10.05.2008

ARCHITEKTURÖko-Dorf im Uralt-Look

Lange schon macht sich der britische Thronfolger Prinz Charles einen Namen als Verächter moderner Architektur und Verfechter erneuerbarer Energien. Beide Leidenschaften bringt er jetzt in einem Herzensprojekt zusammen: Auf einer grünen Wiese errichtet der Kronprinz eine radikal ökologische Siedlung für 12 000 Menschen - die aber so gestrig aussieht, als stünde sie dort schon 100 Jahre. Jetzt bekam er die Baugenehmigung für "Sherford" nahe Plymouth in der Grafschaft Devon. Der neotraditionalistische Ort soll einmal die Hälfte seines Energiebedarfs auf nachhaltige Weise decken, mit Solarmodulen auf den Dächern und 120 Meter hohen Windkraftanlagen auf dem Dorfparkplatz (ein Windrad nahe seinem eigenen Heim Balmoral hat der Öko-Prinz kürzlich wegen Verschandelung und Geräuschbelästigung verhindert). Die Baumaterialien müssen aus einem Radius von 50 Meilen beschafft werden. PVC-Fenster sind verboten, weil Charles sie angeblich für einen Graus hält, ebenso alle Bauwerke über fünf Stockwerke. Der Großteil der Flächen ist autofrei, alles Wasser wird recycelt, Dächer werden begrünt. Ein Cricket-Feld darf ebenso wenig fehlen wie die typisch englischen Doppel- und Vierfachschornsteine auf den Dächern, die auf Charles so heimelig wirken. Moderne Londoner Vorzeigearchitektur hat der Prinz in der Vergangenheit gern als "Eiterbeulen" und "monströse Karbunkel" abgetan.

DER SPIEGEL 20/2008
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