30.03.2009

KLASSIK Drei sind einer zu viel

Sie ist attraktiv, hochbegabt und stammt aus China, dem Land mit dem größten Reservoir an Klassikkünstlern und potentiellen Käufern: Die Pianistin Yuja Wang, 22, ist der neue Star der Deutschen Grammophon. Für ihre Debüt-CD, die demnächst herauskommt, hat sie sich ein anspruchsvolles Programm ausgesucht. Außer Chopin und Liszt spielt sie Alexander Skrjabins vertrackte 2. Sonate sowie zwei schwierige Etüden von György Ligeti. Wang ersetzt bei der Grammophon ihren Landsmann Yundi Li, 26, den die Firma sechs Jahre lang als Wunderpianisten vermarktet hatte - doch ohne durchschlagenden Erfolg. Zu dürftig war der Verkauf; sein Vertrag wurde gekündigt. Zudem hat das Label mit Lang Lang, 26, ohnehin den zurzeit kommerziell erfolgreichsten Pianisten aus Asien unter Vertrag. In der Marketingstrategie des Hauses, so behaupten Branchenkenner, sei daher nur noch Platz für ein Ausnahmetalent mit einer ganz besonderen Eigenschaft: Es sollte weiblich sein.


DER SPIEGEL 14/2009
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