28.04.2008

BERGBAUKohlestiftung mit mieser Bilanz

Bei der vor knapp einem Jahr gegründeten Kohlestiftung gibt es Streit um die Finanzen. Der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bonse-Geuking hat eine Bilanz aufgestellt, die allein für 2008 einen Verlust von rund 90 Millionen Euro prognostiziert. Die RAG-Stiftung, die den Ausstieg aus dem subventionierten Bergbau bis 2018 begleiten und darüber hinaus für alle Folgeschäden des Zechenbetriebes haften soll, ist damit bilanziell überschuldet. Das Zahlenwerk ist von den Wirtschaftsprüfern der Stiftung bislang noch nicht testiert worden. Über das Papier berät das Kuratorium der Stiftung am Montag dieser Woche. Ein Großteil des immensen Fehlbetrags, knapp 20 Millionen Euro, entfällt auf Berater, vor allem für die Vorbereitung des Börsengangs. Mehr als zehn verschiedene Firmen hat Bonse-Geuking derzeit beschäftigt, darunter zwei Headhunter, zwei Investmentbanken, drei Strategieberater sowie drei Anwaltskanzleien, heißt es in Regierungskreisen. Diese Ausgaben verärgern die Kuratoriumsmitglieder, weil die Stiftung die Beraterkosten noch vor sechs Monaten mit nur 4,7 Millionen Euro veranschlagt hat. Auch die Reisekosten haben sich binnen eines halben Jahres von rund 100 000 Euro auf 390 000 Euro fast vervierfacht. Bonse-Geuking weigert sich zudem, die Bücher der Stiftung vom Bundesrechnungshof kontrollieren zu lassen, obwohl er laut eines Bescheids des Bundeswirtschaftsministeriums dazu verpflichtet ist. Ein Stiftungssprecher sagte dazu, man befinde sich "in guten Gesprächen", was die Zuständigkeit staatlicher Prüfer angeht. Der Stiftungschef Bonse-Geuking steht auch in der Kritik, weil er sich bislang weigerte, einem detaillierten Schließungsplan für alle Zechen zuzustimmen, obwohl die Europäische Union nur unter dieser Voraussetzung Subventionen für die Bergleute genehmigen will.

DER SPIEGEL 18/2008
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