13.07.2009

MAN Düpierte Kontrolleure

Die Führung des Münchner MAN-Konzerns versuchte offenbar bereits 2006, sich verstärkt gegen finanzielle Unregelmäßigkeiten im Unternehmen zu wappnen. Das geht aus Aufsichtsratsprotokollen hervor, die auch der Münchner Staatsanwaltschaft bei ihren Korruptionsermittlungen gegen den Nutzfahrzeughersteller vorliegen. Demnach hatte ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz, zu der Zeit im Nebenberuf Aufsichtsratschef bei MAN, den Vorstand bereits im Dezember 2006 kurz nach der Siemens-Großrazzia aufgefordert, die hauseigene Revision verstärkt in Problemregionen zu schicken. Anfang Februar 2007 legte der Chefkontrolleur nach. Damals regte Schulz an, einen Bericht über die Schmiergeld-Präventionsmaßnahmen bei MAN zu erstellen. Das Anfang März 2007 vorgelegte Ergebnis der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG fiel erstaunlich positiv aus. Es bestünden "keine Anhaltspunkte für systembedingte Compliance-Probleme", heißt es darin. Dennoch verschärfte die MAN-Führung die bestehenden Anti-Korruptions-Regeln drastisch. Erste Hinweise zu den nun aufgetauchten dubiosen Zahlungen an eine Hamburger Reederei für den Kauf von Hochseeschleppern im Jahr 2005 gingen in der MAN-Zentrale offenbar erst Ende 2008 ein. Ihren Industriedienstleister Ferrostaal, seit vergangener Woche mit im Zentrum der Ermittlungen, hatten die Münchner da allerdings schon mehrheitlich an eine arabische Investmentfirma verkauft.


DER SPIEGEL 29/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.