SPIEGEL: Die Verhandlungen über eine Urheberrechtsabgabe für Musikvideos auf YouTube sind gescheitert. Nun hat YouTube angekündigt, Musikvideos zu sperren. Haben Sie damit gerechnet?
Heker: Überhaupt nicht. YouTube versucht, mit den Sperrungen Druck auf die Urheber auszuüben, also Komponisten, Textautoren und Musikverlage. Das hat nichts mehr mit fairen Verhandlungen zu tun. Was mich wundert: Wenn ich mich bei YouTube umschaue, kann ich bisher nicht entdecken, dass in größerem Umfang schon Videos gesperrt worden sind.
SPIEGEL: Ist die Ankündigung also nur ein PR-Trick?
Heker: Möglicherweise. In England ist YouTube denselben populistischen Schritt gegangen und hat bestimmte Videos abgeschaltet, als die Verhandlungen vor dem Scheitern standen.
SPIEGEL: Sie fordern von YouTube zwölf Cent pro abgerufenem Musikvideo. Ist das nicht auch ziemlich weltfremd?
Heker: Wir haben nie von zwölf Cent gesprochen. Die Ausgangsbasis war ein Cent. YouTube spricht von zwölf Cent nur im Rahmen seiner Kampagne gegen uns.
SPIEGEL: Aber auch ein Cent ist eine Menge für jeden Klick ...
Heker: Die Urheber sind nicht dafür da, dass YouTube auf ihre Kosten mit Werbung Geld verdient.
SPIEGEL: Viele Künstler, die von Ihnen vertreten werden, beschweren sich über Ihre Forderungen an YouTube und befürchten, für ihre Musik könnte eine mittlerweile wichtige Marketing-Plattform wegbrechen.
Heker: Wir sind nicht angetreten, diese Plattform zu stören. Wir haben aber einen gesetzlichen Auftrag. Die meisten unserer Mitglieder stärken uns den Rücken und sagen, wir sollen uns von einer Firma, die zu 100 Prozent Google gehört, nicht an die Wand drücken lassen. Da gibt es einen Konflikt: Der Künstler will auf der einen Seite eine angemessene Vergütung haben, auf der anderen aber auch auf YouTube erscheinen. Das eine schließt das andere aber nicht aus.
DER SPIEGEL 15/2009
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