Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte war auch einer seiner größten Coups. Vorigen November hatte der Milliardär Robert Allen Stanford auf der Insel Antigua zur höchstdotierten Mannschaftspartie in der Sporthistorie gebeten - 20 Millionen Dollar Preisgeld zahlte er für das Cricketmatch zwischen England und den "Stanford Superstars", einer Karibik-Auswahl. Das Spektakel sollte künftig alljährlich stattfinden, so festgelegt in einem Fünfjahresvertrag, finanziert von Stanford, 58, einem gebürtigen Texaner und Bürger von Antigua und Barbuda. Doch im Februar flog Stanford als Betrüger auf. Sein Konzern, die Stanford Financial Group, soll Anleger um etwa acht Milliarden Dollar betrogen haben. Der Vorfall hat im Mutterland des Cricket eine Krise ausgelöst. Der nationale Verband England and Wales Cricket Board (ECB) hatte den Vertrag mit Stanford geschlossen, nun wird Präsident Giles Clarke zum Rücktritt aufgefordert. "Das war eine schäbige Episode", sagt Neil Davidson, Vorsitzender des Leicestershire County Cricket Club. Die Traditionalisten mochten sich ohnehin nie mit Stanfords Stil anfreunden. Zur Bekanntgabe des Abkommens in London war er in einem Helikopter auf dem Rasen des Lord's Cricket Ground gelandet. Die 20 Millionen Dollar Preisgeld brachte er in bar mit, in einer Kiste aus Plexiglas.
DER SPIEGEL 13/2009
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