25.08.2008

ALGERIENExpedition Rache

Die Bekennerbotschaft wurde - wie so oft - über den TV-Sender al-Dschasira verkündet: Am vergangenen Donnerstag übernahm "al-Qaida des islamischen Maghreb" die Verantwortung für die blutigste Attentatsserie dieses Jahres. Bei insgesamt vier Anschlägen rund um die Berge der Kabylei, östlich der Hauptstadt Algier, starben mehr als 60 Menschen. Die "Expedition Rache" sei die Antwort auf den Tod von zwölf Terroristen im Gefecht mit Militärs Anfang August. Die Serie der Anschläge, die Algerien erschütterten, begann am 17. August in Skikda, 350 Kilometer östlich von Algier. Elf Sicherheitskräfte und ein Zivilist eines Armeekonvois starben. Zwei Tage später löste ein Selbstmordattentäter vor einer Polizeischule in Isser im Norden gleich eine doppelte Explosion aus: Erst zündete er eine Autobombe, dann seinen Sprengstoffgürtel. 43 Menschen starben, die meisten von ihnen waren junge Männer, die sich bei der Polizei bewerben wollten. Am vergangenen Mittwoch ereigneten sich in Bouira, 80 Kilometer südöstlich der algerischen Hauptstadt, dann gleich zwei Attentate. Mit Sprengstoff präparierte Fahrzeuge explodierten vor einem Militärkomplex und vor dem größten Hotel der Stadt. Die Bilanz: 11 Tote und 31 Verletzte, die meisten davon Arbeiter einer kanadischen Baufirma.
Algerien kennt zwar seit langem Terror, aber Selbstmordattentate erst seit gut einem Jahr. Ausgeführt werden sie von den Salafisten der GSPC, die sich in "al-Qaida des islamischen Maghreb" umbenannt hatte. Die Islamisten wenden sich gegen die Regierung von Präsident Abdelaziz Bouteflika, der eine Verfassung, eine Regierung und ein Rechtssystem der Ungläubigen aufrechterhalte, in dem es weder Platz für den Koran noch für die Anwendung der Scharia gebe. Das erklären die Extremisten in einer 72-Seiten-Hassschrift, die seit Monaten im Internet kursiert.

DER SPIEGEL 35/2008
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ALGERIEN:
Expedition Rache