsanwaltschaft" Mailand gekannt. Im Übrigen verwies er auf seine Schweigepflicht gegenüber Siemens.
Am Wittelsbacherplatz rechnet nun kaum einer mehr mit der Entlastung der Alt-Vorstände. Auch der neue Siemens-Vorstand will wissen, wer wann was im Konzern gewusst hat - weil er gegebenenfalls Schadensersatz fordern will. Erst in der vergangenen Woche drohte der neue oberste Korruptionswächter des Konzerns, Andreas Pohlmann, am Rande einer Konferenz: "Jetzt geht es darum, auch die Verantwortung der alten Führung zu klären."
Das immerhin nimmt auch die Staatsanwaltschaft München für sich in Anspruch. Auch sie kennt die belastenden Vermerke - umso rätselhafter, dass sie bislang noch nicht ganz nach oben zielt. Der neue Siemens-Vorstand vermutet allerdings: Wenn es in Deutschland keine Anklagen gibt, in Amerika dürfte es sie geben. Weil der alte Vorstand gegen die Börsenrichtlinien verstoßen haben könnte, weil einige Mitglieder möglicherweise wissentlich ein falsches Zahlenwerk unterschrieben haben.
Das könnte dann auch Heinrich von Pierer zurück in eine Welt holen, die für ihn womöglich lange nicht mehr entscheidend war: die Wirklichkeit.
Genau in der Zeit der allgemeinen Vertuschung schrieb Pierer ein bemerkenswertes Buch. Er war auf dem Höhepunkt seiner Karriere, der Chef eines Weltkonzerns, der angesehenste Manager des Landes, aber offenbar reichte ihm das nicht. Er wollte mehr sein: eine moralische Instanz.
"Zwischen Profit und Moral" nannte er sein Werk. Es erschien im Jahr 2003 und enthielt weise, hehre Sätze.
"Täuschung, Betrug und Korruption lassen sich auf Dauer nicht verbergen", mahnte er da. Oder: "Ein Ethikkodex, wie ihn etwa Siemens festgeschrieben hat, prägt den Charakter eines Unternehmens." Oder: "Gerade in Sachen Moral ist Glaubwürdigkeit gefragt ... Unglaubwürdig ist es, sich ethische Werte auf die Fahnen zu schreiben, die man in der Praxis nicht einhalten will."
Es waren Sätze wie in Stein gemeißelt. Zurück in der Wirklichkeit, können sie für Heinrich von Pierer nun zu Grabplatten seines guten Rufs werden.
JÜRGEN DAHLKAMP, DINAH DECKSTEIN,
JÖRG SCHMITT

Uriel Sharef
Mitglied des Zentralvorstands
Eintritt ins Unternehmen: 1978
Funktion: zuständig für die Kraftwerkssparte bis Ende 2007
Ermittlungsstatus: Beschuldigter

Karl-Hermann Baumann
Mitglied des Aufsichtsrats
Eintritt ins Unternehmen: 1970
Funktion: Aufsichtsratschef bis 2005
Ermittlungsstatus: Zeuge im Korruptionsverfahren/Beschuldigter (AUB)

Jürgen Radomski
Mitglied des Zentralvorstands
Eintritt ins Unternehmen: 1957
Funktion: Personalvorstand, ausgeschieden 2007
Ermittlungsstatus: Zeuge

Heinz-Joachim Neubürger
Mitglied des Zentralvorstands
Eintritt ins Unternehmen: 1989
Funktion: Finanzvorstand, ausgeschieden 2006
Ermittlungsstatus: Beschuldigter

Volker Jung
Mitglied des Zentralvorstands
Eintritt ins Unternehmen: 1964
Funktion: zuständig für die Kommunikationssparte, ausgeschieden 2003
Ermittlungsstatus: bisher nicht befragt
Von Jürgen Dahlkamp, Dinah Deckstein und Jörg Schmitt

DER SPIEGEL 16/2008
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