19.01.2009

Personalien Albert II.

Albert II. , 74, streng katholischer König von Belgien, hat den Zorn seiner Kirche auf sich gezogen. Die belgischen Bischöfe, sonst ihrem rechtgläubigen Königshaus stets wohlgesinnt, attackierten den Monarchen vergangene Woche in der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano". Der hatte, seinen Amtspflichten gemäß, ein vom belgischen Parlament beschlossenes Gesetz unterschrieben, das Ärzten und Wissenschaftlern die Arbeit mit menschlichen Stammzellen und Föten erlaubt. Das sei, zürnten die Kirchenoberen, "ein Rückschritt in der Entwicklung der menschlichen Zivilisation". In ähnlicher Situation hatte sich Alberts Vorgänger und Bruder 1990 zwei Tage für regierungsunfähig erklären lassen, um das Gesetz zur Liberalisierung von Abtreibungen nicht unterschreiben zu müssen - das dennoch in Kraft trat. Die harsche Kritik der Kirche, argwöhnen Brüsseler Königstreue, soll den Wechsel auf dem belgischen Thron beschleunigen. Der Amtsinhaber ist seit längerem krank, sein Sohn Philippe wartet auf das Zepter. Zwar kann das Volk den Prinzen nicht leiden, aber bei katholischen Würdenträgern ist der fromme Philippe hochgeschätzt.


DER SPIEGEL 4/2009
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