18.08.2008

PAKISTAN

Abschied des Generals

Bei Machtkämpfen spielt in Pakistan traditionell das Militär die entscheidende Rolle. So war das 1999, als General Pervez Musharraf nach einem unblutigen Putsch Präsident wurde. So ist das auch jetzt wieder - bei seinem Rückzug. Weil ihm die alten Kameraden offensichtlich die Unterstützung versagen, verhandelte Musharraf am vorigen Freitag über die Bedingungen seines Abschieds aus dem Amt. Die Regierungskoalition hatte gegen ihn ein Amtsenthebungsverfahren wegen politischer Unfähigkeit und Korruption angekündigt. Neuer starker Mann Pakistans wird voraussichtlich Musharrafs Nachfolger im Amt des Armeechefs, der 56-jährige General Ashfaq Kayani. Der Kettenraucher und exzellente Golfspieler leitete bis Oktober 2007 den einflussreichen Geheimdienst Inter Services Intelligence (ISI) und wird nach einer Ausbildung beim US-Militär auch von den Amerikanern geschätzt.

Musharraf, 65, gilt heute als einer der unbeliebtesten Staatschefs seit Gründung Pakistans im Jahr 1947, weil er sich Amerikas Krieg gegen den Terror nach dem 11. September 2001 anschloss. Der ehemals gute Ruf der 600 000 Mann starken Armee, die stets als Beschützerin der Nation galt, hat unter der Regentschaft des Präsidenten-Generals stark gelitten. Kayani kündigte bei seinem Amtsantritt im November 2007 an, das Militär werde sich in Zukunft in die Kasernen zurückziehen und die Politik der gewählten Regierung überlassen. Tatsächlich aber wird die Armee auch nach dem politischen Ende Musharrafs die Fäden in der Hand behalten. Deutlich wurde dies, als Premierminister Yousuf Raza Gilani vorvergangene Woche verkündete, er werde die Führung des ISI künftig dem Innenministerium übertragen. Nach einem missbilligenden Anruf von Armeechef Kayani erklärte Gilani, er sei falsch verstanden worden. Amerikanische und britische Diplomaten hatten sich in der vergangenen Woche bemüht, das Amtsenthebungsverfahren gegen ihren Verbündeten Musharraf zu verhindern. So wollten sie ihm eine Bedenkzeit zum freiwilligen Rückzug verschaffen, was ihm wohl auch die Möglichkeit einbrächte, weiterhin in Pakistan zu bleiben. "Er tut allen einen großen Gefallen, wenn er jetzt geht", sagte ein US-Diplomat in Islamabad. Westliche Beobachter befürchten, das aufgewühlte Pakistan könnte noch weiter ins Chaos abrutschen, falls Musharraf unehrenhaft abgesetzt und womöglich ins Exil gejagt würde.


DER SPIEGEL 34/2008
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