02.03.2009

Leserbriefe

Der Fisch stinkt am Kopf

Nr. 8/2009, Bundeswehr: Vielen traumatisierten Soldaten wird nur unzureichend geholfen

Es stellt sich doch die Frage, ob diese Soldaten den richtigen Beruf gewählt haben. Ein Arzt oder eine Krankenschwester, die kein Blut sehen können, sind doch auch fehl am Platze. Wie sagte schon Churchill: Wer die Hitze nicht vertragen kann, sollte aus der Küche bleiben. Während meiner zwölfjährigen Dienstzeit wurde ich mehrmals gefragt: Könntest du wirklich auf Menschen schießen? Das erstaunte mich doch sehr, ebenso die Tatsache, dass selbst länger gediente Unteroffiziere und Offiziere bei einem zu erwartenden Auslandseinsatz mit Gefährdungspotential auf einmal zu Kriegsdienstverweigerern wurden. Wir nannten diese nur abwertend "Verteidigungsbeamte".

KÖLN ELK WÜRTZ EX-STABSFELDWEBEL

Es wäre interessant zu erfahren, warum es heute nicht nur hier, sondern auch in den USA so viele von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) Betroffene gibt. Hat man den Soldatenberuf zu leichtfertig ergriffen, ohne zu bedenken, dass man in Extremsituationen kommen kann?

BERLIN DR. KURT PFEIFER

Natürlich haben die psychischen Belastungen für die Soldaten und ihre Familien schwerwiegende Auswirkungen, aber wo liegt der Unterschied zu den traumatischen Erlebnissen vieler Tausender Rettungssanitäter, Notärzte, Feuerwehrleute und der direkt Betroffenen bei Unfällen und Katastrophen, die zum Alltag gehören?

LAATZEN (NIEDERS.) JOACHIM DÜSCHER

Beim Vergleich der PTBS bei Soldaten darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Rettungssanitäter und Feuerwehrbeamte im Regelfall bei derart starken Belastungen von Krisenteams begleitet werden und am gleichen Tag wieder in den privaten Bereich zurückkehren. Dieses ist bei einem betroffenen Soldaten in einem Afghanistan-Einsatz grundsätzlich nicht der Fall. Das Trauma wird meist erst nach der Rückkehr offenkundig. Solange es Vorgesetzte in der Bundeswehr gibt, die die Teilnahme aus Auslandseinsätzen zurückgekehrter Soldaten an den Nachbereitungsseminaren als "Verpissen" und "Weicheiergetue" bezeichnen, stinkt der Fisch auch am Kopf.

ALFTER (NRDRH.-WESTF.) HANS-DIETER SCHELL

SPIEGEL ONLINE FORUM

Diagnostik und Therapie der PTBS geschieht bei der Bundeswehr sehr professionell, weil die Problematik früh erkannt, effektive Behandlungspläne etabliert und die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten innerhalb des Sanitätsdienstes immer wieder lösungsorientiert diskutiert wurden. Es liegt an den politisch Verantwortlichen, auch für die Behebung eingetretener gesundheitlicher Kollateralschäden bei Soldaten ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen.

RANDERSACKER (BAYERN) PROF. GERH. SCHINDLER

OBERSTABSARZT DER RESERVE A. D.

MITGLIED DES WEHRMED. BEIRATES B. BMVG


DER SPIEGEL 10/2009
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