15.12.2008

KULTURAUSTAUSCHTerror und Kunst

Christoph Faulhaber befasst sich als Künstler mit Sicherheit und Staatsmacht. Das kam ihn nun teuer zu stehen. Als er im September dieses Jahres in die USA einreiste, wurde er schon am Flughafen verhört. Einige Tage später stattete ihm das FBI einen Besuch ab, "zwei freundliche Herren von der Abteilung Terrorismusbekämpfung", so Faulhaber, 36. Sie ließen ihn wissen, dass er auf einer Liste Terrorverdächtiger stehe. Daraufhin setzte das New Yorker Künstlerhaus Location One, das den Deutschen zu einem Gastaufenthalt eingeladen hatte, Faulhaber vor die Tür. Kurz darauf wurde auch sein Stipendium, das die Auslandsvisite finanzieren sollte, durch das Land Rheinland-Pfalz gekündigt.
Ins Visier des FBI war Faulhaber durch seine Kunst geraten, die sich kritisch mit Überwachung auseinandersetzt. Vor vier Jahren gründete er eine fiktive Sicherheitsfirma: Mit seinem Partner Lukasz Chrobok, 32, fotografierte er für das Projekt "Mr. Security" US-Botschaften und -Konsulate in Deutschland und Polen. "Dabei kam es zu einer Gegenüberwachung", sagt Faulhaber, "wir wurden unsererseits fotografiert."
Der Künstler hatte sich unter anderem mit dem "Mr. Security"-Projekt bei der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur um das New-York-Stipendium beworben. Danièle Perrier, bei der Stiftung zuständig für das Stipendium, bestätigte nach dem Rausschmiss in einem Brief, Location One habe laut Vertrag "das Recht, bei Missverhalten des Künstlers, grob fahrlässiger Handlung oder jedwedem anderen Grund den Vertrag jederzeit zu kündigen". Faulhabers Stipendium ende "mit sofortiger Wirkung". Es sei "Sache der örtlichen Institution, wie sie sich verhält", sagt der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig, "das Land Rheinland-Pfalz hat nichts damit zu tun, was in Amerika vorfällt". Im Übrigen habe man Faulhaber sein Stipendium voll ausbezahlt. Geld sei ihm aber erst überwiesen worden, so Faulhaber, nachdem er einen Anwalt eingeschaltet habe. Bleibt die Frage, ob es nicht willkommener Teil der Performance ist, wenn der Geheimdienst vor der Tür steht. "Der gesamte staatliche Machtapparat ist tatsächlich ein Teil des Projekts", sagt Faulhaber, "aber wie dann das Künstlerhaus reagiert hat, hat mich sehr getroffen."

DER SPIEGEL 51/2008
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