27.10.2008

ARTENSCHUTZ„Elfenbein wird wieder gesellschaftsfähig“

Daniela Freyer, 38, von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife über den legalen Verkauf von Elfenbein
SPIEGEL: In den kommenden Wochen versteigern vier afrikanische Länder aus ihren Lagerbeständen die größte Elfenbeinmenge seit 20 Jahren. Was halten Sie davon?
Freyer: Wir sehen das sehr kritisch. Japan und China werden sich um das Elfenbein eine Bieterschlacht liefern, die den Preis nach oben drückt. Das wird den illegalen Handel anfachen. In China lassen sich für ein Kilo Elfenbein schon jetzt 6000 Dollar erzielen.
SPIEGEL: Die beiden asiatischen Länder sind von den Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens als legale Käufer anerkannt worden ...
Freyer: ... ja, und das leider auch aufgrund der Fürsprache des Bundesumweltministeriums. In Berlin wird argumentiert, die Legalisierung des Handels sei ein Experiment, ob man den illegalen Handel austrocknen könne. Das ist jedoch bestenfalls naiv. Die jetzt angebotenen 108 Tonnen können den Bedarf gar nicht decken. Wir schätzen, dass in den letzten Jahren mehrere hundert Tonnen Elfenbein allein nach China gingen - illegal. Kontrollmechanismen, ob Elfenbein vom Schwarzmarkt kommt oder aus legalen Quellen, gibt es dort fast gar nicht.
SPIEGEL: Welche Folgen hat das für die Elefanten?
Freyer: Die Wilderei nimmt nachweislich weiter zu. Jährlich werden laut neuen Studien derzeit geschätzte 38 000 Elefanten wegen ihres Elfenbeins getötet. Das entspricht acht Prozent des Gesamtbestands und hat damit so dramatische Ausmaße erreicht wie zuletzt in den achtziger Jahren. Die Freigabe des Handels wird diese Entwicklung beschleunigen und führt nur dazu, dass Elfenbein wieder gesellschaftsfähig wird.

DER SPIEGEL 44/2008
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