DER SPIEGEL



Personalien

Jean-Paul Cluzel

Jean-Paul Cluzel , 62, Intendant von Frankreichs größter Rundfunkanstalt, soll mit einem Tabubruch jetzt auch Staatspräsident Nicolas Sarkozy verärgert haben. Dem satirischen Nachrichtenmagazin "Le Canard enchaîné" zufolge hält Sarkozy den Intendanten nicht mehr für "würdig, Leiter einer öffentlichen Anstalt zu sein", weil Cluzel derzeit auf dem März-Blatt eines Aids-Solidaritätskalenders von "Act up" prangt - in höchst pikanter Selbstinszenierung. Das Gesicht unter einer rotledernen Wrestler-Maske, die nur Augen und Vollbart freilässt, den nackten Oberkörper tätowiert und die Brustwarzen mehrfach gepierct, schmiegt sich Cluzel in die Arme eines Kavaliers in Hemd und Fliege, aus dessen Brusttasche Dollarnoten lugen. Tatsächlich trifft der 60 mal 40 Zentimeter große Tattoo-Kalender, gespickt mit nackten Genitalien, nicht jedermanns Geschmack. Das muss auch Cluzel klargeworden sein, der anfangs, als das Foto im Pariser Stadtmagazin "Métro" abgedruckt war, Angriffe aus der eigenen Redaktion noch damit abwehrte, er trete nicht als Radio-Chef auf, sondern als "Mann über 60, der stolz ist auf seinen guterhaltenen Körper". Jetzt lässt er den Nachdruck des Fotos verbieten. Laut "Canard enchaîné" sind Cluzels Intendantentage gezählt. Sarkozy habe geätzt: "Der Typ ist verrückt. Er glaubt, alles ist erlaubt. Sein Privatleben ist sein Privatleben. Er kann daraus machen, was er will, aber nicht sich selbst derart veröffentlichen." Der Elysée-Palast hat Sarkozys Worte des Missfallens dementiert, die aber auch andere Journalisten gehört haben wollen.


DER SPIEGEL 11/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 11/2009
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!


Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Bei Spodats erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Personalien:
Jean-Paul Cluzel

TOP



TOP