16.02.2009

MADAGASKAR

Jagd nach Ackerland

Bei blutigen Tumulten auf der viertgrößten Insel der Welt starben bislang 130 Demonstranten, Hunderte wurden verletzt. Bei den Unruhen spielt eine Vereinbarung der Regierung mit dem südkoreanischen Konzern Daewoo Logistics eine wichtige Rolle, der unentgeltlich 99 Jahre lang Mais und Palmöl auf der Hälfte der fruchtbaren Inselfläche anbauen will. Im Gegenzug soll Daewoo versprochen haben, Arbeitsplätze zu schaffen, Straßen, Schulen und Häfen zu bauen. Die Ernte soll nach Südkorea exportiert werden - obwohl über eine halbe Million Madagassen von Uno-Nahrungsmittelhilfe abhängig sind und die meisten der 20 Millionen Inselbewohner sich von Feldfrüchten ernähren, die sie selbst anbauen. Die Bauern befürchten, dass sie nun vom eigenen Land vertrieben werden könnten. Der Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, Andry Rajoelina, nutzt den Konflikt für seine eigenen politischen Ambitionen: Lauthals wettert er gegen den Ausverkauf des Landes durch Marc Ravalomanana, den Präsidenten und reichen Unternehmer. Inzwischen bietet sich die Uno als Vermittlerin an, während Daewoo ankündigte, das Vorhaben aufgrund der politischen Instabilität vorübergehend auszusetzen.

Seit dem gewaltigen Preisanstieg für Nahrungsmittel im vergangenen Frühjahr versuchen immer mehr Staaten, Agrarland in der Fremde aufzukaufen oder zu pachten, um ihre Versorgung mit Grundnahrungsmitteln auf Dauer zu sichern. Auch Banken und Fonds investieren inzwischen in den Ackerbau. Südkorea ist der zweitgrößte Maisimporteur der Welt, die madagassische Ernte soll offenbar die Hälfte der bisherigen Importe ersetzen und langfristige Nahrungsmittelsicherheit zu günstigen Preisen garantieren. Vor allem die trockenen, aber ölreichen Golfstaaten erwerben in großem Stil Ackerflächen armer Länder im Tausch für Öl, Infrastruktur oder Technologie. Beliebt ist bei ihnen vor allem Ostafrika aufgrund der fruchtbaren Böden und kurzen Transportwege.


DER SPIEGEL 8/2009
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