16.03.2009

HIRNFORSCHUNGGottes Platz im Kopf

Wo im Gehirn sitzt Gott? Nicht an einem Punkt, sondern an mehreren Stellen entfalten sich religiöse Gefühle, wie Mediziner um Dimitrios Kapogiannis und Jordan Grafman vom US National Institute of Neurological Disorders and Stroke herausgefunden haben. Die Hirnforscher ließen Probanden verschiedener Religionen im Kernspintomografen über religiöse Probleme sinnieren. Dabei zeigte sich erhöhte Aktivität in Hirnarealen, die gemeinhin genutzt werden, um sich in andere hineinzuversetzen. Die Vorstellung von Gottes Zorn etwa schlug sich im linken Schläfenlappen nieder (Grafik links), jene von Gottes Liebe im rechten Stirnlappen (Grafik rechts). "Es gibt keinen bestimmten Platz für Gott im Gehirn", sagt Grafman. Religiöse Gefühle werden demnach in gängigen Hirnarealen verarbeitet und genau wie andere Informationen herangezogen, um Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Das Gehirn sei zwanghaft darin, für alles eine Erklärung zu suchen, sagt Grafman. Wenn sich etwas nicht rational erklären lasse, tendierten religiöse Menschen dazu, "auf Übernatürliches zu vertrauen". Über die Existenz von Gott sage die Studie indes nichts aus: "Er kommt in unseren Daten nicht vor."

DER SPIEGEL 12/2009
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HIRNFORSCHUNG:
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