25.08.2008

FernsehenTV-Rückblick

Kongos verfluchter Schatz
20. August, ZDF
Sie sind 15, 12, manchmal erst 10 Jahre jung und schuften in Afrikas Coltan-Minen - damit Gleichaltrige auf der anderen Seite der Erdkugel mit dem Handy telefonieren können. Patrick Forestiers bedrückende Reportage über Minenarbeiter im Kongo machte den Wahnsinn des Coltan-Handels verständlich. Mit dem Verkauf des Metalls, das jedes Handy zum Betrieb braucht, finanzieren die kongolesischen Rebellen ihren Kampf gegen die Regierung. Der mutige Journalist wagte sich mit versteckter Kamera in das von Freischärlern beherrschte Minengebiet, sprach mit Uno-Helfern und Arbeitern. Deren Berichte gingen an die Nieren: Da war die Rede von Mädchen, die in den Minen als Sexsklavinnen dienen mussten, und von Männern, die geköpft wurden, weil sie nicht mehr arbeiten konnten. Rebellen-General Laurent Kunda bezeichnete sich indes als verlängerten Arm Gottes. "Im kriegsgeschüttelten Kongo gibt es kein Gewissen", war Forestiers Fazit. Doch die eigentliche Gewissenlosigkeit offenbarte sich anderswo: Genug Handy-Produzenten scheren sich nicht um die Herkunft des Metalls. Motorola lehnte ein Interview gleich ab.

DER SPIEGEL 35/2008
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