SPIEGEL: Ihr Freund Stephen Wolfram sorgt mit seiner neuartigen Suchmaschine WolframAlpha* für Aufsehen. Sie haben sie bereits testen können. Wie funktioniert sie?
Spivack: Wer WolframAlpha benutzt, hat das Gefühl, als würde er an ein riesiges elektronisches Gehirn andocken. Man kann Fragen stellen und erhält nicht nur Antworten, sondern grafisch angereicherte Wissenssammlungen. Es hilft den Benutzern, Wissen und Daten zu durchforsten, und kann sogar selbst neue Fragen aufwerfen.
SPIEGEL: Von einem "Google-Killer" ist die Rede. Wird das System das Internet verändern?
Spivack: Der Begriff ist falsch. Anders als Google ist WolframAlpha weit mehr als eine Datenbank. Google versorgt die Welt mit Gedächtnis, WolframAlpha wird die Welt mit logischem Denken, Argumenten und Schlussfolgerungen versorgen. Keiner kann vorhersagen, inwieweit das Programm das Internet verändern wird. Aber es wird die kol-
lektive Intelligenz des Netzes deutlich erhöhen.
SPIEGEL: Was für Fragen kann WolframAlpha beantworten?
Spivack: Fragen über Technik, Geografie oder Biologie zum Beispiel. Wer etwa eine kurze DNA-Sequenz eingibt, kann erfahren, ob und wenn ja, wo diese im menschlichen Erbgut auftaucht und vielleicht auch, welche Bedeutung sie hat. Oder Sie stellen die Frage, wie groß die Entfernung vom Mond zur Sonne in genau diesem Augenblick ist: Google würde eine Internet-Seite vorschlagen, die einen ungefähren Wert liefert. WolframAlpha rechnet die Entfernung selbst aus und liefert das exakte Ergebnis. Auch über Wirtschaft, Gesundheit, Kochen, Wetter, Musik und vieles mehr weiß das System schon in dieser frühen Entwicklungsphase erstaunlich viel.
SPIEGEL: Wolfram selbst spricht in seinem Blog von einem Paradigmenwechsel im Netz. Ist die Euphorie berechtigt?
Spivack: Zumindest arbeitet das System völlig anders als bisherige Suchmaschinen. Es funktioniert wie ein Verstärker, deckt Querverbindungen zwischen Themen auf und integriert enorme Datenmengen. Kein Mensch wäre dazu in der Lage - schon aus Zeitgründen nicht. WolframAlpha kann dabei helfen, Zusammenhänge zwischen Ideen herzustellen und Muster in riesigen Datenmengen zu erkennen, die Menschen verborgen bleiben. Ich glaube daher, dass es sogar Spezialisten neue Entdeckungen bescheren könnte.
DER SPIEGEL 12/2009
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