Präsident Hugo Chávez hat der kolumbianischen Guerilla Farc massive Waffenlieferungen und Millionenkredite angeboten. Das geht aus Dokumenten hervor, die Ermittler auf den Computern des getöteten Guerilla-Chefs Raúl Reyes fanden. Sie dienen nun als Beweis für die Allianz zwischen Chávez und den Rebellen. Vorige Woche bestätigte Interpol-Chef Ronald Noble, dass die Informationen auf drei Laptops und mehreren externen Datenträgern nicht manipuliert wurden. Kolumbianische Militärs hatten das Material nach einem Angriff auf ein Farc-Camp Anfang März in Ecuador sichergestellt, bei dem Reyes getötet wurde. Insgesamt rund 38 000 Textdokumente, mehr als 200 000 Bilder, fast 8000 E-Mail-Adressen und Hunderte verschlüsselte Informationen enthält das erbeutete Archiv. 64 Spezialisten aus 15 Ländern waren wochenlang mit der Überprüfung und Entschlüsselung der Dateien beschäftigt. Chávez hat der Farc unter anderem die Beschaffung von russischen Boden-Luft-Raketen und Schnellfeuergewehren aus einer Sendung für die venezolanischen Streitkräfte angeboten. Farc-Kämpfer wurden in Venezuela trainiert. Der Chef des militärischen Geheimdienstes, General Hugo Carvajal, war neben Innenminister Ramón Rodríguez Chacín der wichtigste Verbindungsmann zur Farc. Er stellte der Guerilla die Lieferung von 20 Granatwerfern in Aussicht und bat sie um Hilfe bei der Ausbildung venezolanischer Truppen. Anfang 2007 ersuchte der Farc-Kommandeur Iván Márquez den venezolanischen Präsidenten um einen Kredit von 300 Millionen US-Dollar, den die Guerilla "nach der Machtübernahme" zurückzahlen wollte. Chacín hat bestätigt, dass er sich mehrmals mit der Farc-Führung getroffen hat. Doch Chávez bezeichnet die Informationen auf den Laptops weiter als Fälschungen: Interpol habe mit den USA "eine Clown-Show" abgezogen.
DER SPIEGEL 21/2008
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